Stadt- und Gewerbevereinigung Solothurn

Die IG «Märet» erhält den Anerkennungspreis — Wie gut geht es der Stadt?

Übergabe des Anerkennungspreises an die IG Märet (v. l.): Caroline Jäggi, SGSo-Geschäftsführerin, Elsbeth Lanz, Präsidentin IG Märet, Jörg Müller, Baloise Bank, und SGSo-Präsident Tobias Jakob.

Übergabe des Anerkennungspreises an die IG Märet (v. l.): Caroline Jäggi, SGSo-Geschäftsführerin, Elsbeth Lanz, Präsidentin IG Märet, Jörg Müller, Baloise Bank, und SGSo-Präsident Tobias Jakob.

In der Solothurner Reithalle fand die Generalversammlung der Stadt- und Gewerbevereinigung Solothurn mit rund 110 Anwesenden statt. Den diesjährigen Anerkennungspreis erhält die Interessengemeinschaft Wochenmarkt.

«Wird Solothurn in ein paar Jahren eine Geisterstadt oder nur noch ein barockes Museum sein?» Diese Frage stellte Hanspeter Lindt, langjähriger Inhaber des Fachgeschäfts Lindt Dessous, an der Generalversammlung der Stadt- und Gewerbevereinigung Solothurn SGSo. Ihm bereite die Entwicklung – zuletzt schlossen diverse Geschäfte – Sorgen. «Die Frequenzen sind vor allem unter der Woche stark rückläufig.»

Er regte deshalb vor 110 Anwesenden – davon 69 Mitglieder – in der Reithalle eine Projektgruppe an, die sich mit professionellem Know-how der Problematik des Strukturwandels annehmen sollte. Dies, da der stationäre Handel durch das Online-Business und den Einkaufstourismus arg in Bedrängnis geraten sei.

SGSO-Präsident Tobias Jakob relativierte, Solothurn sei nach wie vor ein «attraktiver Einkaufsort». Lindts Anliegen könne man «wegen der vielen Detailfragen», welche die Schaffung einer solchen Projektgruppe mit sich bringe, nicht als ordentlichen Antrag zum Entscheid vorlegen. Er versprach jedoch, das Thema an der nächsten Vorstandssitzung zu behandeln.

Support des Stadtpräsidenten

In seinem traditionellen «Mot du président» am Schluss der Versammlung sagte Stadtpräsident Kurt Fluri für eine solche Projektgruppe «finanzielle, und wenn es sie braucht auch personelle Unterstützung» zu. Er sieht jedoch die Situation für die Einkaufsstadt Solothurn nicht derart dramatisch. Die Wirtschaftslage in der Region Solothurn sei gut, und die Altstadt mit ihren drei Parkhäusern, der historischen Kulisse sowie ihren Restaurants, Bars und Cafés bleibe attraktiv.

Zudem boome der Tourismus, verwies Fluri auf die ständig angestiegene Zahl von Logiernächten in der Solothurner Hotellerie, begleitet auch von ständig mehr Stadtführungen. Ein ermutigendes Zeichen sei auch der jetzt begonnene Umbau bei Manor. Zudem wisse er von einem Geschäftsmann der Textilbranche, der seit längerem für einen Kollegen ein Geschäftslokal in der Altstadt suche – bis dato allerdings vergeblich.

Daneben streifte Kurt Fluri, als Nationalrat noch ganz unter dem Eindruck der Tagesaktualität in Bern, die neueste Entwicklung zur Steuerstrategie 17 beim Bund, nachdem der Kanton ja im Februar einen Kompromiss verkündet hatte, der wirklich das Prädikat historisch verdiene. Dass der Kanton bei den juristischen Personen einen Steuerfuss knapp unter 13 Prozent anpeile, sei richtig, «aber dazu braucht es Kompensationen», schnitt er geplante flankierenden Massnahmen zur Steuersenkung an, die erneut vors Volk kommen wird. Fluri sieht diese als unumgänglich an, um eine Abwanderung von Firmen, zuerst der Geschäftssitze, gefolgt von den Produktionsstätten und damit den Arbeitsplätzen, zu vermeiden.

Anerkennung für Marktfahrer

Ein Standortfaktor für ein attraktives Solothurn sind bestimmt die Wochenmärkte am Mittwoch und vor allem am Samstag, jeweils durchgeführt von rund 70 Marktfahrerinnen und Marktfahrern. Sie sind zusammengeschlossen in der Interessengemeinschaft Wochenmarkt oder kurz IG Märet, die im Frühling 1994 gegründet worden war und heute 54 Mitglieder zählt.

Nun erhielt die Organisation den diesjährigen Anerkennungspreis der Stadt- und Gewerbevereinigung zugesprochen, er wird jeweils ausgerichtet von der Baloise Bank und ist mit 5000 Franken dotiert. IG-Präsidentin Elsbeth Lanz (Gänsbrunnen) freute ich sehr und meinte in ihrer Dankeadresse: «Man sagt ja, unser Märet sei der Schönste der Schweiz.» Dafür seien nicht nur die Marktstände verantwortlich, sondern das Zusammenwirken mit den Geschäften, Restaurants und Cafés. «Es ist ein Geben und Nehmen», so Lanz, «Probleme gibt es erst, wenn jemand nur nimmt und nicht mehr gibt», sprach sie sich für ein faires Miteinander in der vor allem an Samstagen begehrten Geschäftslage im Herzen der Altstadt aus.

Sonntagsverkauf und Finanzen

Die ordentlichen Geschäfte passierten zügig und oppositionslos. Im Jahresbericht zählte Präsident Tobias Jakob all die Aktivitäten der SGSo von der Osteraktion über das Märetfescht bis zu der Weihnachtreise auf. Ausgefallen ist wegen Schlechtwetter das «White Dinner», soll aber dieses Jahr Ende August stattfinden, wie Geschäftsführerin Caroline Jäggi mit der Präsentation des Jahresprogramms bestätigte.

Finanzchef Peter Kurz wies einen Jahresgewinn von 18'000 Franken aus, der 2019 kleiner budgetiert ist, weil mehr in die Radio-Werbung und in den Unterhalt der Weihnachtsbeleuchtung investiert werden soll. Aus verfallenen Geschenkgutscheinen resultierte ein Ertrag von 30'000 Franken. In der Bilanz wird der Posten offene Gutscheine mit dem SGSo-Aktienpaket an Aktien der Rythalle AG abgedeckt – dieses umfasst bei einer Bewertung von 700 Franken pro Aktie total 853'000 Franken. Im abgelaufenen Jahr konnten übrigens 49'000 SO.GUTscheine im Wert von 18 Millionen Franken abgesetzt werden.
Bei einem gleich gebliebenen Bestand von 537 Mitgliedern wurden auch deren Beiträge unverändert belassen.

Von den vier Sonntagsverkäufen dieses Jahr findet der erste am nächsten Sonntag von 11 bis 17 Uhr statt, wird aber lauf GV-Beschluss vom Vorjahr nicht mehr beworben. Gratis parkieren könne man jedoch am Sonntag in den drei Parkhäusern der Parking AG Solothurn, so Caroline Jäggi.

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