Standortsuche

Wo gibt es in der Region Olten Bedarf an zusätzlichen Pflegeplätzen?

In der Sozialregion Olten gibt es laut Kanton zu viele Pflegeplätze, in den Sozial- regionen Thal-Gäu und Oberes Niederamt zu wenige. Symbolbild

In der Sozialregion Olten gibt es laut Kanton zu viele Pflegeplätze, in den Sozial- regionen Thal-Gäu und Oberes Niederamt zu wenige. Symbolbild

In Rickenbach kann nicht gebaut werden. Der Oltner Verein Haus zur Heimat muss auf Standortsuche. Wo wären die Chancen gut?

Der Oltner Verein Haus zur Heimat muss nach dem Veto der Rickenbacher zu einem neuen Pflegezentrum in ihrer Gemeinde einen neuen Standort suchen. Nach der Gemeindeversammlung wurde von der Vereinsführung betont, dass das 35-Millionen-Projekt mit den 78 Pflegeplätzen nun in einer anderen Gemeinde realisiert werden soll. Einen Plan B gibts allerdings nicht. Man habe Ideen für andere Standorte, konkret sei aber noch nichts, hiess es kurz nach der Gemeindeversammlung von Vereinspräsident Markus Diener.

Relativ klar ist allerdings, dass der neue Standort nicht der alte sein wird. Das bedeutet, dass das bisherige Gebäude des Alters- und Pflegeheims längerfristig nicht als neues Pflegeheim geeignet ist. «Das haben wir schon geprüft und verworfen», sagt Heimleiter Marco Petruzzi. Von der Stadt ist dem Verein ein Neubau ans Herz gelegt worden. Doch das bestehende Grundstück ist für das Neubauprojekt zu klein. «Ausser die Stadt würde uns den Vögeligarten als Alternative zur Verfügung stellen», sagt Petruzzi lachend.

Der Verein sucht nun ein Grundstück ähnlicher Grösse in der Region Olten, wie es mit rund 9000 m2 in Rickenbach zur Verfügung gestanden wäre. Klar ist, dass sich die «Vision Haus zur Heimat 2021» verzögert. Bis dann wäre der Neubau realisiert und die bisherige Liegenschaft in Olten in 40 Alterswohnungen mit Spitexdienstleistungen umgenutzt worden.

Wohin die 75 Pflegebetten zügeln, kann der Kanton nicht steuern, obwohl er die Plätze bewilligt. Eine Voraussetzung gibt es allerdings: Sie sollten in der gleichen Region bleiben. «Das Haus zur Heimat kann sein neues Pflegezentrum nicht im Bucheggberg bauen», sagt Katharina Ryser, die im Amt für soziale Sicherheit für die Aufsicht und Bewilligung der Heime zuständig ist. Zieht man die Berechnungen des Kantons heran, wo wie viele Pflegeplätze tatsächlich bewilligt sind und wie viele theoretisch nach Modellrechnungen zur Verfügung stehen sollten, so gibts in der Sozialregion Olten derzeit 127 Plätze zu viel.

Der Kanton geht nämlich davon aus, dass 18,5 Prozent der ab 80-Jährigen gemäss Bevölkerungsprognose von 2020 ein Pflegebett zur Verfügung stehen sollte. Weil der Kanton bis vor kurzem damit rechnete, dass dies sogar für 21 Prozent der ab 80-Jährigen der Fall sein sollte, gibt es nun eigentlich zu viele bewilligte Betten im Kanton. Ryser betont aber, dass es aufgrund der demografischen Entwicklung langfristig zu einem Mehrbedarf an Pflegeplätzen kommen könnte. Ab dem Jahr 2025 käme etwa die Babyboomer-Generation aus der Nachkriegszeit ins Pflegeheim-Alter.

Ein Vergleich mit den anderen Sozialregionen in der Umgebung von Olten zeigt aber, dass insbesondere in der Sozialregion Thal-Gäu und in der Sozialregion Oberes Niederamt zusätzliche Pflegeplätze benötigt würden (siehe Tabelle unten). Dort fehlen nach den Modellrechnungen des Kantons 73 respektive 53 Betten. «Wenn wir steuern dürften, wo zusätzliche Betten entstehen sollten, wäre das in diesen beiden Regionen», sagt Ryser. Weil die Planung einheitlich über den gesamten Kanton geschieht, ist dies allerdings nicht möglich. «Wir können nur Empfehlungen abgeben, wenn Investoren uns wegen Pflegeheim-Neubauten anfragen», so Ryser.

In der Amtei Thal-Gäu hätte Johanna Bartholdi allerdings keine Freude, wenn das Haus zur Heimat seinen Neubau dort verwirklichen würde. Die Präsidentin der Gäuer Genossenschaft, welche drei Heime betreibt, wäre eher dafür, dass der Kanton bewilligte Plätze dort streichen würde, wo es zu viele gäbe, wie etwa in der Sozialregion Olten. Spricht man allerdings mit den Heimleitern in der Stadt Olten, so berichten diese jeweils von einer sehr guten Auslastung der sechs Heime. Es gibt keine Anzeichen von vielen leerstehenden Betten. Stellvertretend sagt Matthias Christ vom Alters- und Pflegeheim Ruttiger: «Weil alle Heime so gut ausgelastet sind, sprechen wir nicht von Konkurrenten, sondern Mitbewerbern.»

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