Ausgrabungen in Olten

Wo die reichen Römer die Aussicht genossen...

Im Fustlig stossen die Archäologen auf gut erhaltene Mauern, Wandmalereien und Abfälle eines römischen Gutshofs. Bei einigen Funden sprechen die Experten gar von einer «kleinen Sensation».

Dass im Fustlig ein römischer Gutshof lag, war den Archäologen seit langem bekannt. Jetzt sind auf der grünen Wiese hinter dem Bauernhof Schibler, zwischen Sälistrasse und Fustlighalde, mehrere Wohnhäuser im Bau. Dadurch stiess die Kantonsarchäologie auf das Hauptgebäude des vermuteten Gutshofs, wie Kantonsarchäologe Pierre Harb erklärt.

Seit Ende Mai ist ein Team unter Leitung von Mirjam Wullschleger, der Spezialistin für die römische Epoche in der Kantonsarchäologie, vor Ort. In sorgfältigster Handarbeit werden Funde gesichert und die Situation aufgezeichnet.

Bis Ende Juli hofft die Grabungsleiterin, die Arbeit abzuschliessen. Dann können die Bagger kommen, die fast 2000-jährigen Mauern werden zerstört.

Reiche Römer lebten auf dem Land

«In der römischen Zeit wohnten die Reichen auf dem Land, nicht in der Stadt», erklärt Mirjam Wullschleger. Was jetzt im Fustlig gefunden wurde, war das Herrschaftshaus eines Landguts, die Residenz des Villenbesitzers.

Der Eingangsbereich der Villa zeichnet sich klar ab: zwei Ecktürme, dazwischen ein Laubengang (Portikus). Sogar die Zugangstreppe ist erkennbar.

Die gegen Stadt und Jura gerichtete Hauptfassade war etwa 20 Meter lang. «Das war für römische Verhältnisse mittelgross; es gibt Villen mit viel längeren Fassaden», sagt die Archäologin.

Unmengen von Bauabfällen

Dank der Hanglage waren die untersten Mauern im Erdreich geschützt und blieben sehr gut erhalten. Bei Umbauten während der Nutzungszeit vom 1. bis ins 3. Jahrhundert warfen die Römer Berge von Bauabfällen ins Untergeschoss. Diese erweisen sich nun als Fundgrube.

Begeistert sind die Archäologen von den Überbleibseln der Wandmalerei auf rotem Grund: «Ein so gutes Ensemble, mit so vielen und so gut erhaltenen Stücken haben wir selten.» Eine «kleine Sensation» sei die figürliche Darstellung, die sich mit einem gemalten Auge zeigt: «In Italien ist das normal, aber nördlich der Alpen sind Funde von solchen Darstellungen sehr selten.»

Im Gutshof vom Fustlig haben sich Teile eines «Oltner Kochtopfs» erhalten – beim Geschirr waren je nach Gegend unterschiedliche Formen üblich. Anders als Solothurn gehörte Olten zur östlichen «Kochtopfprovinz» im Mittelland.

Zu sehen sind Krüge, Reibschüsseln, ein Schneckenhaus, Knochenstücke, Speiseabfälle, Stücke einer Schüssel aus Importgeschirr, ein Eisenscharnier oder eine Fibel (Gewand-Schliessnadel). Solche «Kleinfunde» geben Auskunft, wann das Gebäude bewohnt war.

Rund 30 Kisten davon haben die Archäologen bis jetzt gesichert. Später wird Mirjam Wullschleger sie in der Publikation «Archäologie und Denkmalpflege im Kanton Solothurn» einordnen und beschreiben.

Tag der offenen Ausgrabung an der Sälistrasse: Sonntag, 14. Juli, 13 bis 17 Uhr.

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