Solothurn
Am Wiehnachtsmäret treffen sich Monsterli und Engel

Noch bis Sonntag stehen Adventsstimmung, Bummelatmosphäre und handwerklicher Geist beim Soledurner Wiehnachtsmäret am Kreuzackerquai im Zentrum.

Andreas Kaufmann
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Solothurner Weihnachtsmarkt 2016
24 Bilder
Dank dem kühlen, aber trockenen Wetter startet der Wiehnachstmäret dieses Jahr mit einem grossen Publikumsaufmarsch
Mit der Kettensäge geformt
Lichterschein an der Aare
Die CD mit dem «Soledurner Wiehnachtslied» wird von Simu Fankhauser (Komponist) mit kräftigem Gesang junger Chorsänger getauft.
Schon am Nachmittag ist einiges los
Doris Altermatt bietet kuschelige Monster feil
Ein beliebter Treffpunkt – auch für Glühwein
Ein Engel macht Seifenblasen
Stephan Hänni verkauft Hochprozentiges mit Regionalkolorit

Solothurner Weihnachtsmarkt 2016

Andreas Kaufmann

Selbstgemachtes lockt die Leute an.» Matthias Knörr, seineszeichens Forstwart und Holzbildhauer, nennt das simple Prinzip, mit dem der Soledurner Wiehnachtsmäret nun schon zum siebten Mal Erfolge zeitigt. Bereits am Mittwoch Nachmittag strömten nämlich Passanten für einen Einkaufsbummel, ein Ohrvoll Chormusik oder einen Schwatz, für einen Glühwein oder Crèpes, an den Kreuzackerquai.

Derweil «höglet» oder «lismet» hier oder da eine Standbetreiberin an neuer Ware. Hektik ist nicht spürbar, und Eile ist schon gar nicht nötig zwischen den fast 70 «Mini-Chalets». Noch bis Sonntag kann hier nachgeholt werden, was in der aufreibenden Einkaufsplanung vor dem Fest bislang auf der Strecke blieb.

Essbares und Tranksame finden sich hier ebenso wie Textilien, Papeterieware, Dekoartikel – und dies in allen möglichen Materialien. Holz zum Beispiel: Knörrs lediglich mit Motorsäge und Winkelschleifer geschaffenen Engelsfiguren kommen gut an und sind wahre Blickfäng an der Flusspromenade. Und so sind auch andernorts Engel als Allzeit-Klassiker hoch im Kurs: aus Holz, auf Schreibkarten oder gar in Beton gegossen.

Lob an Veranstalter

Bei Doris Altermatt aus Nunningen sind es nicht die Engel, die den Besuchern entgegenflattern. Knopfäugige «Sorgenfresser» und andere «Monsterli» grinsen lieb aus dem Standhäuschen. Seit 26 Jahren ist die Handarbeitslehrerin an Märkten präsent, heuer zum ersten Mal in Solothurn. Während zehn Jahren hatte sie den Christkindlimarkt in Laufen unter ihren Fittichen.

«Von daher weiss ich, welche Arbeit mit so einem Markt verbunden ist», lobt sie das kleine Team aus der Vereinigung Pro Vorstadt, die hier das Szepter innehält. Es waren Schüler, die zuerst Fans ihrer plüschigen Monster wurden. «Und jedes einzelne Exemplar – egal, ob es ‹schepps› dreinschaut – ist gut so, wie es ist», betont sie den Geist ihrer Geschäftsidee. Und so wünscht sie sich auch für jedes einzelne Monster auch einen potenziellen Besitzer, der wirklich dazu passt. Da kann es schon mal vorkommen, dass dieser aus New York oder Miami stammt. Doch jetzt erobern die Monster erst einmal Solothurn, das Altermatt am Herzen liegt. Sie war erfreut und erstaunt, gleich auf Anhieb hier aufgenommen zu werden.
Von Anfang an dabei ist Johanna Gut, die noch bis 2013 den Manolito-Textilladen in der Vorstadt führte. Weniger Textilware, sondern vielmehr Stempel und Schreibkarten sind bei ihr angesagt: «Grümschele ist erlaubt», sagt sie und blickt zurück: «Der Markt ist grösser und schöner geworden.» Auch am Chlausemäret sei sie jeweils dabei, vergleichen lassen sich die beiden Formate aber nicht. «Der Vorteil hier ist, dass der Aufwand für den Standaufbau für fünf statt zwei Tage betrieben wird.» Und: Dass der Käufer zwischen dem Erspähen eines Produkts und dem möglichen Kauf noch einige Tage Zeit habe.

Selbstgemachtes ist Trumpf

Während Matthias Knörr zur Motorsäge greift, köchelt auf der anderen Seite des Markts ein Destillator vor sich hin. Anschauungsunterricht gibts auch bei Stephan Hänni aus Grossaffoltern, der im vergangenen Jahr seinen «Fesslibrand» konzipiert hat – und somit heuer wie Altermatt ein Neuling am Wiehnachtsmarkt ist. Stolz präsentiert er seinen Nusslikör und Löhrpflaumen-Brand, Produkte ab Hännis Hof. Brennen lässt er aber auswärts, und so ist auch im Kessel am Stand kein Alkohol drin. Ansonsten: Alles selbstgemacht. «Ich wollte an einen guten Wiehnachtsmäret, wo keine Stangenware im Vordergrund steht, sondern in diversifizierter Form das pure Handwerk.»