Solothurn
Beim Klangspaziergang gehts immer dem Ohr nach

Wie klingt eigentlich Solothurn? Im Rahmen der Kunstausstellung Zart führt Christian Fürholz durch die Stadt.

Judith Frei
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Christian Fürholz (3.v.l. mit Pylone) führt mit Pylonen durch die Barockstadt.
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Der Klang von Solothurn: Im Rahmen der Kunstausstellung Zart führt Christian Fürholz durch die Stadt
Bei der ungewöhnlichen Stadtführung besucht man auch das vierte Untergeschoss des Parkhauses Baseltor.
Die verschiedenen Oberflächen im leeren Parkhaus schluckt gewisse Geräusche.
Menschen und Vögel passen sich der akustischen Umgebung an.

Christian Fürholz (3.v.l. mit Pylone) führt mit Pylonen durch die Barockstadt.

Tom Ulrich

«Wir werden uns heute verschiedene Orte anhören», sagt Christian Fürholz. Bei diesen sogenannten Klangspaziergängen soll man Solothurn neu wahrnehmen. Er macht das im Rahmen Kunstausstellung Zart.

Diese Spaziergänge starten jeweils neben dem Kiosk in der Unterführung Baseltor. Nicht zufällig hat er diesen Startort ausgewählt, hier ist man hohen Lärmemissionen ausgesetzt. Und tatsächlich: Das Rauschen des Strassenlärms ist wie ein Geräuschteppich, der sporadisch durch Autohupen oder das Knattern eines schweren Motorrads durchbrochen wird.

Wie hört sich die eigene Stadt an?

Jetzt stehen fast zehn Interessierte in der Unterführung. Sie halten sich kleine orange Pylonen ans Ohr und wandeln langsam in der Unterführung umher – erkunden die Unterführung mit dem Ohr. «Die Trichterform erlaubt es uns, fokussierter und gebündelter zu hören», sagt Fürholz. Die meisten Teilnehmenden kommen aus der Stadt oder aus der Umgebung und erhoffen sich die Stadt neu zu entdecken. Das Konzept interessiert: Wie hört sich die eigene Stadt an?

Die erste Station ist ein Ort, der bei einer gewöhnlichen Stadtführung nicht auf der Liste stehen würde: Das Parkhaus Baseltor. Hier hört man im Hintergrund Musik aus kleinen Lautsprechern scheppern. «Die Musik soll die Atmosphäre im Parkhaus verändern, da es ein eher unheimlicher Ort ist», so Fürholz. Tatsächlich wirkt sie störend, sobald man sich auf sie achtet.

Es gibt keine gute oder schlechte Geräusche

Verschiedene Oberflächenstrukturen auf dem Boden des Parkhauses helfen, die Geräusche zu absorbieren, weiss Fürholz. So weist er bei verschiedenen Orten auf die Architektur hin und erklärt wie sich diese auf Geräusche auswirken. «Es gibt nicht gute und schlechte Geräusche», sagt er. Diese seien subjektiv und können nicht kategorisiert werden.

Weiter geht die Führung zur Voliere. Dort zwitschern exotische Vögel. Wie diese Vögel einen Einfluss auf uns haben, hat das Umfeld auch sie geformt. Da sie so nahe beieinander leben, haben sie ihr Gezwitscher angepasst, damit sie besser gehört werden.

Was hat diese Führung mit Kunst zu tun?

Die Führung geht weiter in die Altstadt und endet am Fuss der Kathedrale. Die Frage bleibt: Was hat diese Führung mit Kunst zu tun? «Das ist nicht unbedingt eine Kunstform, sondern eher eine Praxis», sagt Fürholz. «Ich will Klangerlebnis vermitteln.» Er will das Ohr für die Alltagsgeräusche schärfen und hofft, dass so einige sich bewusster werden, warum einige Orte als unangenehm empfunden werden.

Zum gleichen Thema hat er einen Posten im Berufsbildungszentrum Solothurn gestaltet. Dort können Ausschnitte aus einem Projekt gehört werden, bei dem Kinder Radiosendungen produzieren. «Du hörst mein Lieblingsort», sagt eine Kinderstimme. Im Hintergrund hört man Wasser plätschern und Schritte auf einem Kiesplatz. Gehört werde der Platz neben dem «Solheure», so der Nachwuchsjournalist.

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