Installation
3,5 Tonnen Leichtigkeit erfüllt den Raum

Das Haus der Kunst St. Josef, Solothurn, zeigt neue Arbeiten von Gunter Frentzel unter dem Titel «Angelehnt».

Eva Buhrfeind (Text) und Hanspeter Bärtschi (Bilder)
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Frentzel lotet mit seinen Eisenstäben den Kunstraum immer wieder aufs Neue aus.
4 Bilder
Besonders reizvoll präsentieren sich die Objekte im alten Gemäuer.
Filzstiftzeichnungen setzt der Künstler jetzt neu auf Eisenplatten.
Haus der Kunst St.Josef

Frentzel lotet mit seinen Eisenstäben den Kunstraum immer wieder aufs Neue aus.

Hanspeter Baertschi

Das ist einfach nur noch beeindruckend, wenn man so unmittelbar vor der Raum und Atmosphäre sowie den Betrachter einnehmenden Installation steht. Ja, reine Erhabenheit, eine subtile kontemplative Kraft füllt den Hauptraum aus: An der Wand des Altarraums fächern sich eng aufeinandergeschichtete Chromstahlträger aus der Höhe in leichter Bewegung bis vor den Eingang auf.

Ein trotz – oder gerade wegen – der Einfachheit wuchtiges Bild, assoziativ und suggestiv in der Prägnanz, wenn sich die matt polierten Chromstahlträger in der Höhe zu einem archetypischen Boot verdichten, um sich dann aus diesem dunklen Spannungsmoment heraus wie ein Lichtstrahl auf den steinernen Boden zu ergiessen.

Wie in allen seinen Arbeiten ruht auch hier das Schwebende im Schwerkräftigen und umgekehrt. Erweitern 3,5 Tonnen imposante Leichtigkeit den Ausstellungsraum zu einem Ort der Besinnung. Jeder neue Standpunkt eröffnet dabei einen anderen Blick auf die elementare wie durchaus allegorische Existenz. Mit unerschütterlicher Vitalität fordert Gunter Frentzel, der dieses Jahr seinen
80. Geburtstag feiert, mit den präzise gesetzten Stahlstäben, den linearen Prinzipien den Raum heraus, stets im labilen Gleichgewicht von Statik und Dynamik, von Kraft und Leichtigkeit.

Da fächern sich im Chorraum akkurat an der Wand aufeinandergeschichtete, schwarze Stahlstäbe aus dem Winkel heraus zu einem weiteren Winkel in den Raum – der zweidimensionale Gedanke wird zur dreidimensionalen Wirklichkeit. Parallel nebeneinander schräg gegen graue Dämmplatten gelehnte schwarze Stahlstäbe agieren mit den auf die Dämmplatten gleichermassen breiten schwarzen Filzstreifen. Auch hier greift das zeichnerische Bild in den Raum hinein, aus dem Licht-Schattenspiel und den visuellen Überschneidungen generiert sich ein vibrierender Moiré-Effekt, der sich in den Bewegungen mit dem Betrachter wandelt. Gleichzeitig werden diese Platten allein durch die Kraft der Stahlstäbe in einer Balance aus Labilität und Stabilität gehalten.

Ja, Gunter Frentzels analytisch konzipierten Objekte sind keine Kunst des Augenblicks, sie bedürfen der Musse und Konzentration. Dies gilt besonders auch für die Fortführung früherer Filzstiftzeichnungen, mit denen er die Idee des Raumes aus der Linie ins Zweidimensionale reduzierte. Nun hat er diese Filzstiftlinien auf rostige Eisenplatten symmetrisch aneinander, schräg auf- oder absteigend zu magischen Kulissen derart gesetzt, dass Illusion und Suggestion allmählich die räumliche Vorstellung neu definieren und aus der Fläche heraus ahnungsvolle, ineinander gesetzte, dreidimensionale Geschehen formieren, die den Blick in imaginative wie kontemplative Tiefen ziehen: Die skulpturale Idee hat sich über die zeichnerische Bildidee erneuert. Weitere Wandarbeiten finden sich im Obergeschoss.

Haus der Kunst, Solothurn. Bis 12.7. Geöffnet: Do/Fr 17–20 Uhr, Sa/So 13–17 Uhr.

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