«Blumen für die Kunst»
Zwei Oltner Floristen zeigen im Aargauer Kunsthaus ihr künstlerisches Flair

Im Aargauer Kunsthaus zeigen zwölf Floristinnen und Floristen in der Ausstellung «Blumen für die Kunst» ihre florale Interpretation von Kunstwerken aus der Sammlung des Museums. Zwei Oltner sind dabei.

Adriana Gubler
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Zwei Oltner Floristen im Aargauer Künstlerhaus
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Jenny Wüthrich interpretiert Ferdinand Hodlers «Der Nesen vom Heustrich aus» aus dem Jahr 1910
Jenny Wüthrich an ihrem Arbeitsort
Philipp von Arx interpretierte das «Bildnis einer Hofdame» von Jean-Etienne Liotard
Philipp von Arx in seinem Blumengeschäft

Zwei Oltner Floristen im Aargauer Künstlerhaus

Oltner Tagblatt

Mehrmals ging die 20-jährige Jenny Wüthrich ins Aargauer Kunsthaus in Aarau. Immer wieder setzte sie sich auf einem Schemelchen vor dasselbe Bild – «Der Niesen vom Heustrich aus» von Ferdinand Hodler (1910). Beim Anblick des Berges und des Wolkenkranzes fühlte die Wiedlisbacherin richtiggehend den kühlen Wind auf der Haut.

Die Besuche im Museum brauchte die Floristin für ihre Inspiration. Denn sie gehört zu den zwölf auserwählten Floristen, die bei der Ausstellung «Blumen für die Kunst» im Aargauer Kunsthaus ihr floristisch-künstlerisches Geschick unter Beweis stellen konnten. Die Aufgabe war dabei, zu einem Werk aus der Sammlung des Aargauer Kunsthauses ein Blumenarrangement zu kreieren.

Hodlers Werk war nun nicht gerade die erste Wahl von Jenny Wüthrich. «Es war sozusagen erst Liebe auf den zweiten Blick», sagt die junge Floristin. Weil sich die Bernerin, die im Blumengeschäft «Aller Art Blumen» in Olten arbeitet, ein Naturmensch ist und sich am liebsten an der frischen Luft aufhält, fand sie schliesslich doch Gefallen am Bild von Hodler.

Während ihrer Inspirations- und Kreativphase ging es für Wüthrich darum, ein Arrangement zu kreieren, das sowohl zum Werk Hodlers passt, wie auch zu ihrem eigenen Stil – und das den strengen Anforderungen des Aargauer Kunsthauses entsprach. Bis zur Fertigstellung investierte die 20-Jährige rund zehn Arbeitsstunden.

Schwarze Federn als Schutz

«Blumen für die Kunst», die Ausstellung an der Schnittstelle zwischen Kunst und Floristik, ist eine Premiere in der Schweiz. Jenny Wüthrich ist vom Ergebnis der zwölf Floristen begeistert. Auch der 32-jährige Oltner Florist Philipp von Arx hält «Blumen für die Kunst» für eine coole Geschichte. «Die Blumen bringen viel Leben in das Kunsthaus», findet von Arx. «Das Spannende an der Ausstellung ist, dass kein Blumenarrangement dem anderen auch nur im Ansatz gleicht.»

Das Arrangement von Philipp von Arx, das er zum «Bildnis einer Hofdame» von Jean-Étienne Liotard angefertigt hat (1750), wird umschlossen von rabenschwarzen Federn. «Eine Hofdame war früher sehr gut behütet und durch die dicken Schlossmauern geschützt», so von Arx über seine Grundidee. In seinem Blumenarrangement stellen die schwarzen Federn deshalb den Schutzwall der Blüten in der Mitte dar. Das Liotard-Bild war der grosse Favorit des 32-jährigen Berufsweltmeisters von 2003. «Mir haben die pudrigen Farben und der Farbverlauf sofort gefallen.»

Wenn das Werk bald verblüht

Entstanden ist das Arrangement von Philipp von Arx taufrisch am Montag, dem Tag der Eröffnung. Rund sieben Stunden hantierte er daran. Aber bereits am Sonntag geht «Blumen für die Kunst» zu Ende, denn die Arrangements sind schnell vergänglich. «Das ist in unserem Beruf nun mal so», sagt der Meisterflorist von «von Arx Blumen & Garten». «Das zwingt uns dazu, jeden Tag etwas Neues zu kreieren. Das ist doch schön.» Wer die Ausstellung in Aarau noch sehen will, muss sich also sputen – die Zeit läuft.