Kunstmuseum Olten
Zwei Künstler aus zwei Epochen entfachen den neuen Kulturkampf

Der Künstler San Keller will bis Sommer 2014 die Martin-Disteli-Sammlung im Kunstmuseum Olten gegen ein Gemälde von Andy Warhol tauschen. Ein Nullachtfünfzehn-Warhol kommt aber nicht infrage.

Urs Huber
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Im Oltener Kunstmuseum soll bald ein Warhol hängen.

Im Oltener Kunstmuseum soll bald ein Warhol hängen.

Keystone

Tobt schon bald ein neuer Kulturkampf hinter den Mauern der Stadt Olten, bei dem nicht Papst und Unfehlbarkeit die Hauptrolle spielen, sondern zwei Künstler aus zwei unterschiedlichen Jahrhunderten?

Auf der einen Seite der Karikaturist und politische Zeichner Martin Disteli (1802 bis 1844), dessen Werke den Gründungsbestand des Kunstmuseums Olten bilden. Und auf der anderen Seite der amerikanische Pop Art-Künstler Andy Warhol (1928 bis 1987).

Das Werk Distelis neu entdecken

Gemäss einer Presseinformation des Kunstmuseums Olten könnte dies tatsächlich Realität werden. So heisst es dort auszugsweise: «Der Künstler San Keller (1971) produziert in Zusammenarbeit mit Nina Stefanka einen Film, der von einer ausserordentlichen Tauschaktion handelt.»

Es sei das erklärte Ziel Kellers, die Sammlung von rund 2000 Werken des politischen Zeichners Martin Disteli bis Sommer 2014 gegen ein Gemälde von Andy Warhol aus einer amerikanischen Sammlung zu tauschen.

Das Projekt läuft unter der Prämisse Disteli-Dialog-II, startete Ende Juni und ist vorläufig auf ein Jahr befristet. Nicht dass es bei dieser Idee um die Popularisierung Distelis und dessen Werk gehen würde, nein.

Aber: «Die Idee Kellers macht es möglich, viele Fragen rund um die Beziehungen zu Martin Disteli zu diskutieren», sagt Museumsdirektorin Dorothee Messmer. Etwa: Inwiefern lassen sich seine Darstellungen noch in die Gegenwart übersetzen?

Mit dem Projekt sei die Behauptung verknüpft, dass Distelis dem Liberalismus verpflichtetes Schaffen aus dem lokalen Rezeptionskontext gelöst werden muss, um in seiner ganzen rebellischen Kraft neu gewürdigt werden zu können.

In diesem Zusammenhang wird Distelis Nachlass von der Sammlungskonservatorin Katja Herlach (noch) in Olten öffentlich geordnet, fotografiert, neu inventarisiert und - verpackt.

Zwischenzeitlich führt San Keller Gespräche mit verschiedenen Akteuren auf lokaler und nationaler Ebene und sucht diese - ebenso wie private Sammler und Vertreter öffentlicher Sammlungen in den USA - für seine Tauschidee zu gewinnen.

«Irgendein Nullachtfünfzehn-Warhol kommt als Austausch nicht infrage», sagt Dorothee Messmer. Und mit nullachtfünfzehn meint sie eine der weitläufig bekannten Druckgrafiken.

Auch auf der politischen Ebene hat man sich mit dem Projekt Kellers auseinandergesetzt. «Den Projektansatz hat man als interessant empfunden», so Stadtschreiber Markus Dietler.

Wer dann allerdings letztinstanzlich über den Tausch befinden würde, könnte nach der im Stadthaus gängigen Ansicht abhängig vom Marktwert des eintauschbaren Warhols sein. Damit nämlich würde auch der Marktwert der Disteli-Sammlung indirekt festgelegt.

«Es wäre letztlich eine Frage der Finanzkompetenz. Würde der eingetauschte Warhol einen Marktwert von - sagen wir mal - 2 Mio. Franken haben, wäre sicher das Parlament für den Entscheid zuständig», so der Stadtschreiber.

Wie die Chancen auf einen solchen Tausch einzuschätzen sind, sei schwierig zu sagen. Aber die Prozesse rund um das Vorhaben bezeichnet Dietler als spannend.

Das Projekt ist im Juli gestartet. Alle sind eingeladen während der Öffnungszeiten des Museums die im Disteli-Kabinett eingerichtete Lese- und Infoecke zum Projekt zu nutzen oder von der Möglichkeit Gebrauch zu machen, der Konservatorin bei der Dokumentation über die Schulter zu schauen.