Landwirtschaft

Zu viel Wasser: Getreide ist nur noch für Tiere gut

Nicht für alle Bauer fiel die Ernte gleich gut aus. Vielen machte der Dauerregen zu schaffen.

Nicht für alle Bauer fiel die Ernte gleich gut aus. Vielen machte der Dauerregen zu schaffen.

Wegen dem Dauerregen ist bis zu 20 Prozent der Brotgetreide-Ernte der Region Olten-Gösgen-Gäu nur noch für die Tierfütterung gut. Unter den Bauern gibt es aber auch Glückspilze.

Es war absehbar, dass der Dauerregen auch für die Bauern der Region nicht folgenlos sein konnte. Besonders hart traf die Wetterlage einige Getreidebauern, die wahrscheinlich den Wetterberichten vertrauten und erst droschen, als es schon zu spät war. Das Korn wuchs aus und findet jetzt nur noch als Tierfutter Verwendung.

Der Getreidebauer Jörg Aregger aus Egerkingen weiss, wovon er spricht: «Die Hälfte des Weizenertrags musste ich als Futterweizen abgeben – zu einem rund ein Drittel tieferen Preis.» 36 Franken kosten 100 Kilogramm beziehungsweise eine Dezitonne des Tierfutters. Die gleiche Menge an qualitativ gutem Weizen kann er hingegen für 53 Franken verkaufen.

Einbussen vor allem bei Brotgetreide

Auch der Landwirt Walter Niggli aus Niederbuchsiten musste Einbussen verzeichnen. Satte 70 Prozent des Urdinkelertrags wurde zu Tierfutter deklassiert. «Es war einfach zu nass, um früher zu ernten», rechtfertigt sich Niggli. Dass dies bei vielen das Hauptproblem war, bestätigt Urs Braun, Leiter der Annahmestelle der Landi BippGäuThal AG. «Dieses Jahr war das Getreide nicht überall von bester Qualität. Vom Auswuchs waren Brot- und Futtergetreide betroffen, finanzielle Auswirkungen hat das vor allem beim Brotgetreide.» Trotz allem habe sich der Auswuchs «im Rahmen» gehalten: «Durchschnittlich waren es 15 bis 20 Prozent des Brotgetreides, die zu Futtergetreide deklassiert wurden», sagt er. Dafür sei aber die Raps-Ernte gut bis sehr gut gewesen, was die Situation etwas ausgleiche – für Bauern, die beides angepflanzt haben.

Nasser Sommer: Viel Most, wenig Mehl

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Glück hatten auch Bauern, die später gesät hatten und deshalb auch später ernten konnten. Wie Walter Niggli, der sich nach seiner Urdinkel-Einbusse immerhin mit einer guten Weizenernte trösten kann. Beklagen will er sich grundsätzlich nicht: «Unsere Region wurde im Vergleich zu anderen Gebieten wie dem Emmental verschont.» Dieser Aussage können glücklicherweise auch andere Landwirte der Region zustimmen.

Gute Saison für Glückspilze

Laut Felix Lang, Präsident von Bio Nordwestschweiz und Bio-Landwirt, wurde beispielsweise der geerntete Bio-Weizen des Buechehof in Lostorf von der Annahmestelle sogar als «ausgesprochen gut» bezeichnet. Auswuchs habe es in diesem Fall keinen gehabt. Dies, vermutet er, weil das Korn durch den natürlichen Dünger mehr Zeit benötigte, um zu reifen. Weiter würden im Bio-Betrieb widerstandsfähigere Weizensorten angepflanzt, die längere Schlechtwetter-Perioden gut überstehen.

Auch der Gemüsebauer Viktor Müller aus Niederbuchsiten kann erfreut berichten: «Ich hatte bei der Ernte praktisch keine Ausfälle.» Er habe die richtigen Böden zum richtigen Zeitpunkt bepflanzt. Klar habe er verstärkt Pflanzenschutz betreiben müssen, aber schliesslich habe er vom Wetter sogar profitieren können: «Ich musste die Felder wenig bewässern.» Ein weiterer Vorteil: Da viele Bauern in den Nachbarsregionen nur eine kleine Ernte verzeichnen konnten, war die Ware aus Niederbuchsiten auf dem Markt umso gefragter.

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