Gurzelngasse

Das «Filetstück» soll Solothurner Geschäft anlocken

SLS-Oberin Marie-Theres Rotzetter und Christoph Lengwiler vor den zwei Häusern an der Gurzelngasse. ww

SLS-Oberin Marie-Theres Rotzetter und Christoph Lengwiler vor den zwei Häusern an der Gurzelngasse. ww

Das Wohn- und Geschäftshaus des Seraphischen Liebeswerks SLS ist nun verkauft worden. Der neue Eigentümer will das neue Ladenlokal nichts selbst nutzen und sucht einen Mieter. Am liebsten einen Solothurner.

Es ist ein eigentliches «Filetstück», das Haus Gurzelngasse 14 zwischen den beiden Eingängen des Warenhauses Manor. Umso grösser war das Interesse an der Liegenschaft, als die Papeterie Schüpbach im März 2010 ihr Geschäft aufgab und das Seraphische Liebeswerk SLS als Hauseigentümerin beschloss, das Haus zu veräussern. «Nach Bekanntwerden unserer Verkaufsabsicht gingen zahlreiche Interessenmeldungen ein. Daraus resultierte eine Anzahl valabler Angebote.

Im Auswahlverfahren fiel nebst einem angemessenen Kaufpreis die Nutzungsabsicht des Käufers ins Gewicht. Denn diese sollte einer positiven Entwicklung der Stadt förderlich sein», teilte das Seraphische Liebeswerk SLS gestern mit. Mit dem Zuschlag an Christoph Lengwiler, der im Nachbarhaus an der Gurzelngasse 16 sein Optik-Fachgeschäft Luxor führt, geht die Verkäuferin davon aus, dass «er bei der künftigen Nutzung der Liegenschaft auf die erwähnten Aspekte bedacht sein wird».

Solothurner bevorzugt

Der neue Eigentümer, bis vor wenigen Monaten noch Co-Präsident der 2009 fusionierten Stadt- und Gewerbevereinigung Solothurn, will die ehemalige Papeterie im Parterre des Nachbarhauses nicht für sein Optik-Geschäft nutzen. Wichtig sei für ihn ein guter Branchenmix in der Stadt, und deshalb «werden wir für das Ladenlokal einen Solothurner Mieter bevorzugen», betont Christoph Lengwiler. Bis Anfang des nächsten Jahres soll das Geschäft umgebaut und wieder vermietet sein. Wobei die Dimensionen der bisherigen Papeterie nicht massgebend sind, «das Geschäftslokal könnte in Richtung des Innenhofs erweitert werden», sieht Lengwiler durchaus Möglichkeiten, eine Verkaufsfläche von rund 200 Quadratmetern zu schaffen. Inzwischen möchte der neue Hausbesitzer das Schaufenster – es ist immer noch dem Abschied der Papeterie Schüpbach gewidmet – kulturellen Institutionen wie Museen zur Verfügung stellen. «Für die Filmtage waren wir leider zu spät, doch werde ich mit der Stadt in Kontakt treten.»

Haus wird nicht ausgehöhlt

Genauso wie Christoph Lengwiler nicht die absolute Maximalrendite aus dem Haus pressen will, möchte er auch respektvoll mit der alten Bausubstanz seiner Neuakquisition umgehen. «Wir höhlen das Haus keineswegs aus», verspricht er. Seine Luxor GmbH werde lediglich im ersten Stock einen Teil als Praxis- und Geschäftsräumlichkeiten nutzen. «Als Optikgeschäft brauche ich nicht mehr Ausstellungsraum als jetzt», begründet Lengwiler auch seinen Entscheid, das Ladenlokal im Parterre nebenan nicht für sein eigenes Geschäft zu nutzen.

Eingebaut soll jedoch ein Lift werden, der für beide Liegenschaften benutzbar ist. Vom ersten bis ins dritte Obergeschoss plant Christoph Lengwiler zudem den Einbau von Studios und Kleinwohnungen «für Singles, junge Paare und Betagte». Für den Erwerb und Umbau der Liegenschaft hat der neue Eigentümer übrigens zusammen mit seinem Vater und Bruder die Aktiengesellschaft Gurzelngasse 14 gegründet.

Der Abschied der Schwestern

Für Marie-Theres Rotzetter, Oberin des Seraphischen Liebeswerks Solothurn SLS, ist mit dem Verkauf des Hauses an der Gurzelngasse auch ein persönlicher Lebensabschnitt zu Ende gegangen. «Seit 1969 habe ich hier gewirkt. Zuletzt waren wir noch zu acht.» Die Küche, die Einzelzimmer und die sonstigen Räumlichkeiten lassen erahnen, wie betriebsam es zu und hergegangen sein muss, als hier noch mehr als doppelt so viele Schwestern ihre Aufgaben verrichtet hatten. «Doch dafür haben wir jetzt im Antonius- und Franziskushaus genug Platz», sieht die Oberin der Tatsache gelassen ins Auge, dass von den einst rund 220 Mitgliedern der Schwesterngemeinschaft noch 62 in den beiden Haupthäusern im Greibenquartier leben und arbeiten.

Angesichts der eleganten steinernen Wendeltreppe im Hausgang, der heimeligen Kachelöfen in vielen Räumen, gesäumt von matt glänzenden Parkettböden, ist nachvollziehbar, dass den Schwestern das Loslassen schwer fiel. Doch Christoph Lengwiler möchte respektvoll mit dem Erbe umgehen und deshalb diese Zeitzeugen beim Umbau einbeziehen.

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