Wenn die Orientierungsversammlung der Raiffeisenbank Solothurn als Gradmesser gilt, steht der Bildung der grössten Raiffeisenbank im Kanton Solothurn nichts im Wege. Am Anlass in der vollbesetzten Mehrzweckhalle in Riedholz tauchten keine grundsätzlichen Einwände auf. Vielleicht lag es daran, dass Verwaltungsratspräsident Matthias Miescher bei der Präsentation des Fusionsprojektes mit den Raiffeisenbanken Wandflue (Grenchen) und Weissenstein (Langendorf) mehrfach versicherte, dass sich «nicht viel ändern wird».

Bankspitze kommt aus Grenchen

Dabei ändert zumindest bankintern einiges, vor allem gibt es eine Verschiebung der Verantwortlichkeiten in Richtung Grenchen. Designierter Chef der neu unter dem Namen «Raiffeisenbank Weissenstein» auftretenden Genossenschaft ist Tony Broghammer. Der 62-Jährige ist heute Leiter der Grenchner Raiffeisenbank Wandflue.

In der vierköpfigen Bankleitung sollen zudem Thomas Lüthi und Andreas Probst, beide ebenfalls von der Wandflue, Einsitz nehmen. Als einziger Nicht-Grenchner ist Giancarlo Grifone, heute Leiter der Raiffeisenbank Solothurn, als stellvertretender CEO vorgesehen. Der neunköpfige Verwaltungsrat der neuen Bank setzt sich paritätisch aus Mitgliedern der drei Banken zusammen. Designierter Verwaltungsratspräsident ist der 51-jährige Silvio Bertini, seit 2010 VR-Präsident der Wandflue. Der operative Sitz der fusionierten Bank wird in Grenchen sein, der juristische Hauptsitz in Solothurn.

In diesem Zusammenhang wollte Miescher nicht von Gewinnern und Verlierern sprechen. «Es gibt nur Gewinner und in fünf Jahren möchte niemand mehr zurück.» Er sprach bei der personellen Besetzung von «einer sehr ausgewogenen Lösung». Raiffeisen Wandflue sei die mit Abstand grösste der drei Banken und «ist ausserordentlich erfolgreich». Dazu ein Blick in die Geschäftsberichte: 2014 wies Wandflue eine Bilanzsumme von 583 Millionen, Solothurn von 509 Millionen und Weissenstein von 441 Millionen Franken aus. Den höchsten Jahresgewinn mit 646 000 Franken wies aber die Kleinste aus, gefolgt von Wandflue mit 535 000 Franken und Solothurn mit 280 000 Franken.

Für die Fusion sprächen mehrere Gründe, erklärte Matthias Miescher. Der Wettbewerb werde härter, die Raiffeisenbank stehe auf dem Platz Solothurn in Konkurrenz mit sieben weiteren Banken. Die Erwartungen der Kunden nähmen zu, die Beratungsqualität müsse hochgehalten werden. Ferner steige der Kostendruck bei gleichzeitig erodierender Zinsmarge. Die Anzahl der Regulatorien sei ab 2010 wie «eine Rakete» gestiegen. Jede der drei Banken müsse für deren Einhaltung viel Aufwand betreiben, ohne damit Geld zu verdienen. «Deshalb müssen wir grösser werden.»

Kein Stellenabbau

Die Fusion führe zwar zu Synergien im administrativen Bereich, aber es sei kein eigentliches Kostensenkungsprogramm. Es gehe darum, die richtige Grösse zu erhalten, um im Wettbewerb bestehen zu können. «Freiwerdende Kapazitäten sollen vielmehr für den Service an der Front, sprich Kundenberatung, eingesetzt werden.» Deshalb werden alle Mitarbeitenden weiterbeschäftigt und alle Geschäftsstellen bleiben erhalten, wie Miescher versicherte. Für Letzteres gebe es aber «keine Garantie auf ewig». Entscheidend werde die Kundenfrequenz sein.

Da der Anteilschein der neuen Raiffeisenbank Weissenstein einen Nominalwert von 500 Franken haben wird, müssen die Genossenschafter der Raiffeisenbank Solothurn je 300 Franken nachliberieren, also nachzahlen. Der Wert des heutigen Anteilscheins liegt bei 200 Franken. Wer den Aufpreis nicht zahlen wolle, erhalte die 200 Franken zurück und sei dann aber nicht mehr Genossenschafter, antwortete Miescher auf eine Frage aus dem Publikum.

Kein Thema war in der Diskussionsrunde die bauliche Infrastruktur der drei Banken. Sie haben in den vergangenen fünf Jahren gegen 30 Millionen Franken in Solothurn, Grenchen und Langendorf in Neu- und Umbauten gesteckt. Über die Fusion werden die Generalversammlungen der drei Banken im kommenden Frühling abschliessend befinden.