Künstlerhaus S11
Das Filmrattern, das um die Welt ging — Ausstellung zeigt die «Bolex»-Kamera

Andy Warhol, Steven Spielberg oder auch Peter Jackson verwendeten sie: die Filmkamera mit dem Namen «Bolex». Ein Schweizer Qualitätsprodukt, welches sich überall auf der Welt mit Erfolg verkaufte. Über die Filmtage und bis zum 11. Februar beschäftigt sich nun eine Ausstellung im Künstlerhaus S11 mit der Kamera.

Andreas Kaufmann
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Ausstellung Kunsthaus S11 Solothurner Filmtage
9 Bilder
3D-Technologie an einer Bolex-Kamera.
Das bewusst transparent gehaltene Gehäuse soll dem "Bolex"-Besitzer einen Einblick in die schlanke Eleganz der Mechanik bieten.
Metronom und Synchromat.
Musikdose aus dem Hause Paillard.

Ausstellung Kunsthaus S11 Solothurner Filmtage

Hanspeter Bärtschi

Im Rucksack von Bergsteiger David Zogg reiste sie 1939 ins Himalaja-Gebirge. Und tauchte 1960 in Jacques Piccards Tiefseeboot «Trieste» in den Marianengraben ab – bis nahezu elf Kilometer unter den Meeresspiegel. Die ihr innewohnende Technik hats auch schon in den Orbit geschafft.

Die Rede ist von der Filmkamera mit Namen «Bolex», die in zahlreichen Modellen von 1935 bis 1974 im Hause Paillard in Yverdon produziert und mit Erfolg in alle Welt verkauft wurde. Auch Andy Warhol, Steven Spielberg oder Peter Jackson nutzten sie – oder Experimentalfilmer wie das Schweizer Ehepaar Ansorge, die Animationsfilme mit der «Bolex» erstellten.

Dass sie robust ist, wissen jene, die mit ihr bei jeder Witterung hantierten. Dass sie künstlerisch vielseitig ist, wissen jene, die mit ihr Filme von besonderer Ästhetik schufen. Doch die «Bolex» war, lange vor dem Einzug des Camcorder- und Digitalzeitalters, auch Ausdruck der Demokratisierung des Films und schaffte es in viele private Haushalte.

Die «Bolex» lebt

Über die Filmtage und bis zum 11. Februar beschäftigt sich nun eine Ausstellung im Künstlerhaus S11 mit dem Schweizer Qualitätsprodukt, das im Zeitalter der Handykameras wie ein Fossil anmutet. Doch weit gefehlt: Noch heute wird die «Bolex»-Kameras von Filmern, aber auch an Filmschulen und Universitäten verwendet. Miryam Abebe vom «Künstlerhaus»-Team hat auf die erste Vorankündigung der Ausstellung bereits viele positive Rückmeldungen aus Kreisen des Fachpublikums erhalten.

Die Ausstellung wurde zudem im Filmarchiv der französischen Departemente Savoie und Ain gezeigt und für Solothurn von Abebe, sowie von Stéphane Tralongo und Vincent Sorrel angepasst, für die Räumlichkeiten des Künstlerhauses verdichtet und übersetzt. Beide sind Forscher an der Uni Lausanne im Bereich Kinogeschichte und -ästhetik.

Dazu waren sie mit Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer in Kontakt gekommen, die selbst auf der Suche nach einem passenden filmwissenschaftlichen Thema war. «Und die Zusammenarbeit zwischen S11 und den Filmtagen ist eine langjährige Tradition», fügt Abebe hinzu. Zudem flimmern während des Festivals im «Kino im Uferbau» «Bolex»-Erzeugnisse über die Leinwand.

3D-Ideen in den Fünfzigern

In Themenblöcken zeigt die Ausstellung die Geschichte der «Bolex»-Kameras zeitstrahlartig auf. In Vitrinen sind Paillard-Exponate zu sehen: Kameras, Projektoren, Synchromaten zum zeitlichen Abgleich von Tonaufnahmen mit der Filmprojektion, oder aber die 1950 konzipierte Stereotechnik mit Doppelobjektiven – ein Vorgänger der heutigen 3D-Technik.

Das beliebte Modell H16, beliebt vor allem bei Profifilmern und privaten Enthusiasten, findet als Flaggschiff der «Bolex»-Reihe besondere Beachtung. Und eine Vitrine mit mehreren Modellen zeichnet die Evolution des Kameradesigns nach.

Exponate mit transparentem Gehäuse sowie leere Zettel als Bedienungsanleitungen sollen betonen, wie einfach, laienfreundlich die Handhabung vieler «Bolex»-Modelle war. Ergänzend sind auch andere Fabrikate von Paillard wie Musikdosen oder Metronome zu finden.

«Die Idee hinter der Ausstellung ist es, der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, in Kontakt mit dem Gerät zu treten», sagt Stéphane Tralongo. Doch warum sollte die Faszination für die Kamera tatsächlich weiter reichen als zum interessierten Fachpublikum?

«Grund ist wohl die Nostalgie», sagt Tralongo und beschreibt das Einfädeln der Filmspule in den Projektor, die gespannte Zusammenkunft vor der Leinwand, das Auflodern alter Familienerinnerungen. «Letztlich ist es aber auch das Bewusstsein, dass der Filmmeter teuer war.» Während heute beliebig lange per Handy gefilmt werden kann, musste man sich die Sujets damals gezielter auswählen. Beispielsweise Meeresböden, Berggipfel oder – das heimische Wohnzimmer zu Weihnachten.

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