Der Abstimmungssonntag mit Schwerpunkt neue Gemeindeorganisation hinterlässt Spuren. Das Resultat ist knapp, sehr knapp. Und aus dem Brühl sind nachträglich Stimmzettel zum Vorschein gekommen, was zwar peinlich ist, die Stimmung aber nur am Rande trübt. Hauptsache: Stadtpräsident Kurt Fluri kann weiterhin schalten und walten wie er will. Die Monarchie hat, nicht zum ersten Mal in der Geschichte von Solothurn, einen Sieg errungen.

Das gefürchtete Klumpenrisiko ist nicht vom Tisch, aber immerhin nicht viel grösser, als wenn eine Mehlsuppe auf dem Herd vor sich hin köchelt. Das wenigstens glaubt das Team der Gratis-Fasnachtszeitung «11 Minuten», das erneut mit dem Spezialprogramm «Schnuriwuri» im Theater Mausefalle über sich hinauswächst.

Lachsalven noch und noch erschüttern den Raum und treiben die Protagonisten auf der Bühne zu Höchstleistungen an. Doch das ist erst ein Vorspiel. Der Höhepunkt steht noch aus. Und einstweilen ist Hansjörg Boll auch noch damit beschäftigt, die Agenda seines Chefs zu füllen. «Damit er am Abend nicht nach Hause muss.»

Trump auf Besuch

Einmal mehr stattet just zu diesem Zeitpunkt Trump dem historisch gewachsenen Städtchen mit den verbliebenen Schanzenmauern und dem neuen und alten Überflieger Fluri auf der Suche nach Jahrhunderte überdauernden Mauern einen Besuch ab. Die Verhältnisse ähneln sich, was erklärt, weshalb sich der amerikanische Monarch in Solothurn sehr wohl fühlt.

Keinen Bock, sich mit hiesigen und fremden Oberhäuptern zu beschäftigen, haben dagegen andere wichtige Leute. Schliesslich werden nach der Abstimmung nun Gebäude verstaatlich, das Lusthäuschen von König Fluri gewinnt an Bedeutung, und der verfallende Henzihof wird in ein mächtiges, schlossähnliches Quartierzentrum umgebaut.

Das RAV hat alle Hände voll zu tun, den arbeitslos gewordenen städtischen Beamten neue Stellen zu verschaffen. Nicht zu reden von solothurnischen Spitzenköchen, die in der Küche des Chuchiladens neue Rezepte ausprobieren müssen. Ziemlich in die Hosen geht die aus Chefbeamten zusammengesetzte, erste Ministerkonferenz, die von einer seriösen Gesprächsrunde weit entfernt ist.

Kurt Fluri im Königsgewand

Und dann geschieht es: Auf dem zentral aufgestellten Thron sitzt – man kann es kaum glauben – der wahrhaftige Kurt Fluri im roten Königsgewand und lächelt gütig und majestätisch mit dem Zepter in der Hand dem Publikum zu. Weise und die uneingeschränkte Macht geniessend, auf seinem ersten Staatsbesuch in Zuchwil, eine jener Gemeinden, die die von ihm vorangetriebene Fusion einst schmählich von sich wies. Fluri, dem kaum jemand diesen Coup zugetraut hätte, sonnt sich genüsslich in der verdienten Standing Ovation, die ihm das Publikum entgegenbringt.

Was das «11-Minuten-Team» hier innert kurzer Zeit auf die Bühne gezaubert hat, ist schlicht grandios. Mit so einem Auftakt kann die närrische Zeit getrost beginnen.