Was dürfen Gastrobetreiber im öffentlichen Raum? Und was lassen sie besser bleiben? Es sind dies die Fragen, die Stadtsolothurner auf petitio.ch, dem Bürgerportal dieser Zeitung, aktuell beschäftigen. Nach der «Lex Grill», gegen die sich mittlerweile über 600 Unterstützer mobilisiert haben, durchbrach nun die zweite städtische Petition die Schallgrenze von 200 Personen.

Und auch dieses Anliegen, das Stephan Marti, Geschäftsführer der Cafébar Barock, an die städtischen Behörden herantragen will, betrifft die Gastronutzung im öffentlichen Raum: Er fordert, den Landhausquai am Samstag ganztägig verkehrsfrei zu halten. Dadurch soll ermöglicht werden, dass die Betriebe am Aareufer bereits am frühen Vormittag die Aussenbestuhlung herrichten und nutzen können und nicht erst um 11.30 Uhr, wenn – Stand heute – das Fahrverbot eintritt.

Dass sich dahinter wirtschaftliche Interessen verbergen, streitet Marti keineswegs ab. «Doch es geht nicht nur um die Wirte. Auch der Gast profitiert, wenn er bei Sonnenschein draussen verweilen kann.» Gerade der Markt locke viel Volk nach Solothurn, «so dass sich sprichwörtlich auf jedem freiwerdenden Stuhl mindestens zwei Platz nehmen wollen.» Ausserdem sei es eine Frage der Sicherheit, wie auch Céline Günther von der benachbarten Cafébar Landhaus bestätigt: «Es ist kaum besser, wenn die Leute rumstehen, während der Verkehr zirkuliert.»

Mit Start- und Endspurt

Schon vor rund einem Jahr war Stephan Marti bei der Stadt mit derselben Bitte vorstellig geworden - und erhielt einen Korb: Es sei «das Anliegen eines Einzelnen», weswegen man das Gesuch ablehne, sei ihm damals mitgeteilt worden. Nun bewies der Petitionär das Gegenteil: 219 Unterstützer hatte die Petition gestern Abend – am 12. Januar endet sie bereits.

Doch ganz einfach war es nicht: «Die ersten 90 Unterstützer hatten wir bereits in den ersten der insgesamt 30 Tagen beieinander.» Doch danach war ein Zusatzeffort nötig, um weitere Personen zu mobilisieren. Nicht zuletzt «Barock»-Mitarbeiterin Damaris Häfeli habe in den vergangenen Tagen noch 200 Freunde per Facebook und Whatsapp angeschrieben, um einen erfolgreichen Endspurt hinzulegen.

Unterstützt wird Marti auch von anderen Gastrobetreibern am Landhausquai. Insgesamt geht es um rund 150 Aussensitzplätze bei mehreren Betrieben. «Wir würden natürlich eine Menge Zeit mit dem Aufbau sparen und können die Tische bereits um 8 Uhr vorbereiten», sagt Michele Luccarelli von der «Bar Soletta». «Das wäre um einiges sinnvoller», ergänzt Günther, «denn um 11.30 Uhr haben wir viele Gäste und nicht noch Zeit, die Aussenbestuhlung herzurichten.»

Unkenrufe gegen sein Anliegen hört Marti lediglich von anonymer Seite: «Es wird behauptet, wir hätten eh schon zuviele Vorteile durch die Lage am Quai.» Aber für den Erfolg zahle man auch entsprechende Mieten und letzten Endes auch Steuern. «So stellt sich uns letztlich keine Gegnerschaft, sondern eine Neiderschaft entgegen.»

Marti sieht keine Verlierer

Geht es nach dem Petitionär, wären auch die Marktfahrer, die vorzeitig vom Märet wegfahren wollen, kaum durch dieses Fahrverbot tangiert. Dies nämlich habe die Stadt auch gegenüber Marti in ihrer Argumentation geltend gemacht. «Die Marktfahrer verlassen die Stadt eher über die Achse Bieltor oder Baseltor.» Auch Céline Günther hat noch nie einen Marktfahrer am Landhausquai gesehen.

Nun bleibt Marti lediglich, die Reaktion seitens Stadtbauamt und Stadtpräsidium abzuwarten. Doch bereits umtreiben ihn und seine Gastro-Nachbarn neue Ideen für eine Aufwertung. Ebenfalls vor einiger Zeit reichte er ein Gesuch ein, um Bodenhülsen für Sonnenschirme aareseitig am Quai zu installieren – was ebenso zurückgewiesen wurde.

Einerseits sei laut Möblierungsleitfaden eine Bodenveränderung unzulässig. Andererseits würden Sonnenschirme die Sicht auf die Aare unzulässig einschränken, so die Kommission für Altstadt- und Denkmalfragen.