Solothurn

Die FDP und die Angst, dass das Herz rebelliert – die Analyse nach der Nomination

Markus Schüpbach mit Blumenstrauss nach der Nomination.

Markus Schüpbach mit Blumenstrauss nach der Nomination.

Die FDP nominierte am Mittwoch Markus Schüpbach zu ihrem Stadtpräsidiumskandidaten. Marco Lupi unterlag. Die Analyse.

«Herz über Kopf» singt der deutsche Popsänger Joris. Das erfolgreiche Liebeslied erzählt von einem inneren Zwist des Protagonisten. Soll er sich für oder gegen eine Frau entscheiden? Das Herz sagt ja, der Kopf nein. Und immer wieder heisst es: «Herz über Kopf».

Die FDP, der man ja eher nachsagt, dass sie nüchterne Politik betreibt, hat diese Woche genau anders entschieden. «Kopf über Herz» hiess der Ausgang der Nominierungsversammlung für die Stadtpräsidiumswahlen. Mit 87 zu 75 Stimmen erkürten die Parteimitglieder Markus Schüpbach zu ihrem Stadtpräsidiumskandidaten. Das Rennen machte also jener, der mehr Führungserfahrung vorzuweisen hat. Der fleissige Schüpbach, der bereits die Facebook-Seite «Markus Schüpbach zum Stapi» gestartet hat, ist derzeit Direktor der Solothurnischen Gebäudeversicherung.

Mit dem Entscheid für Schüpbach unterlagen all jene FDPler, die auf das Herz gehört haben und den Namen Marco Lupi angekreuzt hatten.

Marco Lupi, der an der HESO der Speaker beim Säuli-Rennen mimt. Marco Lupi, der von der Chesslete bis zum Böögg-Verbrennen an vorderster Front dabei ist. Marco Lupi, der in den Solothurner Gassen auf einer Sympathiewelle surft.

Marco Lupi (mitte) als Oberchessler.

Marco Lupi (mitte) als Oberchessler.

Dass die Wahl nicht auf ihn, sondern den weniger bekannten und weniger volksnahen Markus Schüpbach fiel, kam für viele aus dem Nichts, so überraschend, dass vereinzelt über eine geschickte Mobilisierung gemunkelt wird. Die Überraschung sorgte aber vor allem für eines: für Enttäuschung und Frust bei den Unterstützern von Marco Lupi.

Zu spüren bekamen dies Marco Lupi, der in letzten Tagen vor allem bedauernde Telefonanrufe entgegennahm und Charlie Schmid, Präsident der FDP der Stadt Solothurn, der auch den Ärger zu spüren bekam. Seit der Parteiversammlung von Mittwoch kam es auch zu zwei Parteiaustritten, die aber offenbar nicht direkt mit der Nichtnomination von Marco Lupi zusammenhängen. Nichtsdestotrotz zeigen sie: Es herrscht Aufregung in der FDP.

Schmid gibt sich auf Anfrage gelassen und sagt, dass eine Seite immer enttäuscht sei. Er gibt sich optimistisch, dass die Gemüter sich rechtzeitig beruhigen und die FDP-Mitglieder geschlossen Markus Schüpbach unterstützen werden. Dennoch unterliess er es nicht, seine Kollegen noch an der Versammlung zur Einigkeit aufzurufen, und er warnte vor einem Szenario, wie bei den letzten Regierungsratswahlen. Einen ähnlichen Appell platzierte auch der Noch-Stadtpräsident höchstpersönlich: Man müsse nun geschlossen hinter Markus Schüpbach stehen, schreibt Kurt Fluri auf Facebook: «Der parteiinterne Wahlkampf ist vorbei. So haben wir gute Chancen für eine Fortsetzung des liberalen Stadtpräsidiums.»

Seit über 100 Jahren ist das Amt in der Hand der FDP, die seit der Wahl von Kurt Fluri 1993 an Stärke eingebüsst hat. Und so war die Chance der Linken, sich ins Stadtpräsidium zu hieven, noch nie so gross. Beinahe gleich gross ist jedoch das Unvermögen der SP und der Grünen, eine gemeinsame Strategie zu verfolgen, was der FDP in die Hände spielt und wohl parteiintern in der Unruhe für Beruhigung sorgt.

fabio.vonarburg@chmedia.ch

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Fabio Vonarburg

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