Olten

Wo Vergangenes die Gegenwart einholt

Suzanne von Borsody und Guntbert Warns auf dem braunen Chesterfieldsofa, das zum Blickfang mutierte.

Suzanne von Borsody und Guntbert Warns auf dem braunen Chesterfieldsofa, das zum Blickfang mutierte.

«Der letzte Vorhang» im Oltner Stadttheater mit Suzanne von Borsody und Guntbert Warns wurde zum anspruchsvollen, faszinierenden Theaterabend.

Mit dem Schauspiel «Der letzte Vorhang» von Maria Goos erlebte das Oltner Publikum in der Besetzung des bekannten Schauspielerteams Suzanne von Borsody und Guntbert Warns einen anspruchsvollen, faszinierenden Theaterabend. Regie führte Antoine Uitdehaag, für Kostüme und Bühne war Tom Schenk verantwortlich, wobei vor allem das braune Chesterfield-Ledersofa zum Blickfang wurde.

Vergangenes und Gegenwärtiges

Das Publikum erlebte Vergangenes und Gegenwärtiges neben und übereinander, so als gäbe es keine Zeiträume dazwischen. Richard, ein Schauspieler, der alle Schattierungen in sich trug, dominant und besitzergreifend, dem Alkohol frönend, vergraulte seine Mitspielerin so, dass er am Schluss alleine dastand und die Aufführung des Schauspiels gefährdet war. Da kam ihm der glorreiche Gedanke, seine frühere Freundin Lies anzufragen, mit der er vor zehn Jahren genau dieses Stück «Der letzte Vorhang» gespielt und sich beide ineinander verliebt hatten. Doch dann verheiratete sie sich und lebte fortan ohne Theater in Südfrankreich.

Vorerst erlebte man eine frühere Episode mit der jungen hilflosen Kate, die mit Richard die Rolle spielen wollte, doch er konnte nichts mit ihr anfangen, das Ganze löste sich in Luft auf. Sie ging. Urplötzlich schlüpfte Suzanne von Borsody aus dieser Figur heraus, ihre Stimme wurde tief, schlagkräftig, ihr Benehmen dominanter, und sie übernahm die Rolle der Lies, die ihren früheren Geliebten und Schauspielerfreund Richard wieder traf. Immer wieder betonte sie, dass sie gekommen war, um ihm zu helfen, woraus auch immer diese Hilfe bestünde. Er trank, sie trank, und vieles löste sich im Niemandsland auf, nämlich überhaupt nicht. Ihre Liebe von früher aktivierte sich, wenn auch in anderer Form. Berührend war zu erleben, wie die beiden diese Emotionen herausspielten, sensibel und voller Widersprüchlichkeit. Man erlebte einen Ablauf der Kontraste. Das Ledersofa erlaubte die unmöglichsten Bewegungen, wurde Ruhepunkt, aber auch provokativer Anreiz. Beide begannen die frühere Beziehung zu beleuchten, ihre Begegnungen, auch jene mit Lies Ehemann. Plötzlich schlüpfte Richard in die Rolle des Ehemanns, mimte ihn in einer leichten Lächerlichkeit. Lies verteidigte sich und ihn, hie und da, tauchte manchmal auch in ihre früheren Zeiten ein. Die Handlung spitzte sich zu, Gefühle von Liebe und Zuneigung waren zwischen den beiden Theaterleuten erkennbar, das Spiel im Spiel schien ohne Ende.

Wie seltsam sind doch die Gefühle zweier Menschen, wenn sie sich einmal geliebt haben, sich aus den Augen verlieren, und plötzlich wieder in der gleichen Situation voreinander stehen. Ein widersprüchliches, explosives Unterfangen, denn das, was war, ist vielleicht noch immer. Unterhaltsam die hintergründigen, auch witzigen Dialoge, erkennbar in zarten Tönen auch die Angst von Lies, wieder dort anzukommen, von wo sie weggeschlichen war.

Alles nahm seinen Lauf

Das Theater im Theater nahm seinen Lauf, Richard verschwand, nachdem er mehrere Male versucht hatte, die alte Liebe zurückzugewinnen. Lies Ehemann tauchte mit einem Blumenstrauss auf, um seiner Frau für den Theaterauftritt zu gratulieren. Lies stieg wieder in ihr Eheleben ein. Der Zuschauer konnte nicht allzu beglückt aufatmen, denn der möglichen Abschiede waren viele, aber auch der Gefühle zwischen Mann und Frau. Suzanne von Borsody und Guntbert Warns zeigten dank ihrer grossartigen Begabung Theater von unglaublicher Intensität.

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