Kunstraum Medici

Arbeiten zwischen Raum und Bildraum

Jean Pfaff im Kunstraum Medici.

Jean Pfaff im Kunstraum Medici.

Im Kunstraum Medici in Solothurn zeigt Jean Pfaff neue Arbeiten auf Holz. Er steigert die suggestive Bild-Raum-Imagination ins reale Dreidimensionale.

Vor einigen Jahren hatte Jean Pfaff begonnen, sich wieder mit geometrisch unregelmässigen Flächen auseinanderzusetzen: Bildformate und Farbfeldformen, denen trotz konstruktivistischem Eindruck kein mathematisches Kalkül mehr zugrunde liegt. Im Gegensatz zur arithmetischen Berechnung der Bilder, die Ende der 1970er-Jahre entstanden, zählt nun die empirisch erfahrene Erscheinung der Holzplatte, und zwar so, wie sie ihm in der Werkstatt des Schreiners entgegentritt.

Stets auf das Erscheinungsbild reagierend mit der Materialität der Farben oder der malerischen Präsenz – seien es gedeckte Nuancen oder reines Weiss – und den sich ergebenden geometrischen Gefügen oder zeichnerischen Geflechten. Bei Pfaff wirkt nicht die grosse malerische Geste. Seine Farbinterventionen sind eine nahezu philosophisch nachzuempfindende Auseinandersetzung mit Malerei und Farbe, mit Erscheinung und Wirkung.

Für den in Katalonien lebenden Künstler (*1945) geht es um die Brüchigkeit und Sensibilität des Sehens, die zur Erkenntnis und zum Verständnis von Werk und künstlerischer Intention führen. Im Dialog von Transparenz und Verdichtung, von farblicher und formaler Gliederung, Struktur und Fläche, damit von Natur und Konzept, bewirken fein lasierte Schichten, linear gezeichnete Strukturen und kompakte Farbschichten der sich aufeinander beziehenden Geometrien im Zusammenspiel mit dem unregelmässigen Bildträger eine neue räumliche Ordnung.

Dabei geht es weniger um Raumtiefe als um eine nach vorne wirkende Raumimagination und damit um die Sinnlichkeit des Wahrnehmens. Und nun, im Alterswerk, ruht der gebürtige Basler keinesfalls in der Variation seiner Wandbilder aus.

Zusammenspiel der Farbflächen

Jean Pfaff geht einen Schritt weiter – «one step more» ist die Ausstellung getitelt – und nun von der Wand in den Raum gegangen: Gradlinig oder versetzt aufeinander und ineinander geschichtete, geometrische Sperrholzplatten unterschiedlicher Dicke und Form, in gedeckten Kunstharzfarben kompakt bemalt, fordern als architektonisch-konkrete Raumideen das Sehen heraus und spielen dabei mit der Assoziation fremdartiger bis archaischer Bauten.

Zu rechteckigen und teils rechtwinkeligen Bauten konstruiert, die einzelnen Platten in sich ergänzenden oder kontrastierenden Farben gehalten, erinnern sie mit den Treppen, Abstufungen und Überdachungen an frühzeitliche Tempel, Pyramiden, Mausoleen oder archetypische Bauweisen.

Mit der Reduktion auf eine klarlinige, beinahe strenge Einfachheit der Konstruktion und der klaren monochromen Farbgebung, die gleichzeitig im Zusammenspiel der Farbflächen subtil malerische Mittel seiner Wandarbeiten bedient wie matt und glänzend verdichtet steigert Jean Pfaff die suggestive Bild-Raum-Imagination ins reale Dreidimensionale und bleibt dabei sich – im Gegenüber mit den Wandarbeiten auf Holz – treu in der Herausforderung von Erscheinung und Wirkung, Sehen und Wahrnehmen. Nun jedoch erweitert um räumlich konstruierte Präsenz.

Bis 9. Juli. Do + Fr 14–18 Uhr, Sa 14–17 Uhr, oder nach tel. Vereinb. 032 622 81 71/079 434 15 12.

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