Olten
Zum Finale gabs Standing Ovations für das Stadtorchester

Das Stadtorchester Olten präsentiert sich mit Beethovens Neunter in bestechender Form.

Vera Frey
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Stadtorchester und ProjektChor glänzten in der Friedenskirche Olten.

Stadtorchester und ProjektChor glänzten in der Friedenskirche Olten.

Remo Fröhlicher

Mit der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven auf dem Programm weckte das Stadtorchester, zusammen mit dem ProjektChor Olten, grosse Erwartungen. Schliesslich hat kein zweites Werk der sinfonischen Literatur eine so breite und vielschichtige Rezeptionsgeschichte entfaltet. Die Wirkung der Sinfonie reicht weit über den musikalischen Bereich hinaus; sie hat Dichter, Schriftsteller und bildende Künstler inspiriert und überdies tiefgreifende ästhetische und philosophische Diskussionen ausgelöst.

Vertrauen als Grundlage

Es braucht also auch eine grosse Portion Vertrauen des Dirigenten André Froelicher – in sich selbst, aber vor allem in sein Orchester – um sich an dieses Werk zu wagen. Und so sitzen die Zuhörerinnen und Zuhörer in der voll besetzten Friedenskirche gebannt auf ihren Sitzen und lauschen den ersten leisen, aber fordernden Tönen des ersten Satzes. Das aufbrausende Hauptthema schneidet sich zwischen den berückenden Klang von Horn, Klarinette und Oboe und wird immer heftiger, rasanter. Schon jetzt ist klar: Das Stadtorchester Olten ist in bestechender Form.

Der zweite Satz «Molto vivace presto» ist ein wilder, prägnant akzentuierter Tanz. Die präzise platzierten Paukenschläge dringen durch Mark und Bein.

Beim dritten Satz, einem innigen Adagio-Andante erklingt die Sehnsuchtsmelodie, mit eindringlicher Emotionalität von Bläsern und Streichern gespielt und mit grosser dynamischer Differenzierung.

Einzig die hohen Streicher scheinen sich kaum gegen den Klang der Bläser behaupten zu können. Und so droht das fragile Klanggebilde gegen Ende des dritten Satzes vollends auseinanderzufallen. Dirigent André Froelicher rettet in extremis.

Es folgt der Höhe- und Wendepunkt der sinfonischen Gattung: der Schlusssatz. In diesem bricht zuerst das Bedrohliche des ersten Satzes noch einmal auf. In nachdenklichem, fast traurig gestimmtem Klang entwickeln Bässe und Celli das Finalsatz-Thema. Hoffnung, Lebendigkeit, Zweifel und das abgründig Menschliche reichen sich die Hand, bis einer der Sänger aufsteht, eine unvermittelte Generalpause die Musik jäh unterbricht, und inmitten der Stille die Worte erklingen «O Freunde, nicht diese Töne! Sondern lasst uns angenehmere anstimmen und freudenvollere». Was nun folgt, ist nicht nur der durch den Chor angestimmte Lobgesang auf die Ideale der französischen Revolution – Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit –, sondern war zur Zeit seiner Uraufführung selbst eine Revolution und nichts Geringeres als die Neuerfindung der Gattung der Instrumentalsinfonie.

Harmonie – wunderbar

Das Solistenquartett mit Stephanie Bühlmann (Sopran), Daphné Mosimann (Alt), Raimund Wiederkehr (Tenor) und Patrick Oetterli (Bariton) harmoniert wunderbar, wobei Patrick Oetterli mit seinem wohlklingenden und ausdrucksstarken Bariton ein klangvolles Fundament bildet und Stephanie Bühlmann mit einem strahlenden Sopran glänzt. Die Sinfonie strebt mit dem Zusammenspiel des gut artikulierenden und präzisen Chores, dem Orchester und den vier Solisten zu ihrem fulminanten Abschluss, nach dem die Zuhörerinnen und Zuhörer es nicht mehr auf den Sitzen aushalten und die hervorragende Leistung aller beteiligter Musiker – ob Profis oder Laien – mit einem lang anhaltenden Applaus und Ovationen im Stehen honorieren.

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