Fotografie

Wundermittel für mehr Wander-Spass: Der Werdegang einer jungen Fotografin aus Olten

Fotografin Anna-Lena Holm mit dem von ihr bebilderten Kochbuch «Wildkräuterküche».

Fotografin Anna-Lena Holm mit dem von ihr bebilderten Kochbuch «Wildkräuterküche».

Anna-Lena Holm aus Olten begann als Neunjährige dank ihrem Vater mit dem Fotografieren. Ein paar Jahre später studierte sie Fotografie und machte ihr Hobby zum Beruf.

Am Anfang war die Kamera ein Beruhigungsmittel, verabreicht vom Vater. Auf einer langen Wanderung, die der neunjährigen Anna-Lena so gar kein Vergnügen bereiten wollte, drückte er ihr den Fotoapparat in die Hand. Es waren Schmetterlinge, die sie als Erstes mit der Kamera einfangen wollte, und so stehen die farbigen Sommervögel als der Anfang eines Hobbys, das längst zum Beruf geworden ist. Heute ist Anna-Lena Holm 27 und besitzt einen Bachelor of Arts in Fotografie, erworben an der Hochschule für Gestaltung in Hamburg. Vaters Medizin? Ein Wundermittel.

Für «Wildkräuterküche» gekocht und fotografiert

Nach dem Abschluss des Studiums zog sie nach Olten und startete als selbstständige Fotografin. Sie setzt Familien und Firmen ins Bild, hält Hochzeitsfeiern für die Ewigkeit fest, kreiert Reportagen und bebildert Bücher, zum Beispiel die im April erschienene «Wildkräuterküche». In dem Buch sammelt die Autorin Bärbel Höfflin-Rock Rezepte zahlreicher Schwarzwälder Kräuterfrauen. Anna-Lena Holms Aufgabe war es, sämtliche Gerichte zu kochen und zu fotografieren. Nicht zuletzt eine organisatorische Herausforderung, denn sie musste den Kalender im Griff haben, um die Wildkräuter zur richtigen Zeit im Jahr ernten zu können. Und weil Olten nicht weit weg vom Schwarzwald liegt und sich punkto Natur nicht grundsätzlich unterscheidet, fand sie die Kräuter auf hiesigen Feldern und Wäldern.

Der Auftrag für die «Wildkräuterküche» beschäftigte die Fotografin über den Zeitraum eines Dreivierteljahrs immer wieder. Mit der Unterstützung ihres Verlobten entstanden manchmal an einem Tag bis zu vier Gerichte und die Fotos dazu. Die natürliche Inszenierung war ein zentrales Element, weshalb die Fotografin ausschliesslich bei Fensterlicht und im Freien arbeitete. Wichtig war nicht nur, was auf dem Teller lag, sondern auch darum herum, was zusätzlich Kreativität erforderte. Sie suchte sich alte Holzlatten zusammen, verpasste ihnen einen neuen Anstrich und gestaltete so verschiedene «Tafeln».

Mit Pflanzen und Kräutern aufgewachsen

Die Bilder für das Buch waren nicht einfach ein weiterer Auftrag für Anna-Lena Holm, im Gegenteil, denn die Wildkräuter stehen im Zentrum ihres eigentlichen Interesses. In Trimbach als Tochter von Biologen in unmittelbarer Nähe zum Wald aufgewachsen, entdeckte sie früh die Pflanzen und Kräuter. Sie lernte auch, dass deren Vielfalt gehörig unter Druck geriet. «Als ich einmal bestimmte, heimische Kräuter suchte und nicht fand, war das mein Aha-Erlebnis», erklärt sie. Seither ist es die biologische Vielfalt in der Natur, die Biodiversität, die sie stets im Bewusstsein trägt. «Wenn man es lässt, wächst viel Wertvolles», sagt Holm, die Gartenbesitzer ermuntern möchte, einen Beitrag zu leisten, indem sie «ein paar Ecken» ihres Gartens unaufgeräumt lassen und heimische Pflanzen setzen.

Beruflich verfügt Anna-Lena Holm mit der Fotografie über ein ideales Kommunikationsmittel, um die Natur der Gesellschaft näher zu bringen. Ihr Wissen über Pflanzen und Kräuter ist so umfassend geworden, dass sie vielleicht schon bald Führungen, Kräuterwanderungen organisieren will. «Es gibt viel zu entdecken, und ich möchte die Leute für den Wert der Natur sensibilisieren», sagt sie. Sie selbst pflegt einen «minimalistischen Lebensstil», nicht nur, weil die Coronakrise auch bei ihr für Stillstand sorgte. «Die Natur liegt mir wirklich am Herzen, und ich überlege mir jeweils mehrmals, ob ich etwas Neues brauche oder auf Gebrauchtwaren und -kleider zurückgreifen kann.»

Die Natürlichkeit ist auch ein wichtiger Aspekt in ihrem Beruf als Fotografin. Holms Bilder werden in Originalform in den Reportagen und Büchern veröffentlicht, die Nachbearbeitung am Computer beschränkt sich auf das Nötigste, Retuschen und Verfremdungen gibt es nicht. «Die natürliche Fotografie wird wieder wichtiger», glaubt Anna-Lena Holm, die im ersten Semester ihres Studiums ausschliesslich analog arbeitete und so die ursprüngliche Kunst der Fotografie verinnerlichte.

Licht, Perspektive und Atmosphäre

Dank der Digitalisierung sind wir alle zu Fotografen geworden. Was aber macht das gute Bild aus? Auf das Auge kommt es an, sagt Anna-Lena Holm. «Zentral sind die Perspektive und die Berücksichtigung des Lichts. Wie kann ich störenden Hintergrund vermeiden? Welches Licht unterstützt die Bildaussage am besten?» Werden Menschen in Szene gesetzt, sei zudem der Umgang mit ihnen genauso wichtig wie die Technik. «Ich muss eine gute Atmosphäre schaffen, eine Vertrautheit, um die Leute einfühlsam anleiten zu können.» Ihr Erfahrungsschatz hat seinen Ursprung im Teenageralter. Mit 13 hatte sie begonnen, sich ein Fotostudio einzurichten, mit 15 führte sie die ersten Porträtaufträge aus.
Damit verdiente sie sich fortan einen Haufen Sporen ab und erarbeitete sich die Möglichkeit, nach dem Studium umgehend die Selbstständigkeit wagen zu können.

Die langjährige Tätigkeit sorgte für Vielfalt, ihre ganz eigene Biodiversität als Fotografin sozusagen. Die zwangsfreie Zeit während des Corona-Stillstands nutzte sie für die Ausbildung zur Wildkräuterpädagogin, die sie im Herbst abschliesst, und zur Inspiration zu neuen Ideen. Jetzt geht es langsam wieder los mit Aufträgen für Buchcover vom Ulmer-Verlag, der auch die «Wildkräuterküche» herausgibt. Bald, so hofft Anna-Lena Holm, soll die Auftragslage auch in den Sparten Familien, Firmen und Hochzeiten wieder anziehen. Ihre eigene Heirat, die für August vorgesehen war, haben sie und ihr Verlobter wegen der Pandemie auf 2021 verschoben. Umso mehr freut sie sich auf die Hochzeiten, die im Spätsommer und Herbst im Auftragsbuch stehen: «Hochzeiten sind für mich immer etwas Besonderes. Es ist einfach toll, so viele schöne Momente miterleben und einfangen zu dürfen.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1