«Hier gibt es für Leute ab 16 mehr als 20 Bildungsinstitutionen wie Kantonsschule, Berufsbildungszentrum, Ausbildungszentrum der SBB, Lernwerkstatt, die Fachhochschule. In Olten gibt es 18 000 Einwohner und 18 000 Studierende und Lehrkräfte.» Auf 1000 Einwohner also 1000 Lernwillige, folgerte Nützi. Damit sei Olten Schweizer Meister. Keine Stadt, kein Ort in der Schweiz habe gemessen an der Einwohnerzahl eine so hohe Zahl Studierende. «Ich behaupte: Das ist uns allen zu wenig bewusst. Ich behaupte: Wir machen zu wenig daraus.»

Diese Studierenden bräuchten einen funktionierenden Bahnhof, Verpflegung, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten, Museen, Bibliotheken, Bücherläden. Aber das alleine mache es nicht aus. Es brauche eine bestimmte Haltung, eine bestimmte Kultur. Nützi hatte dafür eine erstaunliche Beschreibung parat: «Manchmal morgens, wenn ich hier zu arbeiten beginne, riecht es nach Schokolade. Das ist einzigartig. Das kommt aus dem Oltner Industriequartier. Die 18 000 Studierenden, die jeden Tag hierher kommen, die müssen sowas riechen. Nicht Schokolade. Es muss nach Neugierde riechen, nach Wissensdurst, nach Anerkennung für Leistung, nach Interesse an Gesprächen, nach Aha-Erlebnissen.»

«Stallgeruch der Bildungsstadt»

Diesen Geruch in der Luft könne jedoch die Stadtregierung nicht machen. «Stallgeruch einer Bildungsstadt kommt von den 18 000, die hier studieren, und von den 18 000, die hier leben. Wir alle können im Alltag diesen Schoggi-Geruch der Bildung herstellen. Gehen Sie in den Campus und reden mit Studierenden. Schauen Sie die Stifte, die über Mittag rund ums BBZ sitzen, als Ihre Lebensversicherung an – und nicht als solche, die Abfall produzieren.»

Olten sei Schweizer Meister in jener Disziplin, die in Zukunft noch zentraler werde: in der Bildung. «Im Sport würde man sagen: Olten ruft dieses Potenzial noch zu wenig ab.» Die Leute in Olten seien gradlinig, unkompliziert, hemdsärmelig. «Beste Voraussetzungen, um mit den 18 000, die hier lernen, in den Ring zu steigen. Aus dem Hosenlupf mit diesen Leuten entstehen Freundschaften, neue Ideen, Geschäfte.»

Aufruf zur Weltmeisterschaft

Ruedi Nützi rief den in Olten Anwesenden abschliessend zu: «Sie sind Schweizer Meister in der Bildung. Wahrscheinlich sogar Weltmeister. Sind sie zu Recht stolz darauf.» Es sei toll, wenn es nach Schokolade riecht in dieser Stadt. «Sorgen Sie zusätzlich dafür, dass es nach Neugierde, Wissen, Leistung, jugendlichen Ideen riecht. Dazu braucht es keine Investitionsprogramme. Es braucht unsere Lust auf Gedankenaustausch, unsere Offenheit, unsere Freude, andere zu fördern und grösser zu machen.» (Zusammenfassung: wak)