Fasnachtsplakette

Das sagen Solothurner Fasnächtler zum Umzugsboykott wegen Plakettenzwang

Fasnachts-Plaketten: Eine Ehrensache. (Oltner Umzug 2019)

Fasnachts-Plaketten: Eine Ehrensache. (Oltner Umzug 2019)

Das Organisationskomitee des Breitenbacher Umzugs führt aus Kostengründen den Plakettenzwang ein. Die Tragepflicht ist für die Solothurner Städte kein Novum. Umso mehr stösst der Umzugsboykott dreier Guggen als Antwort auf die neue Pflicht auf Unverständnis. Die Balsthaler Fasnachtskommission stellt sich hinter die Guggen.

Drei Guggen boykottieren den grössten Fasnachtsumzug im Schwarzbubenland: Die neu eingeführte Plakettenpflicht in Breitenbach – die Plakette kostet sieben Franken – geht ihnen gegen den Strich. Das Tragen der Plakette aber sei eine Ehre, findet der Rest des Kantons Solothurn und schliesst sich mit einer Ausnahme den Organisatoren des Breitenbacher Umzugs an.

An der Oltner Fasnacht ist die Plakette beispielsweise eine Selbstverständlichkeit, wie der Präsident der Fasnachtskommission FUKO, Beat Loosli, auf Anfrage mitteilt. Jeder Umzugsteilnehmer trage eine. Das gehöre sich so. Wenn dieser Teilnehmer respektive seine Zunft oder Gugge zusätzlich Mitglied des Oltner Fasnachtskomitee FUKO ist, dann müsse er beziehungsweise seine Zunft oder Gugge gar alle drei Plaketten – bronze, silber, gold – erwerben. Der Erlös der Plaketten, die in Olten auch für Besucher Pflicht sind, bilde laut Loosli das grösste finanzielle Standbein der Fasnacht. Der Plakettenzwang für Guggen aus der Region wurde vor rund fünf Jahren bei der Auflösung der Interessengemeinschaft Oltner Guggen IGOG neu geregelt und sei damals wie heute auf keinen Widerstand gestossen. 

Einzig den auswärtigen Teilnehmern, die nicht in der Region beheimattet sind, wird die Teilnahme noch ohne Plakette gestattet. «Für mich ist es aber eine Selbstverständlichkeit», sagt Loosli. Er selber kaufe sich auch für Umzüge oder Fasnachtsbesuche ausserhalb von Olten eine Plakette.

Lieber auf Bier als auf Plakette verzichten

Es geht um Solidarität, Unterstützung und ein Stück weit auch um die Ehre: Die Fasnacht zahlt sich schliesslich nicht von selbst und darauf verzichten will kein Fasnächtler. Umso grösser ist das Unverständnis für den Boykott auch bei Toni Armbrust. «Ich sehe es nicht ein», sagt der «Plagettennarr» der Fasnachtsgesellschaft Solothurn, kurz UNO. «Wegen sieben Franken verzichte ich lieber auf ein Bier als auf die Plakette.» Als Aktiver sei das Tragen einer Silber- oder Goldplakette in Solothurn selbstverständlich und angesichts der Kosten von rund 500‘000 Franken für den Umzug, die auch Besucher mit dem Plakettenkauf mitfinanzieren, unverzichtbar. Das sei seit 1895 so, sagt Armbrust und liest aus einem Tagesbefehl von damals vor. Der Kauf einer Tageskarte im Wert von mindestens – er betont – 50 centimes sei Pflicht gewesen für die Teilnahme. «Andernfalls sei der Teilnehmer der Lynchjustiz der Besucher überlassen.»

«Es ist schade, dass man gleich boykottiert», findet Patrick Meier, diesjähriger Obernarr in Grenchen. Das schade nur der Fasnacht selber. Für ihn ist die Plakette ein Zeichen der Wertschätzung. Er kann die eingeführte Tragepflicht in Breitenbach deshalb verstehen, andernfalls sei der Umzug, wie in Grenchen auch, schlichtweg nicht finanzierbar. In Grenchen selber bestehe keine Pflicht für die Teilnehmer. Da der Plakettenkauf allerdings oft über die Zünfte verläuft und es zur Tradition gehört, tragen die Fasnächtler stets eine Plakette. Auch den Besuchern legen sie ans Herz, sich eine Eintrittskarte in Plakettenform zu kaufen. Kontrollieren könne man es aber nicht. Meier appelliert daher an die Vernunft der Besucher: «Es gibt ja auch kein Festival-Eintritt ohne Ticket.» Schliesslich beneide er aber doch den Luxus, den beispielsweise Solothurn hat: «Sie können einfach die Tore schliessen und niemanden ohne Plakette reinlassen.» In ländlichen Regionen sei das schwierig. So handhabt beispielswise auch Selzach den Plakettenverkauf ähnlich: Sie ist frewillig, für Besucher und Fasnächtler.

Dasselbe Problem – eine andere Lösung

Nur das Fasnachtskomitee Balsthal führt angesichts der zunehmend steigenden Kosten etwas Neues ein: Ab 2020 riegelt die Gemeinde erstmals das Umzugsareal ab und führt die Plaketten als Eintrittkarten für Besucher ein. «Damit wir die Kosten für unsere Fasnacht decken können», sagt Sascha Spring, Präsident der Kommission. Die Leute wüssten nicht mehr wie viel eine Fasnacht kostet. Bis letztes Jahr war sei der Frauenchor noch während des Umzugs herumgelaufen und habe Plaketten verkauft. Dies sei jedoch immer wie schwieriger geworden, da die Besucher spontan zum Umzug kamen.

Mit dem Plakettenzwang für Besucher und nicht für Umzugsteilnehmer steuert der Thaler Hauptort also in eine andere Richtung und nimmt nicht primär die Unterhalter in die Pflicht. Spring zeigt daher auch als einziger Verständnis für den Boykott. «Wir sind froh, wenn auswärtige Guggen überhaupt an unseren Fasnachtsumzug kommen», sagt Spring. Man bemühe sich in Balsthal, den Teilnehmern ein möglichst tolles Erlebnis zu bieten, damit sie wiederkehren. Unter anderem fliesse auch ein Teil des Erlöses an sie. 

Doch selbst in Balsthal sei es Ehrensache für aktive Fasnächtler, eine Plakette zu kaufen. «Das ist Tradition und gehört einfach dazu.»

Meistgesehen

Artboard 1