FC Olten

Zuerst den Karren aus dem Dreck ziehen – der neue Präsident hat Respekt vor der Aufgabe

Isidor Meyer ist der neue Präsident des FC Olten.

Isidor Meyer ist der neue Präsident des FC Olten.

An der gestrigen ausserordentlichen Generalversammlung konnte der FC Olten die wichtigsten Ämter im Vorstand neu besetzen. Der 30-jährige Oltner Isidor Meyer wurde einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt.

Bruno Misteli, Claudio Richard, Roger Grimm; dies die Namen der letzten drei Präsidenten des FC Olten. Von denen waren zwei an der ausserordentlichen Generalversammlung am Dienstagabend im FCO-Klubhaus anwesend.

Misteli leitete die GV als Tagespräsident. Richard, der das Präsidentenamt im Juli nach drei Jahren an Grimm übergeben hat, wird im Vorstand zukünftig als Finanzchef walten. Der im September nach lediglich zwei Monaten zurückgetretene Grimm erschien nicht, war aber bei den Diskussionen omnipräsent und wurde einstimmig aus dem Klub ausgeschlossen.

Platzmangel herrschte im Klubhaus. 51 Mitglieder und acht Gäste fanden den Weg aufs Kleinholz. Misteli zeigte sich erfreut, so viele Leute zu sehen: «In der aktuellen Situation ist das nicht selbstverständlich», startete er die Begrüssung, nachdem er mit einem Pfiff für Ruhe Klubhaus gesorgt hatte.

Das zweite Traktandum hätte das Protokoll der Juli-GV, an der Grimm zum Präsidenten gewählt wurde, betroffen. Das Protokoll war aber nicht vorhanden. «Es ging damals drunter und drüber. Zwei Leute sind dran, das Protokoll aufzuarbeiten», erklärte Misteli. Dieses soll an der nächsten GV aufliegen. Dagegen gab es keine Einwände.

Auflösung des Klubs verhindert

«Jetzt kommt der spannende Teil», fuhr Misteli fort. Die Wahl des neuen Vorstandes. Der schlimmste Job sei im Moment der des Finanzchefs. Wegen der «undurchsichtigen Situation». Der einzige mögliche Weg sei Transparenz, stellte Misteli klar: «Ich habe keine Lust mehr auf Verschleierungen.» Einige Leute hätten noch Geld zugute vom FC Olten. Auch deren Goodwill sei es zu verdanken, dass der Klub überhaupt noch existiere. «Wir müssen einfach noch mehr Geld generieren. Jedes Vereinsmitglied muss zwei Prozent mehr Verantwortung übernehmen.»

Was die Neuwahlen des Vorstands betraf, sah er zwei Möglichkeiten: «Entweder wir finden eine Lösung, sonst stelle ich den Antrag für die Auflösung des Klubs.» Die Verantwortung könne nicht ewig auf wenige Köpfe abgewälzt werden. Damit war die Diskussion eröffnet, doch vorerst herrschte grosses Schweigen. Der Ernst der Lage schien noch immer nicht bei allen angekommen zu sein.

Bei Isidor Meyer schon. Der 30-Jährige zeigte sich bereit, das Amt des Vizepräsidenten zu übernehmen. Er schickte allerdings sogleich hinterher, dass er noch nie im Vorstand war und daher keine Erfahrung besitze. Er brauche Unterstützung. Seinen ersten kräftigen Applaus hatte er sich damit bereits verdient.

Hitzige Diskussionen

Spontan war sein Auftritt nicht. Dies wurde spätestens dann offensichtlich, als er eine Liste mit möglichen Namen für den Vorstand zückte. Die Reaktionen der Angesprochenen waren vielfältig. «Unter diesen chaotischen Zuständen kann ich hier und jetzt nicht zusagen», war nur ein Votum. Andere zeigten sich offener. Sogar ein gänzlich unbekannter Gast bot seine Hilfe an, musste sich aber sogleich kritischen Fragen stellen. Zu präsent war der Fall Roger Grimm, den man blauäugig gewählt hatte. Die Hitze im FCO-Klubhaus stieg an. Nicht nur wegen der vielen Leute auf engem Raum, sondern auch weil die Diskussionen intensiver wurden. Es vielen weitere Namen von Kandidaten für die neue Klubleitung.

Nach einer kurzen Verschnaufpause gings in der zweiten Halbzeit der GV ans Eingemachte: Isidor Meyer wurde als neuer Präsident vorgeschlagen und einstimmig gewählt. Gleiches galt für den neuen Finanzchef Richard. Ebenfalls in den Vorstand gewählt wurden: Robin Spring (Junioren-Obmann), Fortis Sadikaj (Sportchef), Matthias Haller (Marketing, gemeinsam mit Miro Golob, Thomas Husi und Benedict Büttiker), Daniel Bur (Spielbetrieb). Zudem wurden neue Stellvertreter gewählt, damit die Last auf den Schultern der Einzelnen nicht zu gross wird.

«Diese GV ist ein Meilenstein für den FC Olten. Das hätte ich mir niemals erträumt», freute sich Bruno Misteli, als sämtliche wichtigen Ämter neu besetzt waren. Das letzte Traktandum beinhaltete das Budget. Doch dieses war nicht vorhanden. Vieles liege noch im Verborgenen, was die letzten drei Monate betrefft, so Misteli. Eine der ersten Aufgaben des neuen Vorstands wird es sein, bei den Finanzen reinen Tisch zu machen. An der nächsten Generalversammlung soll das Budget aufliegen.

Karren aus dem Dreck ziehen

«Ich habe Respekt vor der Aufgabe», sagte Isidor Meyer nach der Wahl. Ihm fehle im Moment noch der Überblick. «Zum Glück habe ich einige Leute mit viel Know-how um mich herum. Wir können aber sicher noch weitere Unterstützung gebrauchen.» In allen Bereichen. Denn der Verein soll dereinst so aufgestellt sein, dass die Arbeit im Vorstand neben dem eigentlichen Job zu bewältigen und kein Knochenjob ist. Zuerst müsse der Karren jetzt aber aus dem Dreck gezogen werden. Wieso er sich dies antut: «Ich spielte schon als Junior für den FC Olten und denke, dass es jetzt an der Zeit ist, dass meine Generation übernimmt.»

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