Olten

«Zahlen sind nicht krass falsch»: Stadträtin wehrt sich gegen Vorwürfe

Iris Schelbert

Iris Schelbert

Stadträtin Iris Schelbert setzt sich gegen Vorhalte aus den Reihen der FDP zur Wehr.

Es gibt Äusserungen im Politbetrieb, die müssen ins andere Licht gerückt werden. Und deshalb sagt die grüne Stadträtin Iris Schelbert ganz unbeirrt: «Die Zahlen sind nicht krass falsch.» Worauf sie damit abzielt? Sie kontert so den Vorhalt von Parlamentsmitglied Urs Knapp (FDP), welcher im Zeichen der Debatte zum Geschäft Neubau Schulanlage Kleinholz beziehungsweise der Genehmigung der Planungsvorgaben in dieser Zeitung erklärte, jetzt zeige sich, «dass die im Januar 2018 präsentierten Zahlen der Direktion Bildung und Sport, welche die Grundlage für den Standortentscheid bilden, krass falsch waren.»

Andere Voraussetzungen

Sie waren in der Lesart Schelberts nicht falsch, sondern entstanden unter Voraussetzungen, die im Januar vom Stadtrat eben noch ganz anders definiert waren, als sie es heute sind. «Genau so war das», sagt die Stadträtin und macht keine Sekunde einen Hehl daraus, dass die Sichtweise im Stadtrat damals von einem mächtigen finanziellen Druck geleitet war.

Die aufgesetzte Sparbrille liess nur noch den schieren Tunnelblick zu und führte zur Handlungsmaxime, möglichst wenig Geld für ein neues Schulhaus «in die Hand nehmen zu müssen», wie die Stadträtin Direktion Bildung und Sport sagt. «Zudem standen wir auch unter Zeitdruck, denn das Schulhaus im Kleinholz sollte zeitnah realisiert werden; die Kinder sind da.» Und so erachtete man ein Bauprojekt der Kanti Wohlen, welches im Jahr 2009 mit Kosten von gut 11 Mio. Franken abgeschlossen wurde, als Bezugsgrösse für eine Baute im Kleinholz.

Mit maximal 15 Mio. Franken glaubte man durchzukommen. Ob das nicht zumindest blauäugig war? Iris Schelbert verneint: «Nein, der Stadtrat war, wie schon gesagt, vom Spardruck getrieben.» Erst als mit Kurt Schneider, dem neuen Leiter Direktion Bau, die Lage besprochen und die Situation erörtert wurde, fiel die fachmännische Bemerkung: «Was in Wohlen gemacht wurde, ist eine Baute mit einer sehr beschränkten Lebensdauer.» Und Schneider empfahl, doch eher auf nachhaltige Bauweise zu setzen, die, bildlich gesprochen, für ein paar Jahrzehnte hinhält und nach einer Renovation noch einmal ein paar Jahrzehnte.

«Damit hatten sich die Voraussetzungen verändert», bilanziert Iris Schelbert. Mittlerweile stehen die Kosten für den Schulhausneubau im Kleinholz bei 19 Mio. Franken; Toleranzbereich +/– 25 Prozent. Damit liege man, bei Lichte betrachtet, durchaus noch im Bereich der einst veranschlagten 15 Mio. Franken, sagt die städtische Bildungsdirektorin.

Hübeli: nicht mehr zeitgemäss

Gegen Absichten, das Hübelischulhaus wieder in die Schulraumplanung einzubeziehen, wehrt sich die Bildungsdirektorin dezidiert. «Die Infrastruktur des Hauses ist in jeder Hinsicht nicht mehr zeitgemäss. Diese auf die Anforderungen der Zeit hochzurüsten, würde ebenfalls finanzielle Mittel binden.» Den Befürchtungen, der viel zitierte Hübeligeist, das besondere Cachet, würde dadurch allenfalls verloren gehen, hält Iris Schelbert entgegen: «Es sind doch die Lehrkräfte, die den Geist verkörpern. Und diese Lehrkräfte ziehen alle ins Kleinholz. Und das nicht contre cœur.»

Was in der öffentlichen Debatte um den Schulhausneubau ebenfalls auf ein breites Echo stiess: die Dreifachturnhalle. Kostenpunkt: rund 10 Mio. Franken. Auch diese Investition erachtet Schelbert als zwingend notwendig. Die Stadthalle mit ihren häufigen externen Belegungen würde den schulischen Turnbetrieb doch massiv beeinträchtigen. «Die Stadt braucht eine Stadthalle», sagt sie. Und im gleichen Atemzug: «Und sie braucht eine Dreifachturnhalle.» Denn schon heute herrsche ein regelrechtes Nomadentum im schulischen Turnunterricht. Jedenfalls auf der linken Aareseite. Ein zeitaufwendiges Verschieben von Schülern, dem die Lehrkräfte mit sogenannten Doppellektionen begegneten, um die Zeitverluste einigermassen zu kompensieren.

Betriebsblind

Was Urs Knapp ebenfalls sauer aufstiess: In seiner Botschaft ans Parlament war der Stadtrat mit keinem Wort auf die neuen Zahlen eingegangen, hatte auch nicht erklärt, unter welchen Voraussetzungen diese zustande gekommen waren. Versuch einer Vertuschung, einer Kaschierung vonseiten des Stadtrats? «Bestimmt nicht. Ich glaube, wir waren einfach etwas betriebsblind in dieser Frage», gesteht Iris Schelbert. Die zunehmende Konkretisierung der Kosten sei in der Direktion als selbstverständlich erachtet worden. Sie stemmt sich damit gegen den Vorhalt Knapps, das Geschäft Schulhausneubau sei unsauber vorbereitet. «Wir haben das Parlament immer auf dem Laufenden gehalten, halt immer unter den Vorzeichen des gegenwärtigen Kenntnis-, Entwicklungs- und Planungsstandes des Projekts. Und das werden wir auch weiterhin tun.»

Meistgesehen

Artboard 1