Olten
Zu Silvester 1938 machte ein Prozess zur Maul- und Klauenseuche Schlagzeilen

Eine Rückschau auf die letzte Ausgabe des Oltner Tagblatts des Jahres 1938 zeigt: Auch vor 75 Jahren war die Welt nicht nur in Ordnung. So machte ein Prozess zur Maul- und Klauenseuche Schlagzeilen.

Urs Huber
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Massnahmen gegen die Verbreitung der Maul- und Klauenseuche wurden hochgehalten. Wer dagegen verstiess, wurde vor den Richter gezerrt. Foto: ZVG

Massnahmen gegen die Verbreitung der Maul- und Klauenseuche wurden hochgehalten. Wer dagegen verstiess, wurde vor den Richter gezerrt. Foto: ZVG

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«Mögen sich über die Neujahrstage recht viele auf die nahe gelegenen, schönen Jurahügel begeben.» So endet der Hinweis auf Wintersportmöglichkeiten auf der Frohburg, welcher am 31. Dezember 1938 im Oltner Tagblatt erschien. Davon kann derzeit keine Rede sein, aber offenbar zeigte sich der Jahreswechsel vor 75 Jahren von seiner winterlichsten Seite; das Frohburggebiet eigne sich jetzt vorzüglich für den Skisport und «für Spaziergänger führen gepfadete Wege auf die Höhen, die auch als Schlittelwege bekannt sind», so der Hinweis weiter.

Das Kurhaus Frohburg empfiehlt sich Spörtlern (sic!) und Spaziergängern zum Jahreswechsel für Mahlzeiten und Zwischenverpflegungen und wirbt gar mit Übernachtungsmöglichkeiten in für jene Zeiten doch überraschend anglophiler Art und Weise: Die Rede ist da nämlich von Weekend-Arrangements.

Vor dem Amtsgericht

Weniger der Musse dienlich waren die Gerichtsfälle, bei denen sich mehrere Landwirte aus Olten-Gösgen zu verantworten hatten. Die Männer hatten gegen das Bundesgesetz zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche verstossen, indem sie gegen das vom kantonalen Landwirtschaftsdepartement verhängte Verbot des Eingrasens (Frischgrasverfütterung) verstiessen.

Die Bauern wurden allesamt zu Geldbussen zwischen 30 und 50 Franken verurteilt. Die höchste Geldstrafe traf im Übrigen jenen Bauern, der die Polizei bei ihrem Versuch, ihn an die bestehenden Vorschriften zu erinnern, auslachte und in seinem Tun einfach fortfuhr. Das Gericht wertete diese Praxis als «böswillige Verbotsübertretung» und damit strafverschärfend. Für 50 Franken bekam man zu jener Zeit auf dem Oltner Wochenmarkt gut 12 kg geräucherte Rippli.

Eishockey en vogue

Eishockey in Olten ist in aller Leute Mund. Auch vor 75 Jahren war das offenbar nicht anders: Dem «kleinsten Knirps wie dem schittrigen Grossätti sind die Namen der Grössen dieses Sports vertraut.» So wirbt die Affiche zu einem Eishockeyspiel im Kleinholz zwischen dem Eisclub Olten und dem Zürcher Schlittschuhclub. Die Oltner hätten Abend für Abend eifrig trainiert und seien ausgezeichnet in Form, sodass der Gast aus Zürich sich mächtig ins Zeug legen müsse, wenn «er Tore buchen will», wie der Autor schreibt. Die Pausen zwischen den Dritteln wurden durch Schaulaufen gefüllt und das Eintrittsbillett berechtigte seinerzeit noch zum Eislaufen nach der Veranstaltung.

Auch das Stadttheater machte in der letzten OT-Ausgabe des Jahres 1938 von sich reden. Ein «einzigartiges Theatererlebnis» stand bevor. Konkret bezog sich der Schreibende auf eine Aufführung des Stadttheaters Bern sowie des dortigen Stadtorchesters, welche in Olten Richard Strauss’ populärstes Meisterwerk «Der Rosenkavalier» zur Aufführung bringen sollten. Die Aufführung stelle an das Theater die höchsten Anforderungen, welche je mit einer Produktion verknüpft worden seien, so der Schreibende. Die Aufführung wurde als grösstes Ereignis der Spielzeit 38/39 bezeichnet und ein Massenbesuch wurde vorausgesagt.