Filmtagebummel
Der erste Spielfilm an den Solothurner Filmtagen

Helmuth Zipperlen
Helmuth Zipperlen
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Hier feierte der Film L’Inconnu de Shandigor seine «avant-première mondiale».

Hier feierte der Film L’Inconnu de Shandigor seine «avant-première mondiale».

zvg

Heute Freitag, 22. Januar ab 12 Uhr kann in der Reihe Hommage der Solothurner Filmtage der Film L’Inconnu de Shandigor von Jean-Louis Roy gestreamt werden. Bei dieser Gelegenheit erinnere ich mich, wie der Film seinerzeit an die Filmtage kam. Ich war 1966 Aktuar der Filmgilde Solothurn und half mit bei der Wochenendveranstaltung «Schweizer Film heute». Obwohl die Zürcher Presse nur herablassend über diesen Anlass berichtete, waren dem Vorstand der Filmgilde seitens der Filmbranche so viele positive Rückmeldungen zugegangen, dass 1967 die 2. Solothurner Filmtage – wie der Anlass nun hiess – durchgeführt werden sollten.

Das Trio Stefan Portmann, Urs Reinhart und Paul Schmid leisteten die hauptsächlichsten Arbeiten und standen in engem Kontakt zu den Filmschaffenden. Gezielt wurden auch Filmjournalisten kontaktiert und der damalige «Filmpapst» der NZZ, Martin Schlappner, sagte seinen Besuch zu. Am 6. Januar 1967 wurde ein breit gestreutes Einladungsschreiben verschickt mit Angaben über Eintrittskarten und für Übernachtungen das Verkehrsbüro (heute Region Solothurn Tourismus) angegeben.

Ich war damals Direktionsassistent am Städtebundtheater. Es muss im Herbst 1966 gewesen sein, als mich Therese Glutz vom Verkehrsbüro anrief und mir mitteilte, es habe sich ein Westschweizer Filmregisseur in ihrem Büro danach erkundigt, wie er seinen Film an die Filmtage bringen könne. Sie habe ihm meine Nummer gegeben und er werde mich anrufen. Bald darauf hatte ich Jean-Louis Roy am Telefon. Er sagte, er habe einen Spielfilm gedreht und möchte ihn in Solothurn zeigen. Er konnte nicht Deutsch und mein Französisch ist auch nicht so besonders. Immerhin konnte ich ihm die Telefonnummer des Präsidenten der Filmgilde, Paul Schmid, geben.

An der nächsten Vorstandssitzung herrschte eitel Freude. Wir bekämen einen richtigen Spielfilm mit internationalen Stars. Wow! Freddy Landry lieferte eine Einleitung zum Film, welche dem Publikum mit dem definitiven Programm abgegeben wurde. «Ein Cineast kann einen Film mit seiner Intelligenz, also seiner Vernunft, mit seinem Herz, also seinen Gefühlen, mit seiner Empfindungsfähigkeit, also seinen Sinnen, mit seinem ‹Magen›, also seinen Impulsen machen», so beginnt dieser Text.

Die Jahresausbeute an einheimischem Filmschaffen reichte nicht aus, das Wochenende zu füllen. Deshalb wurde der deutsche Regisseur Haro Senft eingeladen. Mit Une ville à Chandigarh von Alain Tanner gab es immerhin einen langen Dokumentarfilm. Später schien es, als hätten wir uns über den Science-Fiction Spielfilm L’Inconnu de Shandigor zu früh gefreut und der Film könne nicht gezeigt werden. In der Zwischenzeit ist der Film nämlich vom Festival von Cannes eingeladen worden, was eine vorherige öffentliche Vorführung verunmöglichte. Aber glücklicherweise waren die 2. Solothurner Filmtage noch kein Festival, sondern lediglich die Veranstaltung eines Filmklubs. So konnte denn doch noch L’Inconnu de Shandigor als «avant-première mondiale» am 21. Januar 1967 um etwa 22.45 Uhr im Kino Scala gezeigt werden.