Solothurn

Diese drei wollen das Publikum mit ihren Rockklängen mitreissen

Roman Lerch, Dominik Blumer und Daniel Frey (v.l.) sind «The Opposite».

Roman Lerch, Dominik Blumer und Daniel Frey (v.l.) sind «The Opposite».

Mit «The Opposite» tritt eine neue Solothurner Band ins Scheinwerferlicht. Und ihr Album wird am Freitag im Kofmehl getauft.

Elf Songs, die gleichzeitig auch Orte sind. Elf Songs, die innere Filme zum Laufen bringen: die Szene vor dem Fenster, an dem sich Regentropfen ein Rennen liefern. Oder jenen Film, der sich am Ufer eines Meeres abspielt, von wo man in der Gischt Meerjungfrauen zu sehen glaubt. Es ist ein Klang, der sich irgendwo zwischen Himmel und Erde ausbreitet und jetzt auf dem Album «Welcome to the World» konserviert wurde.

Die Handschrift der Filmmusiker ist erkennbar

Dominik Blumer, Roman Lerch und Daniel Frey haben unter dem Bandnamen «The Opposite» ihr Erstlingswerk geschaffen. Eines, das gleichermassen von sphärischer, ätherischer Leichtigkeit wie von geerdeter Kraft strotzt und sich einerseits des handfesten Rocksounds bedient, andererseits aber auch die Möglichkeiten der synthetischen Tonerzeugung auslotet. Dem soliden musikalischen Handwerk erkennt man zudem die Herkunft seine Urheber an: Dass das Album nämlich beim Hörer die persönliche «innere Leinwand» befeuert, rührt nicht zuletzt davon her, dass Filmmusik für zwei der drei Bandmitglieder zur täglichen Arbeit dazugehört.

Der in Feldbrunnen aufgewachsene Roman Lerch (Keyboard, Gesang, Synthesizer) und der aus Arlesheim stammende Dominik Blumer (Gesang, Gitarre) kennen sich über dieses Tätigkeitsfeld, und sind beide Teil des solothurnisch-bernischen Filmmusik-Kollektivs «Feed the Monkey». Aus dieser Studioschmiede stammt auch die Musik von Filmen wie Nino Jacussos «Shana». Daniel Frey, dritter Mann im Bunde, ist mit Roman Lerch seit der Kantonsschulzeit freundschaftlich verbunden: «Wir haben in unseren ersten Kanti-Bands zusammen gespielt», erinnert sich der in Riedholz aufgewachsene Schlagzeuger.

Musik aus «Shana – The Wolfs Music»

«Die Zeit ist reif» für Live-Auftritte

«Wir haben viele Studio-Projekte zusammen realisiert», weiss Lerch. «Auch haben wir viel live gespielt. Jetzt ist die Zeit wieder reif, dort anzusetzen.» Dominik Blumer seinerseits schätzt das Unmittelbare eines Auftritts. «Mich reizt die physische Erfahrung. Es geht nichts über ein Publikum, das bei einem Live-Gig richtig abgeht.» Mit «The Opposite» will das Dreiergespann diesen Horizont anpeilen. Und mit der stilistischen Bandbreite von «Welcome to the World» dürfte es auch ein ziemlich breites Publikum erreichen.

Bereits im Frühjahr 2017 wagte sich die Combo erstmals auf die Bühne. Seither widmeten sich Lerch, Frey und Blumer intensiv dem Albumprojekt und entwickelten zusammen die musikalische Gestalt der insgesamt elf Songs. «Im Studio von Roman konnten wir uns für die Erarbeitung Zeit lassen», sagt Dominik Blumer. Er selbst hat die Songtexte zum Album beigesteuert und darin eine Breite von Themen verarbeitet: «Es sind alles sehr persönliche Songs und nehmen Bezug auf das, was ich gesellschaftlich und politisch wahrnehme.»

Wie können sich Männer im 21. Jahrhundert emotional ausdrücken? Dies ist die zentrale Frage im Song «Boys don’t restrain». Und «Golden Age» wirft die Thematik unserer beschränkten Ressourcen auf, die mit rasantem Tempo zur Neige gehen. «Ich versuche, mich vom Klang der Worte leiten zu lassen», erklärt Blumer. Dabei darf und soll der Text auch im Kontrast zum Klang stehen. Und dann erkennt Lerch Schnittpunkte zur Filmmusik, die über die Instrumentierung, das musikalische Thema und die Melodie hinaus vor allem Klang und Stimmung schaffen. Derweil folgt Daniel Frey seiner Berufung, die Songs mit dem richtigen Groove zu würzen. «Wir kennen uns sehr gut und wissen, wer was kann», sagt Blumer zur allgemeinen Arbeitsaufteilung: «Wenn wir zusammensitzen, kommt immer schnell was raus.»

Ein Album in guter Freundschaft entstanden

Das Album nahm in Roman Lerchs eigenem Studio «Nachklang» Gestalt an, aufgenommen wurde zwischen Sommer 2018 und Sommer 2019. Dominik Blumer denkt gerne an die vergangene Schaffenszeit zurück. «Es zeugt von einer guten Freundschaft, wenn man zusammensitzt und gute Lösungen ausarbeiten kann.» Im Herbst dann erfolgten der Mix und das Mastering – und morgen Freitag die Plattentaufe in der Kulturfabrik Kofmehl. «Mit dem physischen Album in der Hand hat das Publikum auch die Möglichkeit, was heimzunehmen.» So wird «Welcome to the World» neben dem digitalen Vertrieb via Spotify auf CD, aber auch auf Vinyl zu haben sein.

Doch was folgt nach dem ersten Album? «Wir wollen spielen, das ist sicher», sagt Blumer. Um sich aber den Rücken für das Wesentliche freizuhalten, sind weitere Schritte nötig: «Bis jetzt haben wir alles selbst gestemmt», so Lerch. So hält das Trio Ausschau nach Labels, Booking-Agenturen und Radiostationen: «Mit dem Album haben wir etwas zum Vorzeigen.»

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