«Angriffig und temporeich, politisch wutentbrannt und trotzdem charismatisch.» Unter anderem so begründet die Gesellschaft Oltner Kabarett-Tage ihre Wahl des Cornichon Preisträgers 2017. Der Deutsche Christoph Sieber erhält den Schweizer Kabarett-Preis Cornichon 2017 überreicht. In Olten zeigt Sieber sein bisher fünftes Soloprogramm: «Hoffnungslos optimistisch». Das Bühnenstück des 47-jährigen ausgebildeten Schauspielers und Pantomimen zeichnet sich aus durch brillante Sprache und packende Gestik.

«Sieber führt sein Publikum in ein grossartig inszeniertes Wechselbad der Gefühle. In Sekundenschnelle kippen beklemmende Anklagen in hinreissend komische Akzente, Elemente der Comedy werden gekonnt mit tiefgründiger Satire verquirlt», schreibt die Jury. Der Preis wird am Mittwoch, 12. Mai, 20 Uhr, im Stadttheater verliehen. Laudator wird Alfred Dorfer sein, Preisträger des Cornichons 2016. Das wortlose Duo Ohne Rolf – genau, jene mit den beschrifteten Plakaten – erhält den Ehrenpreis.

Nicht nur Preisträger

Die Kabarett-Tage vom 10. bis 20 Mai 2017 bestehen aber nicht bloss aus Preisträgern; mitnichten. Die Veranstaltung lebt auch vom Klang der andern, deren Auftritte zwar mit weniger gesellschaftlichem Renommee durchtränkt, aber inhaltlich nicht minder bereichernd sind.

Positiv zu werten ist die Tatsache, dass Kabarettdarsteller inzwischen – aus der Sicht jener, welche die Welt durch die hiesige Brille besehen – nicht mehr ausschliesslich von auswärts kommen müssen: Eine ganze Reihe von Einheimischen erobert mittlerweile die Kabarettbühne: Kilian Ziegler und Samuel Blatter, Philipp Galizia und Roman Wyss. Sie alle stehen heuer im Rampenlicht. Nicht zu vergessen der Doyen der Szene, Franz Hohler, den die Oltner zumindest seit dem «Schubertabend» im Stadttheater Ende der Siebzigerjahre als definitiv «den Ihren» verstehen. Darüber hinaus gelten Fast-Stammgäste der Kabarett-Tage auch schon beinahe als Oltner: Knut & Tucek etwa oder Lisa Catena. Die Senkrechtstarterin hat ihre Abschussrampe in Olten stehen.

Vor allem gut

Jenseits des geografisch durchdeklinierten Heimatgefühls können Kabarett-Aficionados heuer auch mit der Zunge schnalzen: Das Gastspiel des Theaterkabaretts Birkenmeier steht an und Altmeister Joachim Rittmeyer, Cornichon-Preisträger 1998, gibt sich die Ehre, ebenso wie zahlreiche weitere Preisträger, die, wie die Gesellschaft Oltner Kabarett-Tage zusammenfassend findet, «gesellschaftskritisch, musikalisch, schräg und vor allem eines sind: ausgesprochen gut!» Und weil die Prämisse «gut» eben für ein höchst persönliches Qualitätslabel steht, geht – nicht zum ersten Mal – ein weiterer leiser Hofknicks Richtung Comedy: Unter dem prosaisch anmutenden Titel «Kabarett meets Comedy» gastiert das Duo Lapsus in Olten.

«Walk of Fame» ist da

Elf Spielorte, ebenso viele Spieltage und fast 70 Künstlerinnen und Künstler setzen die Eckpfeiler der Jubiläumsausgabe. Darüber hinaus wird heute Samstag auch der Quai Cornichon enthüllt, der sich an den Walk of Fame anlehnt. Die entlang der Klostermauer installierten Porträt-Platten sämtlicher bisheriger Cornichon-Preisträger sollen die Vision der Kabarettgesellschaft nach der Kabarett-Hauptstadt Olten das ganze Jahr untermauern. Entstanden ist das Werk in enger Zusammenarbeit mit Werner Nydegger.

Der öffentliche Vorverkauf beginnt ab Mittwoch, 12. April, 8 Uhr unter
www.kabarett.ch, info@kabarett.ch oder 062 212 08 61.