Abstandsregeln

Appell mit Wirkung: Weitere Corona-Massnahmen in Solothurn sind vorerst abgewendet

Sprungturm im Freibad an der Aare in Solothurn

Sprungturm im Freibad an der Aare in Solothurn

In den letzten Tagen hat sich die Situation an den drei Brennpunkten Märet, Badi und Landhausquai entspannt: Die Solothurnerinnen und Solothurner hielten sich besser an die Abstandsregeln.

Letzten Mittwoch veröffentlichte die Stadt einen Appell an die Bevölkerung, die Hygienemassnahmen – insbesondere die Abstandsregeln – einzuhalten. Denn die Stadt sowie der Kanton erhielten viele Zuschriften besorgter Bürgerinnen und Bürger, die Nachlässigkeiten beobachteten und sich ein strengeres Regime wünschten, da sie grössere Quarantänefälle befürchteten.

Die Stadt erkannte drei Brennpunkte: Der Wochenmarkt, die Ausgangsmeile entlang der Aare und das Freibad (wir berichteten). Die Stadt drohte die Massnahmen zu verschärfen, falls sich Regeln über das Wochenende nicht konsequenter eingehalten werden.

Die Lage in der Badi entspannt sich deutlich

Schon vor dem Wochenende bemerkte Chef Badmeister des Freibads an der Aare, Pascal Prétôt, eine Veränderung im Verhalten der Badegäste. Die Lage habe sich massiv beruhigt. Die Leute würden sich konsequenter an die Regeln halten und mehr Verständnis für diese aufbringen.

Er habe die letzten Tage keine Reklamationen erhalten. «Vorher habe ich noch nie so viele Reklamationen erhalten wie in diesem Jahr», sagt Prétôt. Die einen beklagten sich über die Massnahmen, die anderen darüber, dass die Massnahmen nicht ausreichend seien. «Ich denken aber, dass die Leute auch durch die steigenden Infektionen wieder vorsichtiger geworden sind», so Prétôt. Möglicherweise würden auch die regelmässigen Durchsagen helfen, welche an die Hygieneregeln erinnern.

Der Bademeister ist erleichtert, dass sich die Stimmung im Bad verbessert hat.

Leider könne er weiterhin den Sprungturm nicht wieder öffnen. Denn die Handläufe und die Treppe könne nicht SUVA-konform desinfiziert werde. So sei es bis jetzt nicht absehbar, wann dieser wieder geöffnet werde.

Im Zuge der neuen Hygienemassnahmen hat das Freibad ein automatisches Zählsystem eingeführt. Gemäss des Dienstleistungsgedankens werden die Zahlen auf der Schwimmbad-Webseite aufgeschaltet. So kann man zu Hause kontrollieren, wie viele Leute im Freibad an der Aare sind.

Die Hygienmassnahmen sind auch eine finanzielle Belastung

Finanziell seien die Hygienemassnahmen eine Belastung: Der Arbeitsaufwand und auch das Zusatzmaterial sei teuer. Ein entsprechender Zusatzkredit wurde von der Gemeinderatskommission gesprochen. «Soweit es geht, möchten wir auf zusätzliches Sicherheitspersonal verzichten und appellieren an die Eigenverantwortung unserer Gäste», erklärt Prétôt.

Zu den Mehrausgaben kommen dieses Jahr auch weniger Einnahmen, da die Badi weniger Eintritte habe. Der Chef Hochbau, Lukas Reichmuth, bestätigt einen Einbruch der Besucherzahlen. Letzten Samstag habe das Bad gerade 450 Menschen gezählt, am Sonntag 1570. «Das ist extrem wenig», erklärt er. Daher sei vermutlich das Wochenende sehr ruhig verlaufen. Natürlich wünsche man sich mehr Gäste, aber dank dem vielen Platz, können dafür die Abstands- und Hygieneregeln umso besser eingehalten werden. Dementsprechend werden die Massnahmen nicht verschärft.

Es sei schwierig abzuschätzen, wie der Sommer im Bad ausfällt, aber Reichmuth vermutet, dass es ruhig bleiben wird. «Während den Sommerferien gibt es immer weniger Gäste, das ist bis jetzt auch dieses Jahr der Fall.»

Der Märet darf vorerst in der Altstadt bleiben

Doch nicht nur in der Badi hat sich die Lage entspannt. Auch in der Altstadt wurden die Regeln besser respektiert. Unmittelbar nachdem der Wochenmarkt vom Schanzenplatz wieder in die Altstadt zurückkehrte, wurden die Regeln kaum noch beachtet. Diese Verhalten sorgte für rot Köpfe. Die Stadt drohte, den Markt wieder auf den Schanzenplatz zu verlegen, würde sich die Situation nicht verbessern.

Im Vorfeld hat der Polizeikommandant, Peter Fedeli, die Marktkontrolle von einer Person auf zwei aufgestockt. Diesen Samstag bewiesen die Besucher, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst sind. «Unsere Marktkontrolle hat beobachtet, dass viele ihren Schwatz in die Seitengassen verlegten», teilt Fedeli mit.

Viele Faktoren spielen eine Rolle

Wieso es dieses Wochenende so gut gegangen ist, sei nicht nur dem Appell zu verdanken: Das schlechte Wetter spiele ein Rolle und ferienbedingt seien zwei bis drei Marktbetreiber nicht gekommen, dadurch sei mehr Platz vorhanden gewesen.

«Das ganze bleibt aber dynamisch», so der Polizeikommandant. So würde die Polizei die Situation weiterhin beobachten und wenn eine Verschlechterung beobachtet wird, dann werden Massnahmen ergriffen.

Keine Problem in der Ausgangsmeile an der Aare

Positiv überrascht und fast schon erstaunt sei er vom Verhalten der Bevölkerung in den Bars. Die Polizei haben am Wochenende beim Landhausquai und bei der Hafenbar keine Verstösse beobachtet. «Das ist zu einem grossen Teil den Gastrobetrieben zu verdanken, die freiwillig wieder zur Sitzpflicht zurückgekehrt sind», meint Fedeli. Auch bei der Hafenbar wurde die Polizeipatrouille das ganze Wochenende nicht gebraucht. «Es ist wirklich schön: Es haben alle mitgemacht», so der Kommandant.

Autorin

Judith Frei

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