Solothurn

Anmeldepflicht und stille Kommunion: So bereiten sich die Solothurner Kirchen auf den Pfingstgottesdienst vor

Die reformierte und die römisch-katholische Kirchgemeinde bereiten sich auf die ersten Gottesdienste nach dem Lockdown vor. Die Teilnehmer müssen sich auf eher stille und kontaktlose Pfingsten einstellen.

Die Kirchen stehen seit einigen Wochen mit einem Schutzkonzept in den Startlöchern. Dass die erwartete Lockerung bereits am 28. Mai statt am 8. Juni veranlasst wurde, brachte die Planung der Kirchen kaum durcheinander. Doch die Konzepte für die römisch-katholische und die reformierte Kirche in Solothurn sehen massive Einschränkungen der Gottesdienste vor, die ab dem Wochenende wieder starten: So darf beispielsweise lediglich ein Drittel der Kapazität der Kirche besetzt sein. Singen ist untersagt oder nur reduziert möglich, da dadurch mehr Viren in die Luft gelangen. Und selbstverständlich muss der Abstand zu jeder Zeit gewährleistet sein. Mit diesen Voraussetzungen bereiten sich beide Kirchgemeinden der Stadt auf einen kleinen Ansturm an Pfingsten vor.

Aus dem Hamsterrad gefallen

Bisher aber kamen sie gut auch mit online Angeboten und diversen Solidaritätsaktionen zurecht. Die reformierte Kirche beispielsweise war mit Online-Gottesdiensten bei der Gemeinde und habe sie zwischendurch mit Postkarten mit der Aufschrift «Am Ende steht nicht Dunkelheit, sondern Licht» überrascht. «Wir haben das bewusst nicht digital gemacht und haben sehr positive Rückmeldungen erhalten», sagt Koen De Bruycker. Der reformierte Pfarrer sei ausserdem regelmässig in die Stadt gegangen und habe sich mit den Leuten unterhalten. «Es war sehr befreiend», sagt er. «Sie hatten Zeit zum Plaudern, ohne den täglichen Termindruck.» Auch er selber habe das Gefühl gehabt, aus dem alltäglichen Hamsterrad gefallen zu sein. Es sei fast immer alles im Voraus geplant gewesen. «Wegen der Krise musste ich anhalten und realisieren, dass das Leben nicht zu hundert Prozent planbar ist», sagt er und fragt sich, ob er wirklich so verplant weiterleben will. Das sei eine positive Erkenntnis, die er aus der Krise gewonnen hat.

Dass nicht immer alles nach Plan läuft, musste auch der katholische Pfarrer Thomas Ruckstuhl merken. «Ich war mir gewohnt alles Monate im Voraus zu planen», sagt er. Die letzten Wochen sei man im ganzen Team auf Sicht gefahren und habe auf die wechselnde Situation reagiert. Neben weiteren Aktionen, wie einer Kerzenaktion oder Ostergeschichten für Kinder, rief das Team auf Anfrage des Alters- und Pflegeheims Thüringenhaus und St. Katharinen einen online Gottesdienst ins Leben. «Die älteren Leute hatten das Bedürfnis nach etwas Religiösem und suchten es unter anderem in Fernsehgottesdiensten», sagt Ruckstuhl. Sie seien froh gewesen, nicht vergessen worden zu sein und die bekannten Gesichter wieder zu sehen. «Es war daher wirklich an der Zeit, auch für die Kirche eine Exitstrategie zu finden.»

Vorbereitung auf die Pfingstmesse

Was den Pfarrer Keon De Bruycker hingegen beschäftigte, ist die Umsetzung der Schutzmassnahmen. Mit den Abstandsregeln und der Einlasskontrolle dürfen nur noch 45 Personen in die Stadtkirche. Das sei in der Regel auch genug, aber nicht an Pfingsten. Wie üblich findet der diesjährige Pfingstgottesdienst nämlich zentral in der Stadtkirche statt, weil eine dezentrale Lösung eine grössere organisatorische Herausforderung gewesen sei. Um eine Menschenansammlung zu verhindern, muss man sich für den Gottesdienst neu im Voraus anmelden. Die darauffolgenden werde man dann dezentral halten und eine Besucherliste führen, um die Nachverfolgbarkeit zu gewährleisten. «Es ist sicher schade, für diejenigen, die am Sonntag nicht kommen können», sagt De Bruycker. Doch er finde es falsch, die Religion auf eine Stunde am Sonntag zu reduzieren. «Der Glaube begleitet uns jeden Tag und gibt uns Kraft.» 

Auch das Weihbecken in der St. Ursen-Kathedrale musste «Corona-sicher» gemacht werden.

Auch das Weihbecken in der St. Ursen-Kathedrale musste «Corona-sicher» gemacht werden.

Platzprobleme an Pfingsten gibt es im katholischen Lager hingegen keine. «Wir haben zum Glück grosse Kirchen», sagt Thomas Ruckstuhl. Mit den Massnahmen haben rund 200 Personen in der St. Ursen-Kathedrale und etwa 150 Personen in der St. Marien-Kirche Platz. Die Bischofskonferenz habe ausserdem beschlossen, dass keine Besucherlisten geführt werden müssen, solange die Abstandsregeln eingehalten werden können. Sollte die Kapazität doch gesprengt werden, verweist der Pfarrer auf die anderen Gottesdienste am Pfingstwochenende. Von Samstag bis Sonntag finden insgesamt drei Eucharistiefeiern statt. Allerdings müssen sich die Kirchengänger auf eine alternative Kommunion einstellen, wie Ruckstuhl sagt. Zusätzlich zu den verschärften Hygieneregeln für den Pfarrer geben Bodenmarkierungen den Abstand vor, den man zu ihm halten muss. Dabei wird die Hostie nur in die Hand übergeben und auf das Reden verzichtet. «Ich bin mir sicher, dass trotz der Massnahmen eine schöne Stimmung aufkommen wird.»

Die Reformierten hingegen verzichten gleich gänzlich auf das Abendmahl. Und weil auch nicht mehr gesungen werden darf, stellte sich De Bruycker die Frage, wie er die Stunde Gottesdienst gestalten soll. «Ich werde Stille einbauen und den Leuten Zeit geben, in sich zu kehren.» In dieser Zeit soll Gott zu den Leuten reden und nicht nur er als Pfarrer. «Stille hat eine ausserordentlich grosse Kraft und könnte den Gottesdienst authentischer machen», sagt De Bruycker und sieht das als eine Chance. «Man geht sonst immer die gewohnten Wege.» Nun freue er sich, die Lebenskraft, die er in den vergangenen Wochen geschöpft hat, weiterzugeben. Auch Ruckstuhl ist voller Vorfreude. Dass die Gemeinschaft nun doch Pfingsten feiern kann, sei ein sehr guter und symbolstarker Abschluss von Ostern.

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