Dulliken
«Zukunftsprojekt» versus «Volk für dumm verkauft»

Zwei gegensätzliche Flugblätter zum Projekt «Rössler-Bodenacker 2» geben in Dulliken zu reden. Zur geplanten Überbauung findet eine Urnenabstimmung statt.

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Gemeindehaus Dulliken

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Der Abstimmungskampf rund ums Überbauungsprojekt «Rössler-Bodenacker» in Dulliken, zu welchem sich der Souverän am Sonntag, 25. November, an der Urne wird äussern müssen, ist in seine heisse Phase getreten. Vor kurzem hat sich ein Komitee «Zukunft Dulliken» gebildet, welchem ein Co-Präsidium mit Jesse Angst, Christoph Hagmann, Jürg Jutzi und Edy Lütolf vorsteht. Das Flugblatt ist von 31 Dullikerinnen und Dullikern unterzeichnet und setzt sich für ein Ja zu diesem Projekt ein. Man wolle damit neues Bauland und neue Steuerzahler gewinnen; den Jungen ermöglichen, im Dorf zu bauen; die Struktur zu verbessern; das einheimische Gewerbe stärken und eine bessere Steuersituation schaffen. Zudem seien im neuen Projekt alle Einwände der Projektgegner von 2009 berücksichtigt: Es gäbe keinen See und keine teuren Kunstbauten; es garantiere einen langsamen, strukturierten Baufortschritt; der Hochwasserschutz sei günstig und ökologisch wertvoll; die Strassen und Werkleitungen würden auf die übliche Weise finanziert; der Steuerzahler müsse keine Erschliessungskosten berappen, und das Hochwasser-Stauareal könne für Freizeitaktivitäten genutzt werden. Zudem stehe das neue Quartier für «attraktive und günstige Naherholung».

«Das Volk für dumm verkaufen»
Demgegenüber steht ein anderes Flugblatt, das am Donnerstag, dem «Niederämter Anzeiger» Nummer 45 beigelegt, in die Haushaltungen gelangte. In diesem meldete sich die Gegnerschaft des Projekts zu Wort. Der Gemeinderat Dulliken «verkauft das Volk für dumm», heisst es dort. Schon einmal, im November 2009, habe der Souverän an der Urne abstimmen können, und Gemeindepräsident Theophil Frey habe im Vorfeld versichert, dass der Volksentscheid akzeptiert werde; es gäbe «keinen Plan B». Einen Tag nach der Abstimmung habe der Rat die Weiterplanung beschlossen und Landschaftsarchitekt Daniel Schneider (Olten) einen neuen Planungsauftrag zugesprochen. Nun sei für den 25. November darüber abzustimmen, «für den Mülibach einen elf bis 16 Meter breiten Graben» vorzusehen; dies als Hochwasserschutz. Dabei habe Schneider an der Gemeindeversammlung vom 17. September dieses Jahres den Anwesenden selber erklärt, dass «der Bach eigentlich kein Bach, sondern ein Rinnsaal» sei. Die Gegner stellen entsprechend die Fragen: «Muss der Hochwasserschutz für ein Rinnsal zwingend gebaut werden?» Und: «Sollen 8000 bis 9000 m2 wertvolles Bau- und Kulturland für ein Rinnsal geopfert werden?». Einigen Dullikern stiess zudem der Umstand sauer auf, dass für die Urnenabstimmung eigentlich zwei Projekte (Überbauung und Hochwasserschutz) in eine Vorlage gepackt worden seien.

Drohbriefe erhalten
Alt Gemeinderat Hans-Rudolf Maurer hat nach eigener Aussage jenes Flugblatt beim «Niederämter Anzeiger» in Auftrag gegeben. Er verneint in seiner Stellungnahme dabei einen Zusammenhang mit dem Flugblatt von «Zukunft Dulliken». Er habe dieses Flugblatt unabhängig davon lanciert. Einige Dulliker seien nämlich im Vorfeld auf ihn zugekommen, hätten ihm erklärt, dass sie mit dem Vorgehen des Gemeinderates nicht einverstanden seien, und sie hätten ihn um Hilfe gebeten. Das Projekt enthalte zu viele Unstimmigkeiten wie eben beispielsweise «einen solch überdimensionierten Hochwasserschutz für ein solch kleines Bächlein». Rund 20 Personen stünden hinter der Flugblattaktion; er habe sie aber nicht unterschreiben lassen wollen, um ihre Person zu schützen. «Ich selbst habe nach meinem Einsatz für die Urnenabstimmung anonyme Drohbriefe erhalten und wollte meinen Mitstreitern dieses Los ersparen», so Maurer. Zudem hätten auch Leute unterschreiben wollen, die er persönlich gar nicht kenne, und damit wäre er nicht einverstanden gewesen. Er selber könne mit den Reaktionen auf sein Engagement leben, denn schliesslich habe er «keinerlei persönliche Interessen» im Zusammenhang mit diesem Projekt.