Olten
Wo Fasnachtskostüme wahr werden: Zu Besuch an der Schule für Mode und Gestalten

Die Lernenden der Schule für Mode und Gestalten nähen nicht nur für Privatpersonen. Sie kleiden auch manch eine der Oltner Zünfte und Guggen ein – diese Zeitung macht einen Augenschein vor Ort.

Rahel Bühler
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Fasnachts-Reportage Schule Mode und Gestalten Olten
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 Sie ist 17 Jahre alt und im ersten Lehrjahr als Bekleidungsgestalterin.
 Die angehenden Bekleidungsnäherinnen und Bekleidungsgestalterinnen nähen an der Schule für Mode und Gestalten am BBZ Olten Fasnachtskostüme für Oltner Guggen und Zünfte.
 Ronja Korencic ist 18-jährig und im 2. Lehrjahr als Bekleidungsnäherin.
 Für die diesjährige Fasnacht entstehen an der Schule für Mode und Gestalten etwa 150 Gewänder.
 Raphaela Meyer aus Dulliken ist ebenfalls im 2. Lehrjahr als Bekleidungsgestalterin und hat dieses Jahr an Kostümen mit Federschmuck gearbeitet.

Fasnachts-Reportage Schule Mode und Gestalten Olten

Bruno Kissling

Satin, Samt, Tüll: Alles Materialien, welche die Lernenden der Oltner Schule für Mode und Gestalten brauchen, um ihr tägliches Handwerk auszuüben: Als Bekleidungsgestalterin oder -näherin fertigen sie Kleidungsstücke sowohl von Hand als auch maschinell. Hauptsächlich für Privatpersonen – aber nicht nur: Jeweils von Herbst bis Frühwinter eines jeden Jahres werden diese Materialien nicht ausschliesslich dazu verwendet, um Hosen, Jacketts und Jupes zu nähen. Nein, aus ihnen entstehen dann Fasnachtskostüme.

Im Nähatelier an der Riggenbachstrasse werden nämlich auch Fasnächtler eingekleidet. Vom Einzelteil bis zur 60-teiligen Serie kommt alles vor. «Heuer nähen wir für die Oltner Fasnacht etwa 150 Gewänder», sagt Schulleiterin Cornelia Jelitto. Für wen diese Gewänder bestimmt sind, darf sie nicht verraten. Auch bereits fertige Kostüme dürfen nicht fotografiert werden: Auch die sind geheim. Denn schliesslich soll den Oltner Guggen und den Zünften der Überraschungseffekt vorbehalten sein.

Hohe Identifikation

Für den gemeinen Fasnächtler ist sein Gewand traditionell sehr wichtig: Es repräsentiert sowohl Motto der Gugge, die Gugge selbst als auch die Individualität des Guggenmitglieds. Kein Wunder also, dass da nichts dem Zufall überlassen werden soll und manch einer professionelle Hilfe sucht. «Wir kleiden oft ganze Guggen ein, teils auch nur einzelne Mitglieder», sagt Cornelia Jelitto.

Besonders für jene Zunft, die jeweils den Obernaar stellt, ist ein gelungenes Outfit von grosser Bedeutung. Ob der diesjährige Obernaar Rahel auch auf die Dienste der Schule zurückgreift, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Der erste Obernaar wäre es nicht: Im Jahr 2015, als die Altstadt-Zunft das Fasnachtsoberhaupt stellte, stammten deren blau-weissen venezianischen Kostüme allesamt aus der Produktion der Schule für Mode und Gestalten.

«Zur Tradition beitragen»

Nach der Fasnacht ist vor der Fasnacht. Dies weiss auch Cornelia Jelitto: «Manche Guggen oder Zünfte klopfen bereits wenige Wochen nach der Fasnacht bereits wieder an unsere Tür und präsentieren uns ihre Wünsche für nächste Saison.» So beginnen die ersten Besprechungen im Frühling.

Manche Vereine kämen bereits mit fixfertigen Plänen, andere mit groben Ideen. Nach den Sommerferien gehen die Besprechungen, bei welchem die Lernenden in engem Kontakt mit den Auftraggebern stehen und ihrer Kreativität freien Lauf lassen können, weiter und im November bis Februar gehts in die Produktion. Seit vier Jahren bietet die Schule diesen Service an und kennt bereits zahlreiche Stammkunden. «Wir wollen damit zur Erhaltung der Tradition betragen und Olten und die Region unterstützen», berichtet Jelitto.

Ausserdem ist es manchen Guggen oder Zünften gar nicht möglich, ihre Kostüme selbst anzufertigen. Allerdings mache die Schule nicht ausschliesslich Kostüme für die hiesige Fasnacht, sagt die Schulleiterin und deutet auf ein rotes Oberteil, dass in einigen Wochen an der Basler Fasnacht zum Einsatz kommen wird.

Alle wirken mit

Der Schwierigkeitsgrad der Arbeiten variiere stark, so Jelitto. So kommt es denn, dass alle Lernenden an den Fasnachtskostümen mitarbeiten können. Unter ihnen ist auch die 17-jährige Dana Sieboth, die sich im ersten Lehrjahr als Bekleidungsgestalterin befindet: «Am Anfang ist das Kleidungsstück natürlich schwieriger um herzustellen. Mit jedem weiteren Exemplar, dass man anfertigt, wird es aber einfacher.»

Die Lernenden, insgesamt sind es deren 36, werden in drei Teams à je zwölf Personen eingeteilt. Zu jedem Team gehört zusätzlich eine Atelierleiterin und eine Assistentin. So helfen alle mit und fertigen die teilweise sehr aufwendigen Kostüme an.

Funktionstest bestehen

Dazu gehört auch, die Kreationen auf ihre Funktionalität zu testen. «Kombinationen auszuprobieren macht grossen Spass», erzählt die 17-jährige Raphaela Meyer aus Dulliken. Sie steckt im zweiten Lehrjahr als Bekleidungsgestalterin und hat für die diesjährige Fasnacht an Kostümen mit Federschmuck gearbeitet.

So muss zum Beispiel getestet werden, ob die Kopfbedeckung nicht zu leicht der Schwerkraft zum Opfer fällt oder der Wachstuchstoff des Oberteils klebt. Denn eines ist klar: Fasnachtsgewänder müssen nicht nur schön aussehen, sondern auch bequem und wettertauglich sein.

Schule für Mode und Gestalten

Eine wertvolle Dienstleisterin

«Die Schliessung der Schule für Mode und Gestalten ist seit der letzten grösseren Sparrunde des Kantons kein Thema mehr», erklärt Beat Loosli, Präsident der Schulkommission des BBZ Olten. Direktor Georg Berger bestätigt dies: «Aktuell ist die Debatte definitiv vom Tisch. Strukturelle Überprüfungen sind allerdings wiederkehrende Themen.»

So zuletzt geschehen im Rahmen des Massnahmenplans 2014 der Solothurner Regierung, als eine der Massnahmen die ersatzlose Streichung der Schule für Mode und Gestalten (SMG) lautete. Damit sollte der Staatshaushalt entlastet werden.

Georg Berger: «Einerseits konnte aufgezeigt werden, dass die SMG eine gesuchte Anbieterin von Massbekleidung und Masskonfektion sowie eine wertvolle Dienstleisterin für Kulturschaffende aus verschiedenen Gebieten, unter anderem auch durch Entwurf und Fertigung von Fasnachtskostümen, darstellt. Andererseits stiess eine mögliche Schliessung auf Widerstand der hiesigen Wirtschaftsverbände. So konnte der Erhalt der SMG sichergestellt werden.» (rbw)