Buch
Zürcher Studenten analysieren die Stadt Olten

Studierende der Uni Zürich haben sich im Rahmen eines Seminars mit der Stadt Olten befasst. Daraus ist nun ein Buch entstanden.

Deborah Onnis
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Flyer im Retro-Stil zur Vernissage des Buchs «Olten». zvg

Flyer im Retro-Stil zur Vernissage des Buchs «Olten». zvg

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Sympathisch und aussergewöhnlich ist der Postkarten-inspirierte Flyer zur Vernissage des Buchs mit dem Titel «Olten» auf jeden Fall. Das Buch ist der sechste Band der Reihe «Werkstücke»; eine Publikationsreihe des Studiengangs Populäre Kulturen des Instituts für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft der Universität Zürich.

Im Gegensatz zur neugierweckenden Einladung kommt das Buch als wissenschaftliches Werk, um einiges steriler daher – inklusive vieler Quellenangaben in Fussnotenform. Konkret handelt es sich um eine Sammlung wissenschaftlicher Arbeiten von Studierenden. Entstanden sind die Beiträge letztes Jahr in einem Master-Seminarprojekt, das sich zwei Semester lang der Stadt Olten widmete.

In den verschiedenen Arbeiten gingen die Studierenden jeweils ortsethnografischen Fragestellungen nach, wie zum Beispiel: Wie und in welchem Umfang leistet Olten Tourismus einen Beitrag zur regionalen Tourismusförderung und wie wird dieser repräsentiert? Ein anderer Beitrag widmet sich der Kunstszene der Stadt. Auch die neue Kirchgasse sowie das Projekt Olten SüdWest werden neben vielen anderen Orten und Begebenheiten jeweils thematisiert. Erfreulicherweise merkt man einigen Beiträgen an, dass die Studierenden ihre Arbeit nicht nur am Laptop verfasst haben, sondern auch vor Ort gewesen sind. Quasi als Touristen, was vermutlich auch der Flyer impliziert.

Die Studierenden besuchten Olten und ergänzten ihre Beobachtungen mit wissenschaftlicher Recherche. Untersucht wurde in einem Beitrag auch, wie Olten von den nationalen Zeitungen «Tagesanzeiger» und «NZZ» wahrgenommen wird. Dabei analysierte der Student, in welchem Zusammenhang Olten erwähnt wurde. Am häufigsten taucht die Stadt demnach im Sportteil auf. Dies aber nur im Namen des «EHCO». Am zweithäufigsten wird Olten als Bezugspunkt im Eisenbahnnetz genannt, besonders bei Streckenunterbrüchen.

Aufgrund des wissenschaftlichen Stils, geprägt von Fachbegriffen, richtet sich das Buch eher an ein Fachpublikum. Das Buch beinhaltet aber auch schöne, gut lesbare Passagen. Zum Beispiel im Beitrag über die Atmosphäre der Aarauerstrasse. «Ich spürte, wie die Strasse – besonders um den Bifang Platz herum, das eigentliche Zentrum des Quartiers – anders war als alles, was mir bisher in Olten begegnet war. Plötzlich war da dieses Gefühl – das erste Mal überhaupt in Olten – in einer Stadt zu sein.»

Die Studentin versucht dabei, anhand von schriftlichen Momentaufnahmen, die erlebte Atmosphäre einzufangen und zitiert dabei manchmal auch anonymisierte Einwohner. Zum Beispiel «Miriam»: «Hier gleicht Olten den grossen Städten: Zürich, Bern, Basel.»

Buchvernissage: Donnerstag, 3. März, 18 Uhr, Coq d’Or. Eintritt frei.

Zum Buch: Mischa Gallati (Hrsg.): Werkstücke #6. Olten. Texte aus dem ISEK – Populäre Kulturen, Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft der Universität Zürich 2016