Das Kunstmuseum Olten widmet seine momentane Ausstellung vier Schweizer Kunstschaffenden, die sich seit Jahren mit den Möglichkeiten und Grenzen der Zeichnung auseinandersetzen. Obwohl sie aus drei Generationen stammen, ist allen die Frage gemeinsam, wie sich das Zeichenhafte in der zeitgenössischen Kunst anwenden lässt.

In der Zeichnung treten zwei Anliegen der bildenden Kunst sehr hervor: die Aneignung der Wirklichkeit und das Erschaffen von eigenen Welten. Das besondere Interesse der Künstler gilt dabei den Beziehungen zwischen der Zeichnung und dem Raum, der sie umgibt. Ebenso den Wechselwirkungen von Linie und Dreidimensionalität – ob als Modell, Entwurf oder fiktive Raumkonzeption. 

Sandra Boeschenstein (geb. 1967, lebt und arbeitet in Zürich) spürt in ihren Zeichnungen und Installationen der Wahrnehmung und des Denkens nach. Sie lässt sich von alltäglichen Erfahrungen zu überraschenden Gedanken und Bildern anregen. Charakteristisch ist bei ihr die präzise Darstellung vertrauter Dinge, die in Kombination mit Schrift und Objekten ihre Selbstverständlichkeit zu verlieren scheinen und Gegenstand philosophischer Betrachtungen werden. Dabei lotet sie die Übergänge zwischen kognitiven, physischen und psychischen Bereichen aus und macht Brüche in kulturell definierten Ordnungssystemen deutlich.

Begehbare Kunstwerke

Tobias Nussbaumer (geb. 1987, lebt und arbeitet in Basel) integriert grossformatige, akribisch ausgeführte Zeichnungen in räumliche Installationen. So realisiert er begehbare Kunstwerke, in denen die Grenzen zwischen Imagination und Realität unscharf werden. Es entsteht eine Welt ganz ineinander verschachtelter Systeme, die durch immer wieder andere Blickwinkel und Perspektiven erlebt werden kann.

Im Unterschied zu vergangenen Präsentationen, mit denen der Künstler zeichnerisch auf die jeweiligen Ausstellungsräume reagierte, dreht er nun den Spiess im Kunstmuseum Olten um und überführt eine Zeichnung in die physische Präsenz des Ausstellungsraums.

Katharina Anna Wieser (geb. 1980, lebt und arbeitet in Basel) war bisher vor allem durch ihre raumfüllenden, mathematisch-geometrischen Installationen bekannt. Damit zitiert sie die reduzierte Formensprache, die konstruktive Kunst des vergangenen Jahrhunderts. Im Kunstmuseum Olten zeigt sie nun aber filigrane, von der Decke hängende Mobiles, welche die zeichnerischen Elemente Punkt und Linie in den Raum überführen und das fragile Verhältnis zwischen Bewegung und Balance thematisieren.

Die Grand-Dame Elsie Wyss

Die gebürtige Grenchnerin Elsie Wyss (geb. 1927, lebt und arbeitet seit 1951 in Zürich) setzt sich in ihrem auf rhythmische Präzision ausgerichteten Werk immer wieder mit den Möglichkeiten elementarer Formen auseinander. Sie findet bei aller formalen Reduktion, den konstruktivistischen Bezügen und den mathematischen Regeln doch immer wieder die Nähe zum Gegenständlichen.

Ob in ihrer Malerei, in ihren Zeichnungen oder in ihrem seit den 1980er-Jahren nur mehr räumlichen Schaffen, konzentriert sie sich darauf, mit einfachsten Mitteln eine grösstmögliche Ausdehnung zu erzielen. So gestaltet sie seit Jahren zart und zerbrechlich wirkende kleine Skulpturen auf Sockeln, allesamt Modelle für raumfüllende Werke im öffentlichen Raum. (mgt/frb)