Trinkwasser

Chlorothalonil-Höchstwerte überschritten: Regio Energie gewinnt Zeit, um alternative Lösung zu finden

Das Wasser aus dem Pumpwerk Dörnischlag überschreitet den Höchstwert für Chlorothalonil-Metaboliten. (Symbolbild)

Das Wasser aus dem Pumpwerk Dörnischlag überschreitet den Höchstwert für Chlorothalonil-Metaboliten. (Symbolbild)

Der Solothurner Regierungsrat bewilligt der Regio Energie Solothurn, mehr Wasser aus dem Pumpwerk Aarmatt zu entnehmen. Damit möchte man für die zukünftige Entwicklung der Grundwasserbelastung gewappnet sein.

Zwei Jahre Zeit hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen den Wasserversorgern gegeben, um die Höchstwerte von Chlorothalonil im Trinkwasser einzuhalten. Eine Vorgabe, die für Regio Energie Solothurn eine Herausforderung darstellt.

Grund dafür ist das Wasser aus dem Pumpwerk Dörnischlag, das den Höchstwert für Chlorothalonil-Metaboliten überschreitet. Dabei ist das Pumpwerk in Luterbach das wichtigste Pumpwerk von Regio Energie. Bis zu 15'000 Liter pro Minute darf gemäss Konzession dem Pumpwerk Dörnischlag entnommen werden. Das Wasser aus dem Pumpwerk Aarmatt unterschreitet den Höchstwert des Pestizids Chlorothalonil. Jedoch dürfen aus diesem Pumpwerk lediglich 5000 Liter pro Minute entnommen werden. Zumindest galt dies noch bis vor kurzem.

Die Bitte von Regio Energie an den Regierungsrat

Mit einem Schreiben vom März hat Regio Energie Solothurn den Solothurner Regierungsrat um Erlaubnis gebeten, künftig mehr Wasser aus dem Pumpwerk Aarmatt entnehmen zu dürfen. Und zwar mit 10'000 Liter pro Minute doppelt so viel wie bislang. Absicht dieser Bitte: Regio Energie Solothurn will in der Aarmatt, wo das Wasser vom Aare-Grundwasserstrom stammt, mehr Wasser pumpen und es mit Wasser aus dem Pumpwerk Dörnischlag, wo die Messwerte zu hoch waren, mischen. Damit möchte man für die zukünftige Entwicklung der Grundwasserbelastung gewappnet sein und flexibler sein, was das Mischen von Wasser unterschiedlicher Herkunft anbelangt. Sandra Hungerbühler, Leiterin Marketing und Kommunikation bei Regio Energie, fügt dazu erklärend an: «Mit dieser Variante sind wir in der Lage, die Fördermenge von Wasser zu verdoppeln, welches nach Aussage des Lebensmittelinspektors einwandfreie Werte aufweist. Zudem ist dies mit relativ geringem Aufwand möglich, da wir lediglich die beiden existierenden Pumpen nun parallel laufen lassen und nicht mehr abwechselnd.»

Regierungsrat sagt ja, aber unter Auflagen

Mitte Juni hat der Regierungsrat der Bitte von Regio Energie entsprochen. Somit darf ab jetzt aus dem Pumpwerk Aarmatt die doppelte Menge an Wasser entnommen werden. Jedoch gilt die Dauer der Erhöhung bis maximal sechs Monate nach Inbetriebnahme des neuen Reservoirs Königshof und längstens bis am 31. Juli 2023, wie im Regierungsratsbeschluss zu lesen ist. Diese Auflage begründet der Regierungsrat damit, dass das Pumpwerk Aarmatt die gewässerschutzrechtlichen Anforderungen nicht erfüllen würde. «Einerseits fehlt eine ordentlich ausgeschiedene und somit gesetzeskonforme Grundwasserschutzzone», heisst es im Beschluss und andererseits erfülle das aus der Fassung geförderte Grundwasser beim Pumpwerk Aarmatt die Vorgaben hinsichtlich des Gehaltes an flüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen nicht. «Aus diesen Gründen erachtet es das Bau- und Justizdepartement (BJD) als fraglich, dass sich die Regio Energie Solothurn aufgrund der Belastung mit Pestizidrückständen im Pumpwerk Dörnischlag auf einen aus anderen Gründen nicht gesetzeskonformen Wasserbezugsort abstützt. Der temporären Erhöhung der Konzession kann daher nur im Sinne einer Sofortmassnahme zugestimmt werden und darf nicht als Präjudiz für den Fortbestand des Pumpwerks Aarmatt verstanden werden», schreibt der Regierungsrat und betont, dass nach einer lebensmittel- und gewässerschutzrechtlichen konformen Lösung zu suchen sei.

Mittlerweile macht Regio Energie bereits Gebrauch von der höheren Entnahmemenge im Pumpwerk Aarematt. Trotzdem sei das Wasser noch nicht unter dem Höchstwert, teilt Hungerbühler von Regio Energie mit, «aber wir haben damit bereits eine deutlich bessere Ausgangslage und gewinnen Zeit, die wir benötigen, um alternative Lösungen zu finden».

Gemäss Zeitplan ist weiterhin vorgesehen, dass Regio Energie Solothurn im April 2022 den Betrieb des Reservoirs Königshof aufnimmt, das derzeit gebaut wird. In dieses wird Wasser von einem Pumpwerk gepumpt. «Interessant ist», schreibt Sandra Hungerbühler, «dass wir mit dem neuen Reservoir gegebenenfalls auch neue Bezugsquellen in Betracht ziehen können. Also das Wasser noch von anderen, ebenfalls weniger belasteten Quellen beziehen könnten».

Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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