Freibad Olten
«Würden die Gäste gründlich duschen, könnten wir die Chemie reduzieren»

Der Mensch ist gemäss Badi-Betriebsleiter Thomas Müller die Hauptverschmutzungsquelle im Schwimmbad. Die zur Reinigung eingesetzte Chemie vernichte die Bakterien, sei für Badegäste aber ungefährlich.

Karin Schmid
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Chemie im Oltner Schwimmbad: Für Menschen zu gering, für Krankheiten zu hoch
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Stimmen die Werte? Der Betriebsleiter macht den Test.
Thomas Müller im Herzstück der Technikanlage mit Feinfilter (links), Pumpen sowie Vor-/Rückleitungswasserrohren
Chemie-Messung: Chlorwert okay
Sichtbare Partikel in der Anschwellfilteranlage (oben)

Chemie im Oltner Schwimmbad: Für Menschen zu gering, für Krankheiten zu hoch

Bruno Kissling

Der Sommer liess heuer eine Weile auf sich warten, doch seit einigen Wochen dreht er voll auf: Strahlender Sonnenschein, 30 bis 37 Grad im Schatten, nur unterbrochen durch mehr oder weniger kurze Regenschauer an einzelnen Tagen. Wo hätte es sich besser aufhalten lassen als im Wasser? Zum Beispiel in den 1950 Kubikmetern, die das Schwimmerbecken im Freibad Olten füllen oder in den 910 Kubikmetern in den Nichtschwimmerbecken. Doch wo nimmt die Badi ihr Wasser her? Und: Wieviel Chemie befindet sich in den Becken?

Die Badi Olten bedient sich aus dem Tiefbrunnen hinter dem Technikareal am Grundwasser und von der Trinkwasserleitung der Stadt Olten. Bevor dieses in die Schwimmbecken gelangt, wird es aufbereitet. Zuerst werden 420 000 Liter pro Stunde, durch den geschlossenen Anschwemmfilter gepresst und laufend gereinigt.

Bevor das Wasser ins Schwimm- und Planschbecken gelangt, wird es mit Calciumhypochlorit, also an Calcium gebundenes Chlor, versetzt und damit desinfiziert. Zudem stellt man mit Schwefelsäure den pH-Wert (Potentia Hydrogenii = Kraft des Wasserstoffs) ein. Der richtige ph-Wert ist für die optimale Keimtötungsgeschwindigkeit mitverantwortlich und von daher sehr wichtig. So gelangt es in die Badebecken.

Dieser Kreislauf wiederholt sich laut Thomas Müller mehrmals pro Tag. «Mit unserem System wird das Wasser in den Schwimmerbecken der Badi Olten vier Mal pro Tag aufbereitet. Die 910 000 Liter Wasser der Nichtschwimmerbecken fliessen schon in 90 Minuten einmal durch den Filter. Auch hier wird das zu reinigende Wasser über die Hauptlastpumpe durch die Druckfilteranlage aus den Ausgleichsbecken der Nichtschwimmerbecken angezogen und in den Filter gedrückt. Dort wird es mittels Kieselgur und Aktivkohle gereinigt, anschliessend mit Chlor desinfiziert, mit Schwefelsäure zur pH-Werteinstellung versetzt und wieder frisch aufbereitet in die Badebecken gepumpt.

Der Chlorwert in den Becken der Oltner Badi beläuft sich stets um 0.4 Milligramm pro Liter; erlaubt ist laut SIA ein Toleranzwert zwischen 0.2 und 0.8 Milligramm pro Liter. Dafür werden pro Saison 3.5 bis 4.5 Tonnen Chlorbriketts benötigt. «Die Menge der eingesetzten Chemie ist so gering, dass sie für Menschen ungefährlich ist, aber so hoch, dass sich keiner im Wasser eine Erkrankung holen kann», hält Müller fest.

Der Wasserkreislauf sei nicht so kompliziert, meint Müller. Die Hinzugaben hingegen seien schwieriger. «Die vorgeschriebenen Werte müssen schliesslich bei jeder Witterung und jeder Besucherzahl eingehalten werden. Ansonsten ist es wie beim Menschen: Wenn das Herz funktioniert, ist alles gut. Doch wenn der Filter verdreckt ist, muss er gereinigt werden.» Wie oft dies geschieht, komme «auf das Wetter, den Wind und die Badegäste an». Zurzeit sind täglich 2500 bis 3500 Personen in der Oltner Badi zu Gast. «Momentan reinigen wir den Filter einmal pro Tag. Bei schlechtem Wetter machen wir das entsprechend weniger.»

Die Lebensmittelkontrolle teste die Badi Olten mindestens ein Mal pro Saison, sagt Müller. «Darüber hinaus führen wir zwei Mal pro Saison mikrobiologische und chemisch-physikalische Untersuchungen durch.» Hier sucht ein externes Institut nach Bakterien, vor allem Kolibakterien. Eine von zwei weiteren nicht vorgeschriebenen, aber ausgeführten Tests ist die Prüfung auf Legionellen. Einige dieser im Wasser lebenden Bakterienarten sind laut Müller extrem gesundheitsgefährlich.

Als Vorsichtsmassnahme führt das Badi-Team regelmässige thermische Desinfektionen der Duschen durch. Die Duschwasserleitungen werden hierzu auf über 70 Grad erhitzt. Die andere Untersuchung beschäftigt sich mit der Menge der Trihalogenmethanen (THM). Diese organischen Verbindungen bilden sich als Nebenprodukt der Desinfektion von Trinkwasser oder der Wasseraufbereitung im Schwimmbad mit chlorhaltigem Desinfektionsmittel.

«Der Mensch ist die Hauptverschmutzungsquelle im Schwimmbad», hält Thomas Müller fest. «Leider kann der Mensch aber nicht ohne Bakterien leben. Wenn sich die Gäste gründlichst duschen würden, bevor sie sich ins Becken begeben, könnten wir den Einsatz von Chemie reduzieren und das Wasser wäre natürlicher.» Dies ist einer von zwei grossen Wünschen des Betriebsleiters.

Der zweite betrifft die Liegewiese: «Abends sieht sie aus wie eine Müllhalde. Das Schwimmbad gehört ja allen. Es wäre toll, wenn die Badegäste – egal in welchem Alter – den Platz sauber verlassen würden. Wir hätten dadurch weniger Aufwand und dies könnte einen Einfluss auf die Eintrittspreise haben.»

Das ganze Badi-Team leiste einen grossen Aufwand, um in der Badi Olten für Sauberkeit zu sorgen, windet Thomas Müller «seinen» drei Bademeistern, vier Kassenmitarbeitenden, vier Reinigungskräften und «einer grossen Anzahl von Aufsichtskräften ein dickes Kränzchen. Denn: «Sauberkeit hat auch mit Sicherheit zu tun».