Schon einer Viertelstunde vor der Türöffnung drängen sich die Leute vor der Oltner Stadthalle im Kleinholz. Schon jetzt zeigt sich, dass die auf Spur 0 spezialisierte Modelleisenbahnausstellung zum Erfolg wird. Die Besucher kommen aus der ganzen Schweiz an die Spur-0-Expo nach Olten. Unter ihnen ist auch Luc Briffod, der mit einer Gruppe Kollegen aus dem Genferseegebiet angereist ist. Seit ein paar Jahren pflegt er das Hobby, ist jedoch als Bürolist alles andere als beruflich für die Modelleisenbahnen vorbelastet. Das brauche man auch nicht zu sein, betont der Romand, ausschlaggebend sei die Leidenschaft, «l’importance, c’est la passion!»

Die Portion Leidenschaft

Über eine gehörige Portion Leidenschaft verfügen auch die Organisatoren. Es ist eine lose Gruppe, die diese Ausstellung in Eigeninitiative aus dem Boden stampft. Als Lokomotive – um im Jargon zu bleiben – fungiert Peter Schibli, der Vater von Kino-Koni, zusammen mit Jörg Studer, beide von der Eisenbahn-Modellbaugruppe Wangen. Zum Organisationskomitee zählen zudem die drei Partner vom Brugger Modelleisenbahn-Club, Mario Trabold (Präsident), Ulrich Rothe (Vizepräsident) und Richard Naef. Im Jahre 2007 fand in Aarau bereits einmal eine europäische Spur-0-Ausstellung statt. Anschliessend beschloss das fünfköpfige OK, den Schwung zu nutzen und führt seither im Turnus von zwei Jahren eine schweizerische Expo in Olten durch.

Ein Glücksfall

Dabei ist die Stadthalle im Kleinholz ein Glücksfall. Sie ist mit ihren 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche gross genug, um den vierzig Ausstellern reichlich Platz zu offerieren. Da kommen sich die grossen und kleinen Besucherinnen und Besucher nicht in die Quere und können die fahrenden Züge beobachten, auch wenn die Halle voll ist. Insbesondere kommen auch die grossen Modelleisenbahnanlagen zur Geltung. Die Nenngrösse Spur 0 entspricht einer Spurbreite von 32 mm, das Verhältnis zur realen Eisenbahn beträgt 1:45. Davon gibt es natürlich Abweichungen in der Spurweite, beispielsweise bei den Modellen der Rhätischen Bahn oder asiatischen Schmalspurbahnen.

Mehrere Vereine haben ihre Anlagen aufgebaut und lassen die miniaturisierten Personen- und Güterzüge darauf fahren. Die Am-Trackers aus Muttenz beispielsweise haben sich auf US-amerikanische Züge spezialisiert, die Nippon Rails lassen japanisches Rollmaterial fahren und die Winterthurer Eisenbahn-Amateure haben ganze funktionierende Kieswerke, Sägereien und Bierdepots nachgebaut. Die Wangener Eisenbahn-Modellbaugruppe selber hat 80 Module (Teilstücke) zusammengesetzt, auf denen 800 Meter Schienen verlegt sind. Auf der 12 mal 18 Meter grossen Anlage lassen sie historisches und aktuelles SBB-Rollmaterial seine Runden drehen. Peter Schibli hat ebenfalls einige Module beigesteuert, auf denen er Felslandschaften und Rebberge aufgerichtet hat.

In den Vitrinen sind wahre Raritäten zu bestaunen, Eigenbau-Modelle von Loks und Eisenbahnwagen. OK-Mitglied Richard Naef, der gern rare Einzelobjekte kopiert, hat beispielsweise massstabgenau einen Triebwagen von 1938 der Südostbahn SOB nachgebaut. Von diesem Zugfahrzeug, das wegen der vielen Fenster im Volksmund «Glaskasten» hiess und bis in die Siebzigerjahre zwischen St. Gallen und Arth-Goldau verkehrte, ist gerade noch ein Exemplar erhalten. Und bei den Occasionen schwärmt der Niedergösger Marktfahrer Jürg Blatter von einer funktionierenden Dampflokomotive, die wirklich noch mit Wasser fährt, indem mit Sprit aufgeheizter Dampf zwei oszillierende Kolben antreibt.