Ruhestand

Direktorin der Zentralbibliothek geht nach 28 Jahren Tätigkeit in den Ruhestand

Die Germanistin und Historikerin Verena Bider gibt per Ende Juni die Leitung der Zentralbibliothek ab.

Verena Bider geht als Direktorin der Zentralbibliothek per Ende Juni nach 28 Jahren Tätigkeit in den Ruhestand.

Vorbei sind die Zeiten, als Wissensdurstige aller Alters- und Bevölkerungsschichten in öffentlichen Bibliotheken in Karteikärtchen herumschnüffelten und Stunden zwischen Bücherregalen verbrachten, um das Eine zu finden, das den geistigen Horizont erweitern sollte. Der digitale Wandel in der Gesellschaft hat den Charakter der Bibliotheken verändert und die für deren Aufbau, Struktur und Vermittlung zuständigen Verantwortlichen vor grosse Herausforderungen gestellt.

Das hat auch Verena Bider als langjährige Direktorin erfahren, die am Ende dieses Monats nach 28 Jahren Tätigkeit an der Zentralbibliothek Solothurn in Pension geht und die Leitung an Yvonne Leimgruber abgibt. Angestellt wurde die gebürtige Baselbieterin als Katalogchefin. «Es war die Zeit, als man am Telefon im Hintergrund noch das Geklapper einer Hermes-Schreibmaschine hörte», erinnert sie sich. Wohl verfügte die Bibliothek damals bereits über ein elektronisches System, dem man allerdings nicht viel zutraute. Fazit: Die Bestände wurden anfänglich sowohl auf dem PC als auch auf den schier unverzichtbaren Karteikarten festgehalten.

Digitalwelt beschäftigt weiter

Anfang 2019 wurde dann in Solothurn vollzogen, was in anderen öffentlichen Bibliotheken bereits Usus war: der Wechsel zu einem überregionalen Verbund. Leicht war dieser Schritt allerdings nicht. «Es brauchte Zeit, bis sich das Publikum an das Neue gewöhnt hatte, und noch heute nimmt die Beratung viel Zeit in Anspruch», weiss die studierte Germanistin und Historikerin aus Erfahrung. Das heisst andersherum: Der auch mit sozialpädagogischen Aufgaben gepaarte digitale Wandel wird das Bibliothekspersonal auch in Solothurn noch einige Zeit herausfordern und beschäftigen.

Dass öffentliche Bibliotheken durch die zunehmende Digitalisierung überflüssig werden und das analoge Buch ausstirbt, glaubt die scheidende Direktorin nicht: «Die digitale Welt, die vor allem für die Wissenschaft von Bedeutung ist und das handliche Buch lassen sich gut unter einen Hut bringen.» Kommt dazu, dass die öffentliche Bibliothek nicht nur eine Institution ist, wo Wissen vermittelt wird, sondern für viele auch Arbeitsort, Zuhause und Treffpunkt.

«Eine Bereicherung für alle»

Nach 28 Jahren weiss Verena Bider zudem auch: «Die Zentralbibliothek Solothurn ist ein wunderbarer Ort und eine Bereicherung für alle, die sich Zeit nehmen, Zusammenhänge zu entdecken, die nicht immer auf der Hand liegen.» Nebst der Grundversorgung mit Literatur gebe es historische Bestände, die weltweit gefragt seien. «Vom Stoffbilderbuch bis zum lateinischen Fragment findet man bei uns alles.»

Nicht nur der digitale Wandel hat die Zentralbibliothek in den vergangenen Jahren vor immer neue Aufgaben gestellt. Auch die Finanzen im Lot zu halten war eine grosse Herausforderung und hat viel Zeit in Anspruch genommen. «Es war und ist nicht immer leicht, den Betrieb finanziell und personell ausgewogen zu gestalten», weiss sie. Auch in Zukunft würden grosse Aufgaben auf die Institution zukommen. «Das Gebäude wird immer älter und renovationsbedürftiger. Zudem wäre eine Cafeteria wünschenswert.» Im Gegensatz zu früher arbeiten heute mehr Teilzeitarbeitende als früher im Betrieb. «Der Frauenanteil ist erfreulich hoch und Frauen an der Spitze und in Kaderstellen gut vertreten.» Gestiegen ist auch die Zahl der angebotenen Veranstaltungen – auch für Kinder. Weitere Projekte, die Verena Bider im Laufe der Jahre beschäftigt haben, waren die Integration der ehemaligen Kapuzinerbibliothek, die Suche nach einer Lösung für die Stadtarchivbestände, eine Speicherbibliothek, die Vollmigration der Daten, die digitale Selbstverbuchung sowie drei Publikationsreihen zu Bibliotheksbeständen und eigene Aufsätze. Daneben war sie unter anderem als Mitglied der Maturkommission der Kantonsschule Solothurn und der Eidgenössischen Bibliothekskommission tätig.

Bider bleibt aktiv

Wird die scheidende Bibliotheksleiterin nach der Pensionierung ihren Arbeitsplatz vermissen? Sie lacht: «Es gibt Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist, dass ich nun frei wählen kann, was ich tun will, der Nachteil, dass ich die Schätze der Zentralbibliothek aktiver suchen muss.» Geplant sind längere Reisen und «dann möchte ich Aufsätze über historische Themen schreiben, die mich besonders interessieren.» Trotz ihrem Wohnort in Wangen bei Olten wird sie Solothurn verbunden bleiben. «Ich habe hier einen grossen Freundeskreis, den ich mir auch während meiner 16-jährigen Tätigkeit als Altgesellin der Töpfergesellschaft erworben habe.» Im nächsten Halbjahr wird die scheidende Bibliotheksleiterin weiterhin als Projektleiterin der im Rahmen eines Forschungsprojektes im Entstehen begriffenen Jubiläumsschrift zum 2000-Jahr-Jubiläum der Stadt Solothurn tätig sein. Dies aber in klarer Trennung zu ihrer bisherigen Tätigkeit.

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