«Für den langjährigen Beitrag zum Zusammenleben und die gelungene Integrationsarbeit im Bifangquartier Olten» konnte das Begegnungszentrum Cultibo Ende September den Sozialpreis des Kantons Solothurn entgegennehmen. Die Preisverleihung hat diese Zeitung zum Anlass genommen, ein Integrationsprojekt vom Cultibo zu besuchen.

Zucker und Rahm stehen auf den zusammengestellten Tischen parat. Tassen und Löffel ebenfalls. Farbige Holzstühle säumen die Tischkanten. Der Mittwochmorgen im Cultibo steht im Zeichen des Café international. Das Konzept ist so einfach wie unverfänglich: Von halb zehn bis elf Uhr kann jeder im Begegnungszentrum auf einen Kaffee oder zwei vorbeischauen.

Anmeldungen braucht es keine. «Deshalb wissen wir nie so genau, wie viele Gäste wir jeweils begrüssen können», sagt Christoph Wüthrich, der Leiter des Cultibos. Pünktlich um halb zehn Uhr geht der Treff los. Noch sind nicht viele Gäste da. Die Gastgeber, heute sind es Hanspeter und Fabio, nehmen die Gäste in Empfang. Ein «Hallo, wie geht es dir?» hier, eine Umarmung da. Man kennt sich. Und man ist mit allen per Du. Gesprochen wird Hochdeutsch.

Das ist eine der beiden Vorgaben, die das Cultibo macht: Erstens muss Deutsch gesprochen werden, zweitens müssen die Gäste von den Gastgebern empfangen werden. Besagte Gastgeber sind es auch, die den Verlauf des Vormittags bestimmen. «Manche bringen Spiele mit, andere lassen den von den Gästen mitgebrachten Gesprächsthemen ihren Lauf», weiss Johanna aus Deutschland. Heute ist sie zu Gast im Cultibo, sie war aber auch schon als Gastgeberin tätig.

Viele Stammgäste

Die Kaffeemaschine läuft heiss. Mittlerweile zählt die Runde etwas mehr als ein halbes Dutzend Leute. Darunter auch das Ehepaar Rozhan und Bestun aus dem Irak. «Hier habe ich Deutsch gelernt. Das Cultibo ist ein wichtiger Platz für uns Ausländer», sagt etwa die Kurdin Rozhan.

Sinduja aus dem Süden Indiens ergänzt: «Es ist ein guter Ort, um Leute kennenzulernen.» Das Café international hat auch viele Stammgäste, die jede Woche vorbeischauen, wie Gastgeber Hanspeter erzählt. Raj ist einer davon: «Es gefällt mir hier sehr gut, sonst würde ich ja nicht herkommen», sagt er lachend.

Um zehn Uhr ist der Tisch voll: Zu den beiden Gastgebern gesellen sich zwölf Gäste. Sie kommen aus Indien, Deutschland, Sri Lanka, Bolivien, Dschibuti, dem Irak und aus der Schweiz. «Die meisten der Café-Gäste sind über 40 Jahre alt», weiss Christoph Wüthrich und ergänzt: «Das Café international ist ein einfacher, niederschwelliger Einstieg für Leute, die neu in Olten sind.» Oft sei es so, dass sich die Leute allerdings nicht alleine getrauen. Dann helfe es, wenn man schon jemanden kenne oder von Silvia Büchi von der Fachstelle Integration hergeschickt werde, meint der Zentrumsleiter.

Das Café international ist eines der meistbesuchten Cultibo-Angebote. Zu dieser Sparte zählt Wüthrich auch die Konversationsgruppen und der Mittwochs-Treff am Nachmittag. Gastgeber Hanspeter ist bekannt dafür, dass er Fotos und Karten mit in die Gesprächsrunde einbringt. Er hat sie auch heute dabei. Bestun aus dem Irak betrachtet ein Schwarz-Weiss-Foto aus den 40er-Jahren und berichtet von einem alten Auto, einem helmlosen Fahrradfahrer und von Nostalgie. Die Nordinderin hält ein Foto eines Mohnfeldes in den Händen und erzählt, dass sie die Samen der Mohnpflanze oft für das Würzen von Fleisch verwenden würden.

Schöne Anerkennung

Ob sich seit dem Gewinn des Sozialpreises etwas verändert hat? «Im Alltag nicht. Die wenigsten unserer Gäste haben das realisiert. Aber das Preisgeld hilft uns natürlich schon weiter», berichtet Christoph Wüthrich. Und: Es sei eine schöne Anerkennung für die Arbeit des Cultibos, das im Jahr 2010 aus dem städtischen Mitwirkungsprogramm Chance Olten Ost hervorgegangen ist.

Die Gespräche sind in vollem Gange. Die Themen so divers wie die Herkunft der Gäste. Der Zeiger der einzigen Uhr im Raum zeigt gegen elf. Gastgeber Hanspeter bedankt sich bei den Teilnehmern und beendet die Runde mit einem Zitat seines Vaters: «Die Tafel ist aufgelöst.»