Olten

Zivildienstler räumt für Sehbehinderte Stolpersteine aus dem Weg

Joel Grolimund bei den Dreharbeiten am Zürichsee im vergangenen Oktober.

Joel Grolimund bei den Dreharbeiten am Zürichsee im vergangenen Oktober.

Der Oltner Joel Grolimund begeht als Zivi schweizweit Wege und durfte sein Projekt neulich auf SRF 1 vorstellen.

3. Januar, kurz vor halb 11 Uhr abends. «Und jetzt zur Verwendung der Erträge des Lotteriefonds», sagt eine süssliche Frauenstimme auf SRF 1. Wenige Sekunden später blickt ein junger Mann mit warmem Gesichtsausdruck in die Kamera und stellt sich vor: «Ich bin Joel Grolimund von Mobility International Schweiz.»

Im hellblau-braunen Zivildienstjäckchen erklärt er, was er seit letztem Sommer im Namen des Vereins tut: Der Oltner macht hindernisfreie Wege für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich (siehe Kasten).

Mit GPS-Gerät ausgerüstet nahm Joel Grolimund in den vergangenen Monaten viele Kilometer unter die Füsse und erfasste mögliche Stolpersteine für sehbehinderte Personen. Orientierungspunkte nennt der gelernte Polygraf jene Orte, die markieren. «Das können Robidog-Eimer, Restaurants oder Bänklein sein», erklärt der 21-Jährige.

Die Wanderlust für sich entdeckt

Am Dienstagmorgen Ende Januar hat der Nebel das Oltner Städtchen fest im Griff. Joel Grolimund weilt mit seinen zwei Arbeitskollegen draussen am Rötzmattweg und gönnt sich eine Tasse Kaffee. Die Wintermonate nutzt er am Bürostandort in Olten, um die im Gelände erfassten Daten aufzubereiten. Auch die Büroarbeit muss sein. Im Frühling wird Joel Grolimund wieder die kleine Schweiz bereisen und die verbleibenden Wanderwege abgehen. Ungefähr zehn Pfade muss er noch erkunden, ehe die insgesamt 67 hindernisfreien Wege erfasst und überprüft sind. «Zuvor wanderte ich nicht viel, jetzt bin ich oft in der Natur unterwegs und habe ein Hobby entdeckt», sagt er im nüchtern eingerichteten Büro. Tags zuvor war der junge Oltner noch in Döttingen und wanderte dem Klingnauer Stausee entlang.

Die Anfrage für einen Videodreh von Swisslos kam im vergangenen Oktober, als Joel Grolimund noch relativ unerfahren war. Doch weil Geschäftsführer Marcus Rocca unerwartet ausfiel, war der «Zivi» am Drehtag plötzlich der Protagonist und musste das Projekt vor der Kameralinse vorstellen. Doch Joel Grolimund fand sich in dieser Rolle offensichtlich gut zurecht. «Zur Mittagszeit war das Filmmaterial bereits im Kasten», erzählt er.

Zivi statt Informatikpionier

Eigentlich hätte der junge Oltner bei der Schweizer Armee zum Informatikpionier ausgebildet werden sollen. Doch einen Monat vor Beginn der Rekrutenschule überlegte es sich Joel Grolimund anders. Er setzte mit einem Mausklick im Internet ein Häkchen und bestätigte somit, dass er sich sicher sei, Zivil- und nicht Militärdienst leisten zu wollen. Vielleicht auch, weil er stark in Olten verankert ist: Bald schon geht er mit der Höckeler-Zunft auf die Oltner Gassen und begleitet mit seiner Gitarre die Oltner Schnitzelbänke. 2016 gründete er ausserdem mit Kollegen den Unihockeyclub Olten.

So begab sich Joel Grolimund vor einem Jahr online auf die Suche nach einer Zivildienststelle in der Nähe von Olten. Er bewarb sich bei Mobility International Schweiz und hatte Glück. Grolimund erhielt die Stelle und verlängerte seinen Einsatz im Frühwinter vorzeitig bis zum nächsten Sommer. Seine Reise auf den Schweizer Wanderwegen geht weiter.

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