Stadtratwahlen Olten

Zehn Kandidaten - und nur fünf kommen in den Stadtrat

Acht Politvertraute und zwei Quereinsteiger bewerben sich um die fünf Sitze in der Exekutive von Olten. Doch noch dauert es drei Monate bis zur ersten Runde der Stadtratswahlen.

Acht Politikgewandte und zwei Quereinsteiger bewerben sich am 3. März 2013 um die fünf Mandate, die für die städtische Exekutive zu vergeben sind. Vier bisherige (Peter Schafer, 12 Jahre; Mario Clematide, 4 Jahre; Martin Wey, 12 Jahre, und Iris Schelbert, 4 Jahre) wollen für eine weitere Amtszeit in die Hosen steigen. Sechs Neobewerbende sind mit von der Partie, deren zwei als politisch unbeschriebene, aber keineswegs chancenlose Blätter. Mit der Kandidatur Benvenuto Savoldellis ist der FDP gar ein eigentlicher Überraschungscoup gelungen. «Think the Unthinkable».

Wie recht FDP-Fraktionschef Urs Knapp mit seinem geflügelten Wort doch hat. Savoldelli, den Juristen und Verwaltungsratspräsidenten der EHC Olten AG, hatten selbst jene nicht auf der Rechnung, welche im städtischen Politpoker den Royal Flush im Gewohnheitsrecht führen. Savoldelli steht an der Spitze eines momentan erfolgreichen Eishockeyvereins und gilt als eigentlicher Macher. Bloss schon dies Attribut macht ihn für all jene Wählerinnen und Wähler interessant, welche sich im Stadthaus mehr Dynamik und Unternehmergeist wünschen und besagten Ort als «Fuulhorn» bezeichnen.

Weit weniger Renommee weist der parteilose Hugo Ruf auf, der sich aber ambitioniert gibt. Erst seit ein paar Wochen in Olten wohnhaft, strebt er unverhohlen das Stadtpräsidium an. Lediglich als Stadtrat sieht sich der 60-Jährige nicht. Ruf kandidiert gleichzeitig als Regierungsrat und würde - im Fall der Fälle - Letzteres bevorzugen. Ein Aussenseiter, der es sich leistet, mit offenen Karten zu spielen.

Kandidaturen aus Gemeinderat

Mit Thomas Marbet, Yabgu Ramazan Balkaç (beide SP), Daniel Probst (FDP) und Doris Känzig (SVP) bewerben sich vier Exekutivneulinge für den Stadtrat. Allesamt sind sie Mitglieder im Gemeindeparlament, wobei lediglich Probst und Marbet vor vier Jahren auch direkt ins städtische Parlament gewählt wurden. Balkaç und Känzig sind später Berufene. Er nahm 2010 als Nachfolger von Lea von Wartburg, sie 2011 als Nachfolgerin von Domenico Maiolo Einsitz im Parlament. Ihren grössten politischen Erfolg verbuchte Doris Känzig mit der Verhinderung der Fusion «Olten plus». Als Mitglied des Co-Präsidiums hatte sie sich entschieden - aber ohne polemisierende Hektik - gegen eine Fusion ausgesprochen. Balkaç seinerseits engagiert sich im Bildungs- und Integrationswesen, etwa als Präsident der interkulturellen Bibliothek Olten.

Daniel Probst gehört zusammen mit Thomas Marbet zur Politszene der Arrivierten. Seit 15 Jahren ist der Freisinnige Parlamentsmitglied. Da bleibt Stallgeruch unvermeidlich haften. Probsts Kanten gelten als gerundet. Er wirkte unter anderem als Sekretär und Präsident der städtischen FDP und erlebte als Fusionsgegner mit Sicherheit einen seiner grössten Triumphe. Unter seiner Ägide erstarkte die FDP-Fraktion, wurde sitzmässig 2009 zusammen mit der SP stärkste Fraktion. Marbet wird seit seinem Amtsantritt (2007) als eher stiller und moderater Volksvertreter wahrgenommen. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er bekannt, als er mit seinem Postulat den Stadtrat aufforderte, den allfälligen Kauf der Liegenschaft Kapo-Posten an der Jurastrasse zu prüfen und sich eine sinnvolle Nutzung zu überlegen.

Die Bisherigen

«Den Bisherigen gehört die Welt.» Nicht nur in Olten gilt dieser Grundsatz. Die drei bisherigen Amtsträger und die Amtsträgerin sind unbestritten, auch wenn zumindest zwei von ihnen der Makel in Sachen Olten SüdWest anhaftet: Wey und Schafer nämlich. Zwar ists um Olten SüdWest eher ruhig geworden, aber in der öffentlichen Diskussion sind die damaligen Geschehnisse stets virulent. Allerdings scheint sehr unwahrscheinlich, dass der Souverän die gelbe oder gar rote Karte zückt; das hat er bereits vor vier Jahren gemacht, Stadtpräsident Ernst Zingg (FDP) aber dennoch zum absoluten Mehr verholfen, wenn auch mit einem unüblichen Minimum an Stimmen. Es würde verwundern, verpasste der eine oder die andere aus dem Quartett die Wiederwahl; Gründe einer Abwahl liegen nicht vor.

Es sei denn, der Souverän goutiert Clematides erneute wilde Kandidatur nicht mehr. Schafer gilt sowieso als das «rote Paradepferd», dem die bürgerlichen Attacken im Gemeinderat, die mehr unternehmerischen Geist in der Sozialdirektion fordern, wenig anhaben können. Und die Grüne Iris Schelbert hat sich als Direktorin für öffentliche Sicherheit bislang erfolgreich gegen jede Art der politisch institutionell motivierten gesellschaftlichen Ausgrenzung von Randständigen gewehrt.

«Wey» die andere?

Martin Wey hat als Einziger aus dem Quartett auch seine Ambitionen aufs Stadtpräsidium angemeldet und erst kürzlich eine eigene Homepage aufgeschaltet, auf welcher er sich weder als Hardliner noch als Harmoniebedürftiger qualifiziert. Dass die «andere öppe au wey (wollen)» blieb bisher unter Verschluss. Vordringlich interessiert sowieso, wer sich neu zum unbestrittenen Quartett gesellt. Die besten Chancen hat wohl, wenn vielleicht auch erst im zweiten Wahlgang, Benvenuto Savoldelli, der dem national bedeutendsten Sportklub der Stadt vorsteht.

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