Dauerthema
Trotz Mängel und Schulden: Das CIS gönnt sich eine neue Website

Das CIS investiert in eine neue Website, die zahlreichen Mängel im Sportcenter sind aber noch nicht behoben. Gäste bezahlen nicht, weil niemand da ist, der bedient. Von den Verantwortlichen gibt es trotz Anfragen keine Antworten.

Christoph Krummenacher
Drucken
Teilen
Ein Blick in die Turnhalle im CIS, Juli 2021.

Ein Blick in die Turnhalle im CIS, Juli 2021.

zvg

Seit Jahrzehnten steht am westlichen Stadtrand von Solothurn eine Sporthalle. Das CIS Sportcenter ist aber älter als die Westumfahrung, das Kofmehl, das Pier 11. Und seit Jahren sieht man dem Ort sein Alter auch an. Denn: Beim CIS liegt einiges im Argen.

Im CIS gibt es Tennisplätze innen und aussen, Squashhallen, Badmintonplätze, einen Bespannungsservice, ein Restaurant und natürlich Duschen. Seit Jahren wurde der Unterhalt jedoch vernachlässigt. Undichtes Dach, Mängel an Hallenböden und Beleuchtung, Probleme bei Belüftung und Heizung, mangelhafte Sanitäranlagen, unsachgemässe Lagerung der Turngeräte. Genutzt wird die Anlage von Einzelpersonen, von städtischen Sportvereinen sowie für den Turnunterricht der Berufsschüler.

Niemand da: Restaurant und Empfang des CIS.
4 Bilder
Lichtschalter.
Die Turnhalle.
Kaputtes Netz in der Badmintonhalle.

Niemand da: Restaurant und Empfang des CIS.

zvg

Die CIS Solothurn AG, ihrerseits im Besitz der Dinett Holding AG aus Gunten am Thunersee, war lange Zeit die Besitzerin des CIS. Die Dinett Holding ging Konkurs, das CIS wurde daher mitversteigert. Ende 2018 ging es für über 4,5 Millionen Franken an die Ammann Globalbau AG aus Hilterfingen, ebenfalls am Thunersee. Besitzer Peter Ammann sitzt im Verwaltungsrat der Dinett Holding AG. Pikant: Die Finanzierungsbestätigung der Ammann Globalbau für den Kauf stammte – gemäss SRF – just von jener Bank, welche die Pfandverwertung der Dinett Holding durchführte.

Gäste spielen Badminton, ohne zu zahlen

Auch nach dem Wechsel weht kein frischer Wind. Im Gegenteil: Besucher berichten davon, dass Plätze im Online-Reservierungssystem zwar gebucht und anschliessend auch bespielt werden können. Doch häufig ist niemand vor Ort. Manche Besucher gehen, ohne zu zahlen. Zwei Squashspieler suchten vergangene Woche nach dem Lichtschalter. Die Netze in der Badmintonhalle hängen teils kaputt herunter.

Das Buchungssystem funktioniert, doch ob die Gäste auch bezahlen?

Das Buchungssystem funktioniert, doch ob die Gäste auch bezahlen?

zvg

Medienanfragen dieser Zeitung an die CIS Solothurn AG – Verwaltungsrat oder Geschäftsführung – blieben unbeantwortet; ob telefonisch, per Mail oder per Facebook. Das Telefon ist nicht bedient. Auch von der Ammann Globalbau AG kam bisher keine Reaktion.

Neuer Auftritt, neue Website

Nachdem die Besitzerin über Jahre durch ihr Nicht-Handeln auffiel, erstaunt umso mehr: Seit kurzem hat das CIS eine neue Website. Modern und dynamisch kommt das Design daher, erstellt mit dem Webdesign-Tool Wix.com. Frisch und professionell präsentiert sich das CIS hier seiner Kundschaft, was so gar nicht zum Bild vor Ort passen will. Auch hier funktioniert das Buchungssystem, das über die Buchungsplattform «GotCourts» läuft, einwandfrei.

Games, Sports & Fun: Startseite der neuen CIS-Website.

Games, Sports & Fun: Startseite der neuen CIS-Website.

www.cissolothurn.ch

Die Stadt hat eine Doppelrolle: Als Eigentümerin des Grundstücks gewährt sie der CIS Solothurn AG das bis 2074 dauernde Baurecht. Und als Vertreterin der Sportvereine, welche die Anlagen nutzen, ist sie im CIS «Sammelmieterin». Im vergangenen Jahr klagte die Stadt – nach Bewilligung der städtischen Schlichtungsbehörde für Miete und Pacht – gegen die Baurechtnehmerin CIS Solothurn AG. Sie forderte darin die Behebung der festgestellten Mängel. Ausserdem macht die Stadt Druck, indem sie einen Teil des Mietzinses auf ein Sperrkonto zahlt.

Stadt kommt nicht weiter, Politik spricht von «Desaster»

Stadtpräsident Fluri ergänzte in der Gemeinderatssitzung vom Oktober 2020, dass gegenüber der Bank der Verdacht bestehe, dass diese die Liegenschaft «überhypothetisiert» habe und die Bereinigung nun hinauszögere. So könne sie jährlich einen Betrag abschreiben, den die Aktionäre nicht bemerken würden, so Fluri gemäss Gemeinderatsprotokoll. Die Bank habe bisher die Gesprächsaufnahme verweigert, ebenso die Ammann Globalbau AG.

Im Solothurner Gemeinderat fallen häufig Worte wie «Desaster», «Trauerspiel» oder «vergammeln» im Zusammenhang mit dem CIS. Im vergangenen Herbst hatte etwa die SP-Fraktion im Gemeinderat eine Motion eingereicht, in welcher der Stadtpräsident aufgefordert wurde, etwas zum Erhalt der Sporthallen zu tun und diese in den Besitz der Stadt zu überführen. Im März dieses Jahrs hatte sich Beat Käch (FDP) in einer Gemeinderatssitzung erkundigt, wer am Wochenende für das CIS zuständig sei. Fremde Personen hätten dort Fussball gespielt und den Platz für die Putzequipe nicht freigegeben. Zuständig sei, so die Antwort, immer die CIS Solothurn AG.

Aktuelle Nachrichten