«Misst man mit gleichen Ellen, so ist der Asphaltbelag sofort zu entfernen und der natürliche Zustand wieder herzustellen.» Solches lässt sich aus einem anonymen Brief zitieren, welcher auf dem Schreibtisch der Redaktion dieser Zeitung gelandet ist. Die Forderung zielt auf einen Vergleich mit Oensingen ab.

Der Bürgerschaft dort müssten eigentlich die Augen übergehen vor so viel Gleichheitssinn. Zwar ist ihr Rechtsstreit noch nicht erledigt, aber derzeit ist die Bürgergemeinde verpflichtet, einen Teil der umstrittenen betonierten Zufahrtsstrasse auf den Roggen rückzubauen. Jetzt könnte sich ein ähnliches Szenario in Gunzgen abspielen.

Dort nämlich sollen Bürgergemeinde und Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins den rund 300 Meter langen Weg zum Waldhaus in der Allmend ohne Bewilligung geteert haben, wie in der anonymen Botschaft weiter zu lesen steht. Geschehen sei dies unter Mitwisserschaft von Regierungsrat und Baudirektor Roland Fürst, so die anonyme Botschaft weiter. Fürst selbst kommt aus Gunzgen.

Keine Bewilligung notwendig

Was ist da dran? Zumindest die Aussage, es sei keine Bewilligung dafür erfolgt, die stimmt. «Eine Bewilligung zur Asphaltierung dieses Weges?» Urs Marbet, Gunzgens Bürgergemeindepräsident und als solcher Vorsitzender der Eigentümerin des Weges, stutzt. «Das wäre mir neu, dass dafür eine Bewilligung notwendig wäre», sagt er leicht irritiert. Für Waldwege ja, das sei klar. «Aber die besagte Strasse ist kein Waldweg, sondern ein Feldweg», so Marbet weiter.

Das Ende des asphaltierten Weges werde durch eine Schranke angezeigt. Auf der anderen Seite der Schranke führe der Weg als Naturweg weiter. Marbet glaubt nicht, dass da etwas Unrechtes passiert ist. Aber natürlich wäre er sofort bereit, ein entsprechendes Gesuch nachzureichen, wenn sich dessen Notwendigkeit herausstellen sollte.

Eine Nachfrage beim kantonalen Bau- und Justizdepartement ergibt keine eindeutige Auskunft. Der Fall ist dort nicht bekannt. Man könne sich deshalb nicht konkret dazu äussern, so Ralph Kaiser vom Rechtsdienst. Aber er gibt bezüglich Bauherrschaft immerhin zu bedenken: «Einfach machen ist grundsätzlich keine so gute Idee.»

Denn das sei heikel. Innerhalb wie ausserhalb der Bauzone. Dezidiert aber distanziert sich der stellvertretende Leiter Rechtsdienst vom anonym geäusserten Vorhalt, die Asphaltierung sei unter der schützenden Hand von Regierungsrat Roland Fürst passiert. Der Vorhalt entbehre jeder Grundlage.

Die Angelegenheit und mit ihr die Aussage des Bürgerpräsidenten aber müssten kritisch hinterfragt werden, gibt Kaiser zu verstehen. Man wolle der Sache in näherer Zukunft doch nachgehen. Zeitlich näher festlegen will er sich aber nicht.