Gestern fand sich wieder einmal eine Delegation des Solothurner Verwaltungsgerichts im Wohnquartier Hinterer Steinacker in Olten ein – allerdings nicht um das Golddacherl zu begutachten (siehe Kasten unten) sondern um einen Augenschein auf dem Ostportal des Hausmatttunnels zu nehmen. Dort ist ein Mehrfamilienhaus mit Flachdach geplant.

Das moderne Gebäude ist der Flucht des Hausmatttunnels angepasst und weist deshalb im Vergleich zu den umliegenden Häusern und Strassen im Quartier eine Schieflage um sieben Grad auf.

Die Baukommission der Stadt Olten hatte das Baugesuch des Bauherrn abgelehnt. Einerseits passe das geplante Bauwerk mit seiner Schräglage nicht in das konsequent orthogonal angelegte Quartier. Andererseits sei die Massstäblichkeit des Gebäudes infrage gestellt, fasste Adrian Balz, Leiter der städtischen Bauverwaltung, in Vertretung der Baukommission beim verwaltungsgerichtlichen Augenschein die Argumente der Baukommission kurz zusammen. «Das geplante Gebäude ist viel breiter als die umliegenden Häuser.» Damit ortete die Oltner Baukommission einen Verstoss gegen das Eingliederungsgebot.

Zu schräg und wohl auch zu tief

Gegen den Entscheid der Baukommission legte der Architekt des geplanten Bauwerks Beschwerde ein. Weil der Kanton Solothurn Grundeigentümer der betroffenen Parzelle ist, wird die Beschwerde in zweiter Instanz nicht vom kantonalen Bau- und Justizdepartement behandelt, sondern direkt von der dritten Instanz, dem Verwaltungsgericht des Kantons Solothurn, das am Mittwoch in der Person von Präsident Beat Stöckli und Gerichtsschreiber Thomas Schaad beim Augenschein aufkreuzte.

Sie wollten vor Ort die Meinungen zweier Experten zum geplanten Bauwerk hören. So stützte Architekt Benedikt Graf in seiner Beurteilung die Argumentation der Oltner Baukommission. Er befand, dass das Gebäude mit seiner Schieflage um sieben Grad nicht in das Quartier, das eine klare Struktur aufweise, passe. «Zudem ist die Tiefe des Gebäudes an der Grenze. Das geplante Bauwerk ist fast doppelt so tief wie die bestehenden Häuser.»

Von Ingenieur Heinz Katzenstein war zudem die Beurteilung der Statik gefragt. Denn der Architekt machte in seiner Beschwerde geltend, dass die Statik die Schieflage des Baus vorgebe. Das Gebäude müsse auf den Aussenwänden des Tunnels zu stehen kommen. Ingenieur Katzenstein wandte jedoch ein: «Von der Statik her gibt es auch Möglichkeiten, um die Schieflage zu umgehen. Man kann etwa mit Abfangplatten arbeiten.» Allerdings werde der Bau durch derartige Methoden erheblich teurer und komplizierter. «Architektonisch dürfte dies massive Einschränkungen zur Folge haben.»

Der Grundeigentümer, der Kanton Solothurn, allerdings hält an der ursprünglichen Positionierung fest. «Diese Schieflage um sieben Grad ist eine Vorgabe von uns. Denn wir wollen, dass das Gebäude auf den Aussenwänden des Tunnels gebaut wird, um im Fall einer notwendigen Sanierung einen bestmöglichen Zugang zum Hausmatttunnel zu erhalten», so Helmut Allemann vom kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau. Und er verdeutlichte gegen Ende des Augenscheins: «Entspricht der Bau nicht dem Tunnel, entsteht hier nichts.»

Baukommission will keine Lücke

Dass auf dem Ostportal des Hausmatttunnels nun doch nichts gebaut werden soll, liegt nicht im Interesse der Oltner Baukommission, wie deren Mitglied Thomas Frey zum Schluss des Augenscheins klar machte. «Wir erachten es als wichtig, dass die Baulücke im Quartier gefüllt wird.» Und Balz monierte: «Für uns ist es einfach ärgerlich, dass die Brücke zum Tunnel zwar in einem Wettbewerb ausgeschrieben, der Bau auf dem Portal jedoch nicht darin integriert wurde.»