Solothurn
Amiet und Hodler - beide waren auch Marketingkünstler

Zum 50. Todesjahr von Cuno Amiet zeigt das Kunstmuseum Solothurn derzeit eine 80 Gemälde umfassende chronologische Gegenüberstellung von Arbeiten von Ferdinand Hodler (1853-1918) und Cuno Amiet (1868-1961).

Fränzi Rütti-Saner
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Ganz ähnlich ist Ferdinand Hodlers «Der Frühling III» um 1907–1910.

Ganz ähnlich ist Ferdinand Hodlers «Der Frühling III» um 1907–1910.

Solothurner Zeitung

Die beiden Maler waren zunächst gut befreundet, später zerrissen und zu Hodlers Ende wieder befreundet. Die Ausstellung im Kunstmuseum Solothurn zeigt, wie die beiden sich gegenseitig inspirierten und austauschten. Eine Tatsache, die in der Fachwelt immer wieder thematisiert, bisher aber nie wirklich erforscht wurde. Auch gab es bisher keine Ausstellung, welche diese Künstler-Beziehung ins Zentrum rückte. Dies wird nun in dieser Ausstellung nachgeholt, die anschliessend im Bucerius Kunst Forum Hamburg gezeigt wird.

Neben den eindrucksvollen Gemälden wird während der Ausstellungsdauer auch ein umfassendes Rahmenprogramm geboten. Dazu gehörte am vergangenen Montagabend eine Diskussion unter namhaften Fachleuten, welche von interessiertem Publikum mitverfolgt wurde. Unter der Moderation von Museumsleiter Christoph Vögele diskutierten Ortrud Westheider, Direktorin des Bucerius Kunst Forum Hamburg; Franz Müller, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, Zürich, Mitautor des Oeuvre-Verzeichnis Cuno Amiet; Oskar Bätschmann, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, Zürich, Mitautor des Oeuvre-Verzeichnis Ferdinand Hodler und Gabriela Christen, Direktorin der Abteilung Design und Kunst an der Hochschule Luzern.

In England ist Hodler kein Thema

Die Hodler-Forschung begann anfangs der 60-iger Jahre des letzten Jahrhunderts, die Amiet-Forschung ungefähr 10 Jahre später. Als eine der wenigen Frauen, die sich mit Hodler befassten, fragte Vögele Gabriela Christen, ob Hodler denn kein Künstler für Frauen sei. «Ich kannte Hodler zunächst auch bloss als nationalistischen Männermaler, war aber gleichzeitig abgestossen und fasziniert von seinem Werk.» Interessanterweise sei sie durch Sisi, die Kaiserin von Österreich, auf Hodler gestossen, indem sie sich für Frauenbilder aus jener Zeit interessierte. Oskar Bätschmann erörterte, dass heute nicht nur in der Schweiz über Hodler geforscht werde. «Auch im übrigen Europa kennt man den «Schweizer Maler», ausser in England. Dort ist Hodler kein Thema.» Obwohl Hodlers Bilder bekannt sind, sei vieles aus deren Entstehungsgeschichte verborgen geblieben, so die Fachleute einstimmig.

Erstaunlich hingegen ist, dass Amiet erst heute richtig entdeckt und gewürdigt werde. «Derzeit wird der Werkkatalog aufgearbeitet, der alleine 1100 Gemälde umfasst», erklärte Franz Müller. Und langsam sei man auch in Deutschland daran, Amiet kennen zu lernen, sagte Ortrud Westheider. So wissen beispielsweise nur wenige, dass Amiet 1906 Mitglied der Künstlergruppe «Die Brücke» wurde. Ein Bruch in der Karriere Amiets war sicher der 1. Weltkrieg. Amiets zog sich auf die Oschwand zurück und bemühte sich nicht mehr um eine internationale Karriere. Hodlers Karriere beendete der Tod. Er starb 1918 an Schwindsucht.

Die beiden Künstler lernen sich durch die Vermittlung des Solothurner Industriellen und Kunstmäzens Oscar Miller 1897 in Biberist kennen und freundeten sich an. Eine Tatsache, die sich in vielen Werken in den folgenden Jahren widerspiegelt. Den Bruch dieser Freundschaft markiert die Secessionsausstellung in Wien im Jahr 1904, in der Amiet von der Kritik als «harmloser Hodler-Epigone» bezeichnet wird. Hodler widerspricht dieser Titulierung nicht. Ab diesem Zeitpunkt kühlt sich die Freundschaft der beiden Künstler merklich ab.

Beide erzielen Höchstpreise

Hodlers Bilder erzielen astronomische Preise, die auch schon mal in die 10 Mio. Franken-Grenze sprengen können. Und auch Amiets Werke erzielen heute schon mal 1,2 bis 1,8 Mio. Franken. Doch schon zu Lebzeiten wussten beide Künstler sehr wohl, was Marketing ist. «Das Bild des am Hungertuch nagenden Künstlers ist eine Legende», so Bätschmann. «Hodler war spätestens ab 1904 ein reicher Mann. Amiet war ein kluger Stratege und wusste, welche Sujets und Formate ihm den Erfolg garantierten.»

Heute wandelt sich das Bild, das die Kunsthistoriker von den beiden Künstlern haben. «Hodler wird als sehr eigenständiger Maler in der Kunstgeschichte bestehen bleiben. Ein grosses Pech war, dass er so früh gestorben ist», sagte Christen. «Und Amiet wird heute als Maler angesehen, der sich im Gegensatz zu Hodler vielen Strömungen angenommen hat und keine Scheu hatte, sich auszuprobieren. Ähnlich einem der Grössten: Picasso.»

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