Es gilt als «Filetstück» des ganzen Entwicklungsgebiets «Weitblick» auf den 17 Hektaren Land im Gebiet Obach, Mutten, Ober- und Unterhof: Baufeld Nummer zwei. Gleichzeitig ist es auch jenes Baufeld, das den Quartierbewohnern der Weststadt besonders am Herzen liegt.

Denn: Auf den rund 12'000 Quadratmetern Land, einen Steinwurf von der Bahnhaltestelle Allmend entfernt, liegt das Henzihof-Ensemble mit dem ehemaligen patrizischen Lehenshof und dem bereits durch den Quartierverein Weststadt genutzten Lusthäuschen, sowie einer grosszügigen Hostet. Weiter lockt im Süden des Henzihofs auch der «Whitestone»-Bikepark.
Im aktuellen Bauinventar der Stadt tragen beide Gebäude das Prädikat «schützenswert».

Was sie nicht grundsätzlich schützt, wenn die Stadt als Eigentümerin auf der anderen Seite auch Investoreninteressen in die gesamte «Weitblick»-Planung einkalkuliert – einkalkulieren muss. Geplant ist eine Mischzone mit generationenübergreifendem Wohnen, Quartierläden, einem Quartierzentrum, Kindergärten und gesundheitsbezogenen Einrichtungen.

Drei Varianten im Fokus

Droht dem Gehöft angesichts dieser Pläne die Abrissbirne? Oder kann es sinnvoll in die bestehende Planung des Baufelds integriert werden? Am kommenden Dienstag will der Gemeinderat genau in dieser Frage die weiteren Weichen stellen. Unter Einbezug verschiedener Bevölkerungs- und Interessengruppen und nach Workshops und zahlreichen Sitzungen wurden mehrere Szenarien – davon eines bevorzugt – ausgearbeitet.

Auch wenn eine Studie aufzeigt, dass der Henzihof das Bebauungspotenzial des Baufelds nur unwesentlich reduzieren würde, liegen nun drei Varianten mit und ohne Erhalt der beiden Gebäude vor.

Unter dem Titel «Parzelle 0» wird ein Szenario in Betracht gezogen, das den Henzihof aus dem Baufeld 2 ausgliedert. Als künftiges Quartierzentrum Weststadt wird das Gebäude umfassend saniert und mit allenfalls nötigen Ergänzungsbauten erweitert. Eigentümerin dieser «Parzelle 0» bleibt die Stadt Solothurn. Sie verantwortet somit auch die Sanierung des Henzihofs, die in einer Grobkostenschätzung mit 4,5 Mio. Franken beziffert wird. Im Rahmen der Umnutzung werden mehrere Räumlichkeiten geschaffen, darunter ein Saal und diverse Mehrzweckräume, sowie das Quartierbüro Weststadt und ein allfälliger Jugendraum.
Das Lusthäuschen steht in dieser Variante weiterhin auf dem definierten Baufeld, womit sein Schicksal dem künftigen Investor überlassen wird. Aber: Auch eine Versetzung des Lusthäuschens wäre im Rahmen des Wettbewerbsverfahrens zu diskutieren. Eine vorliegende Offerte rechnet mit einer Viertelmillion Franken für das auf 180 Tonnen Gewicht geschätzte Bijou.

Auch im zweiten Szenario bleibt der Henzihof erhalten, allerdings als Teil des bestehenden Baufelds 2. Naheliegenderweise dürfte das Quartierzentrum ebenso dort untergebracht werden. Da der Henzihof in diesem Szenario bis zur Übernahme durch einen Investor zwischengenutzt würde, belaufen sich die Kosten grob auf lediglich 170 000 Franken für eine Minimalaufwertung. Und auch bei dieser Variante liegt es in der Hand des jeweiligen Investors, was mit dem Lusthäuschen geschehen soll. Respektive wäre diese Frage ebenfalls im Rahmen des Wettbewerbsverfahrens zu klären.

Der Abbruch des Henzihofs zugunsten eines Neubaus auf dem Baufeld 2 ist das dritte skizzierte Szenario. Dabei soll die Stadt als Ankermieterin im Neubau auftreten. Es wird im Rahmen dieser Variante auch in Aussicht gestellt, das Lusthäuschen in die südlich des Baufelds geplante Allmend oder in den Segetzpark zu verlegen.

«Identitätsspeicher mit Entwicklungspotenzial»

Seitens der Stadt und der Gemeinderatskommission wird die Variante 2 favorisiert. «Henzihof und Lusthäuschen bilden einen Identitätsspeicher mit Entwicklungspotenzial», sagt Andrea Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamtes. Die neue Nutzung im Henzihof schaffe und unterstütze den Übergang von Bestehendem zu Neuem. Und: «Eine Umnutzung des Henzihofs in ein Gemeinschaftszentrum entspricht den qualitativen Zielvorgaben der Gebietsentwicklung», so Lenggenhager weiter.

Ebenso wird am Dienstag eine von der SP im November 2017 eingereichte Motion behandelt. Diese forderte die Bewahrung des Henzihofs und des Lusthäuschens. In seiner Antwort beantragt Stadtpräsident Kurt Fluri, die Motion angesichts des Variantenstudiums als erledigt abzuschreiben.