Die Untere Sternengasse war seine Heimat. Immer. Seit seiner Geburt am 25. Juli 1918, vier Monate bevor der mörderische 1. Weltkrieg ein Ende fand. Nun empfängt Hans Heidelberger im schmucken Heim an der Unteren Sternengasse 18 hohen Besuch: Landammann Roland Heim mit Staatsschreiber Andreas Eng und dem Standesweibel Fritz Unternährer in vollem Ornat. Dabei haben sie einen Goldbarren und Blumenbukett.

Ebenfalls Blumen bringt Stadtpräsident Kurt Fluri mit, und kurz darauf macht Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger das Besucherfeld komplett. Es gibt ein Glässchen Weisswein, einen gut gefüllten Muttiturm der Confiserie Hofer und viel Smalltalk mit dem rüstigen Jubilar. Der fröhlich das Glas hebt: «Auf die Jugend!»

Sprüche hat er immer noch drauf. Im Rückblick auf weniger angenehme Mitmenschen meint Hans Heidelberger: «Mir hei nüt z’ lache gha. Aber mir hei gliich glachet.» Gelächter am Tisch unter dem Freisitz. Erinnerungen werden wach, wie an den Ausbruch des 2. Weltkriegs, den der damals 21-Jährige auf dem linken Fuss erwischte: «1939 rückte ich in den WK ein. Und musste gleich bis ins nächste Jahr bleiben.»

Ein treuer Diener des Staates

Immer verbunden war der Jubilar mit dem Kanton Solothurn. Seine kaufmännische Ausbildung hat er auf dem Finanz-Departement absolviert. Als Austauschschüler hielt er sich dann ein Jahr in Genf auf, um Französisch zu lernen.

Dem Staat als Arbeitgeber ist er treu geblieben. Hans Heidelberger hatte auf verschiedenen Amtsstellen gearbeitet. So war er auf der Staatskanzlei und dem Steuerbüro beschäftigt. Zuletzt wirkte er bis zu seiner Pensionierung auf der Amtsschreiberei Kriegstetten, zuerst auf dem Betreibungsamt, später dann auf dem Erbschaftsamt.

Noch trittfest unterwegs

Natürlich hat Hans Heidelberger seine Angaben zur Person selbst verfasst – Schreiben war ja seine Lebenspassion. Eine andere: die Berge. In seiner Freizeit zog es ihn in die Alpen, und «noch heute bin ich SAC-Mitglied». Deshalb sei er immer noch so trittfest, weiss sein Umfeld.

Jeden Mittag geht Hans Heidelberger mit zwei Kollegen ins nahegelegene Restaurant Sternen zum Essen. Die Familie Rohrbeck, die im gleichen Haus wohnt, unterstützt den Jubilar im Alltag. Und die Nachbarschaft, die auch zum Geburtstagskind schaut, werde am Nachmittag sicher noch zum Gratulieren vorbeischauen, ist zu hören.

«1918 – das ist ein sehr guter Jahrgang!», wirft Landammann Roland Heim in die Runde. So gebe es heuer 35 Personen im Kanton, die ihren 100. Geburtstag feiern könnten, eine sehr hohe Zahl. Dabei ist das Jahr 1918 nicht nur wegen des Weltkrieg-Endes in die Annalen eingegangen. Im Winter 1918/19 forderte die Spanische Grippe unzählige Opfer auch in der Schweiz. Hans Heidelberger aber konnte auch diese erste Lebensprüfung nichts anhaben.