Der Name «Solothurn» macht schweizweit die Runde. Dafür sorgt schon nur Christof Gasser, der mit Krimigeschichten rund um den Tatort Solothurn in den Bestsellerlisten rangiert. Im vergangenen Jahr ging Mimi ohne Krimi «Solothurn trägt Schwarz» nicht ins Bett, während heuer mit «Solothurn streut Asche» ein Einsiedelei-Mörder in den Köpfen von Krimifans sein Unwesen treibt. Wer will da noch behaupten, dass Solothurn schläft – mal abgesehen von der zusätzlichen Stunde Tageslicht, die uns zum Weiterlesen geschenkt ist.

Zwar trugen diese Woche in Solothurn einige hohe Gäste ebenfalls Schwarz, kriminell wurde es aber dennoch nicht. Sonst nämlich wären besagte Gäste kaum ohne schwadronierende Kampfjets und ohrsteckerbewaffnete Bodyguards in Solothurns Altstadtgassen unterwegs gewesen: Der Gesamtbundesrat erwies der Ambassadorenstadt seine Reverenz. Mögen die altehrwürdigen Hallen im Von-Roll-Haus günstig gewesen sein für die Ratsbeschlüsse, über die das magistrale Septett brütete.

So auch der erklärte Wunsch der medienumstürmten Doris Leuthard, die sich darüber neidisch zeigte, dass Städte wie Solothurn wunderschöne Häuser ihr Eigentum nennen können. Nur halt eben, dass das Von-Roll-Haus der gleichnamigen Familie und nicht der Stadt gehört...

Nicht minder interessiert mischte sich die bundesrätliche Siebenfaltigkeit unters Volk, um den Marathon der Selfies, Smalltalks, Cüplis und Autogramme unbeschadet zu überstehen; volksnah und fast schon per «Du».

Apropos volksnah und per «Du»: Genauso dieses Selbstbild will ja derzeit auch die Schweizer Post nach aussen tragen. An jenen privilegierten (eben volksnahen) Orten, wo es noch Postfilialen gibt, heissen diese neu «Anita» oder «Andreas».

In Solothurn wurde bis Redaktionsschluss noch keine bevornamste Filiale entdeckt, die von der Imagepolitur des gelben Riesen erfasst worden wäre. Aber das Konzept liesse sich ausdehnen: auf Restaurants, die neu «Zum Chris», «Zum Franz», «Zum Roland» heissen – der (alte) «Stephan» machts ja vor.

Apropos «Roland»: Auch könnte die Duziskultur zum Rathaus vordringen, das mit «Roli» oder einem noch nicht feststehenden Namen beschildert wäre. Das Stadtpräsidium hiesse dann wohl neu ... – aber lassen wir doch zunächst die kommunalen Wahlen verstreichen...

Apropos Wahlen: Duzis machen geht auch mit geringerem Aufwand, beispielsweise via Facebook. Wenn Sie in den nächsten Wochen also eine Freundschaftsanfrage bekommen sollten, bei der es im sozialen Erinnerungsvermögen nur dumpf klingelt – dann könnte es einer der 123 Gemeinderatskandidaten sein.