SOlothurn
Amiet und Hodler zeigen Wechselbeziehungen im Kunstmuseum

Zu einer Augenweide von besonderem Farbenreiz lädt das Kunstmuseum Solothurn ein. Es präsentiert mit vielen hochkarätigen Ölbildern und Zeichnungen erstmals die Künstlerfreundschaft von Ferdinand Hodler (1853-1918) und Cuno Amiet (1868-1961).

Walter Labhart (sfd)
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Auch äusserlich glichen sich Cuno Amiet und Ferdinand Hodler (rechts)

Auch äusserlich glichen sich Cuno Amiet und Ferdinand Hodler (rechts)

AZ

Aus der schweizerischen Museumslandschaft ragt das Kunstmuseum Solothurn nicht nur als Amiet- und Hodler-Hochburg heraus. Es setzt auch mit stattlichen Werkgruppen von Giovanni Giacometti, Hans Berger, Albert Trachsel und Félix Vallotton wichtige Akzente.

Vor diesem Hintergrund versteht sich der Ausstellungstitel «Eine Künstlerfreundschaft zwischen Jugendstil und Moderne» leichter. Trotz seiner Freude an Dekorativem wie etwa den zahllosen Löwenzahnblüten oder Äpfeln, die ihn in die Nähe des Jugendstils rücken, war Amiet im Kern seines koloristischen Schaffens vielmehr ein Fauvist.

Wegbereiter der Moderne

Während er mit den «Fauves» die Vorliebe für die reine Farbe teilte, wies er mit monochromen, flächenbetonten Bildern weit in die Zukunft.

Mit seinem Symbolismus war Ferdinand Hodler stärker im späten 19. Jahrhundert verwurzelt. Durch die Annäherung an den fünfzehn Jahre jüngeren Kollegen aus Solothurn, dessen farbliche Freiheit und Ausdruckskraft ihn anregten, rückte er in den Gartenbildern des Spätwerks an die Moderne heran. Wie aus dem Begleitband hervorgeht, wurde Amiet sogar zum Wegbereiter und Mitglied der expressionistischen Künstlergruppe «Brücke» in Dresden. Hodler gelang der internationale Durchbruch 1904 an der 19. Ausstellung der Secession in Wien, an der sich auch Amiet beteiligte.

Seit er 1898 im Auftrag des Solothurner Sammlers Oscar Miller das «Portrait Ferdinand Hodler vor seinem Marignano-Bild» gemalt hatte, pflegte Amiet eine engere Beziehung zu dem von den Secessionisten als «Hauptmatador» gefeierten Malerkollegen. Als Hodler nicht bereit war, auf die Vorwürfe der Wiener Kritiker zu reagieren, die Amiet als Hodler-Epigonen bezeichneten, löste sich der Jüngere immer mehr von seinem wichtigsten Vorbild.

Gelbe Mädchen Cuno Amiet

Gelbe Mädchen Cuno Amiet

AZ

Abstrakter Löwenzahn

In der von Christoph Vögele umsichtig kuratierten Ausstellung lässt sich die gegenseitige Beeinflussung der beiden Künstler an zahlreichen Beispielen ablesen. In seiner dritten Version des «Frühlings» übernahm Hodler die Intensivierung gelber Blumenmotive aus der fünf Jahre zuvor gemalten Serie «Die gelben Mädchen» von Amiet.

Wie ein kunsthistorischer Paukenschlag kommt in Amiets vollständig präsentierter Serie das unsignierte, Studiencharakter aufweisende Temperabild «Säublumen» von 1905 daher.

Mit seinen stereotypen Motivwiederholungen von Löwenzahnblüten erreicht es einen Abstraktionsgrad, der es zusammen mit Werken wie der «Abstraktion nach einer Glasmalerei im Musée de Cluny» (1900) von Augusto Giacometti (Kunstmuseum Chur) zu einer pionierhaften Wegmarke der ungegenständlichen Kunst macht.

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