Ein Zehn-Zentimeter-Stapel mit Notenpartituren zeugt von den fünf Monaten Arbeit, die man dem Film «Shana - the Wolf's Music» zwar nicht ansieht - aber umso mehr anhört. Für den 27-jährigen Filmkomponisten und Musiker Roman Lerch aus Solothurn war es das erste Spielfilm-Projekt.

Und zwar eines, das ohne seine Musik einfach auseinanderfallen würde: Der Film handelt vom Indianermädchen Shana, das über ihre Violine zu ihrer verstorbenen Mutter eine Verbindung findet und immer wieder einem Wolf begegnet.

Entsprechend ambitioniert ging Lerch im Studio in Hubersdorf ans Werk, nachdem er vom Regisseur Nino Jacusso angefragt worden war. «Musikalisch musste ich mich vor allem mit der Geige näher befassen und habe daher mit einer Violinistin zusammengearbeitet», erinnert sich Lerch.

Roman Lerch

Nachdem er das Drehbuch und das Storyboard erhalten hatte, machte er sich konkret ans Werk. Schälte mögliche Themen heraus und arbeitete intensiv mit dem Cutter zusammen, damit Bild und Musik Hand in Hand gehen.

Damit war seine Arbeit aber nicht getan: Auch hinter dem Mischpult krempelte er die Ärmel hoch und organisierte echte Musiker für die Aufnahmen, statt synthetische Klänge einzuspielen. «Gerade weil hier die Musik so zentral ist, war mir dies wichtig.» Im Film zu hören sind die Musiker des «Kaleidoskope String Quartetts» und ein zusätzlicher Kontrabass.

Musik, die die Geschichte erzählt

An seinem Arbeitsplatz lässt Lerch den Beginn des vollendeten Films laufen: Die Weite der kanadischen Landschaft aus den Augen eines Wolfes, rauschende Wiesen, eine traurige Shana und ihre Geige, dazu eine melancholische Weise.

Ein Thema, das den Film trägt und im Ohr bis zum Schluss weiterklingt, nachdem der Abspann schon längst vorbei ist. Musik, die die Geschichte miterzählt und nicht nur Stimmung und Emotionen des Films unterstützt, sondern sie gleich miterschafft. «Nicht selten wird die Filmmusik einfach auf den Film draufgesteckt - aber ganz sicher nicht bei ‹Shana›.»

Trailer zu «Shana - The Wolf's Music»

Hier habe die Musik in sich funktionieren müssen, so Lerchs Anspruch. Entsprechend intensiv konnte er mit Regisseur Jacusso zusammenarbeiten und sehr oft seine Ideen einbringen.

So entstand auch die klangliche Charakterisierung der Protagonistin Shana. Die gezupfte oder geklopfte Geige und rhythmische Elemente kennzeichnen ihre rebellische, wilde Seite; die sanft gestrichene Geige dagegen ihre Momente der Traurigkeit.

Für die 45 Minuten an Film-Komposition hat sich Lerch auch mit der Musik der so genannten «First Nations», der indigenen Bevölkerung von Kanada, auseinandergesetzt - «und mich von den rhythmischen Elementen inspirieren lassen, ohne musikalische Elemente zu kopieren, was oft ‹ethnokitschig› wirkt.»

Wichtige Mentoren auf dem Weg

Auf seinem Weg zum Komponisten haben Roman Lerch einige Mentoren begleitet. Zu seinen Band-Zeiten in der Bezirksschulzeit wurde er von Bjarne Friis ermutigt, seine Leidenschaft zu vertiefen.

Es folgten erste eigene Kompositionen, der Besuch des musischen Profils an der Kanti und ein Studium an der Hochschule der Künste Bern in Musik und Medienkunst. Schliesslich trat er in Kontakt mit Komponist Peter Scherer («More than Honey»), dessen Assistent er dann zeitweise war.

Mit dem Master in Komposition für Film, Theater und Medien schloss Lerch an der Hochschule der Künste Zürich ab. Übrigens: Bereits 2009 war der aufstrebende Komponist an den Filmtagen «zu hören». Er hatte den Festivaltrailer vertont und lernte bei dieser Gelegenheit Nino Jacusso kennen... Der Rest ist Geschichte.