Biberist
Schlägereien auf dem Pausenplatz gibt es heute noch

Schulsozialarbeit leistet im letzten Schuljahr in Biberist über 1000 Stunden Arbeit.

Rahel Meier
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Im Jahr 2018: Michele Foglia und die Friedensbrücke.

Im Jahr 2018: Michele Foglia und die Friedensbrücke.

Hanspeter Bärtschi

Das Coronavirus hatte auch Auswirkungen auf die Arbeit der Schulsozialarbeit (SSA) in Biberist. Das zeigt der Rechenschaftsbericht, den Schulsozialarbeiter Michele Foglia dem Gemeinderat in seiner letzten Sitzung zur Kenntnisnahme vorlegte. Einzelfallarbeit ist nach wie vor der Schwerpunkt für Foglia. Die Themen, die die Schülerinnen und Schüler (SuS) beschäftigen, sind vielfältig. Dazu gehören familiäre Probleme die von psychischen Erkrankungen, zu Streit mit den Eltern bis hin zu häuslicher Gewalt gehen. SuS könne sich aber auch persönlich unverstanden fühlen oder überfordert sein. Mobbing und Cybermobbing gehören ebenfalls dazu. In die dritte Kategorie fallen Beratungen im schulischen Bereich. Bei Schülern, denen die Motivation im Schulalltag fehlt, die Konzentrationsschwierigkeiten haben oder die Schulregeln nicht einhalten.

Schüler holen öfter Hilfe als Schülerinnen

Ein zentrales Thema sind Schlägereien in der Pause und vor oder nach der Schule. Die Statistik der Schulsozialarbeit zeigt denn auch auf, dass fast doppelt so viele Schüler wie Schülerinnen Hilfe suchen. Dies sei, so Foglia, vor allem auf körperliche Auseinandersetzung zurückzuführen. «Miteinander Frieden schliessen» wurde deshalb vermehrt zu einem wichtigen Bereich. Grundsätzlich habe man in Biberist die Haltung «wer schlägt, ist schuld ... denn es gibt immer eine andere Möglichkeit.» Seit 2018 gibt es eine sogenannte Friedensbrücke. Mit Hilfe dieser Brücke lernen SuS in vier Schritten, einen Konflikt beizulegen und sich am Schluss die Hand zu geben und sich zu entschuldigen.

Einzelberatungen sind der Hauptteil

Die Statistik zeigt, dass im Schuljahr 2019/20 mehr als tausend Arbeitsstunden für die SSA eingesetzt wurden. Der grösste Teil, nämlich 646 Stunden, wurden dabei für die Schülerinnen (44) und Schüler (79) aufgewendet. Am häufigsten wurde die SSA von den Zehn- bis Fünfzehnjährigen aufgesucht. Dabei ging es zum grössten Teil um Einzelberatungen. 206 Stunden waren es für die Schule als Ganzes, 98 Stunden für einzelne Lehrkräfte und 75 Stunden für Eltern. Immer noch ein wichtiger Teil der Arbeit sei die Beziehungspflege, so Foglia im Gemeinderat. Das ist einerseits die Präsenz auf den Pausenplätzen, aber auch der Austausch mit den Schulleitungen und den Lehrerteams.
Während des Lockdowns versuchte Michele Foglia im Auftrag der Schule, den Kontakt zu Schülern und Eltern aufrechtzuerhalten. Er war denn auch weiterhin in seinem Büro zu erreichen, obwohl die Beratungen grösstenteils telefonisch erfolgten. Zwei Wochen lang half Foglia zudem in der Mühlematthalle bei der Betreuung von SuS mit, deren Eltern arbeitshalber nicht zu Hause bleiben konnten.

Integration und Streitlösung im Fokus

Für das laufende Schuljahr 2020/21 möchte sich Foglia auf die Unterstützung und Integration von Schulkindern, die aus dem Ausland oder einer anderen Gemeinde nach Biberist gezogen sind, fokussieren. «In den letzten beiden Jahren gab es immer wieder Fälle von Kindern, deren Integration nicht funktionierte, und in denen ich intervenieren musste», erklärt Foglia seine Motivation. Ein weiterer Schwerpunkt soll der Streitlösungsansatz «Schritte der Friedensbrücke» für die Oberstufe sein. Es sei eine Herausforderung, das altersgerecht anzupassen, damit die Jugendlichen den Ansatz annehmen und im Streitfall anwenden können. Um Streit geht es dann auch beim dritten Schwerpunkt. In der ersten und zweiten Klasse sollen einheitliche Regeln und Sanktionen erarbeitet werden, die bei einem Streit gelten sollen. Der Gemeinderat nahm den Bericht so zur Kenntnis. Es gab einige wenige Fragen, bei denen Foglia seine Aussagen noch präzisierte oder näher ausführte. Auch hier betonte Michele Foglia, dass einer der Hauptgründe, wieso sich Schüler bei ihm melden würden, Streitsituationen seien. 60 bis 70 Prozent der SuS würden von den Lehrpersonen zur Schulsozialarbeit geschickt. Aber zwischen 30 und 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen würden sein Büro selbstständig aufsuchen.